Der Autobauer Daimler wird chinesischer. Der langjährige Partner Baic steigt bei den Stuttgartern ein.

Daimler

23.07.19
Finanzierungen

Zweiter Chinese steigt bei Daimler ein

Die Beijing Automotive Group ist bei Daimler eingestiegen. Anders als der erste chinesische Investor ist dieses Unternehmen für den Stuttgarter Autokonzern ein alter Bekannter.

Das Aktionariat von Daimler wird noch internationaler: Der chinesische Autokonzern Beijing Automotive Group (Baic) hat sich eine Beteiligung an Daimler über 5 Prozent gesichert. Der Anteil besteht je zur Hälfte aus einer direkten Beteiligung und einer Call-Option.

Baic wird damit zum drittgrößten Aktionär von Daimler. Mehr Anteile hält nur der Staatsfonds von Kuwait mit 6,8 Prozent und der ebenfalls chinesische Investor Lif Shufu, der seit vergangenem Jahr 9,7 Prozent der Anteile hält. Der chinesische Milliardär ist Chef des Automobilkonzerns Geely – pikanterweise einer der wichtigsten Wettbewerber von Baic. Geelys Einstieg im Frühjahr 2018 kam überraschend und löste eine Debatte über die Tauglichkeit jener Vorschriften aus, die ein „Anschleichen“ von Aktionären unter Dehnung der Meldepflichten verhindern sollen.

Daimler und Baic sind bereits seit 2005 verbunden

Der Einstieg des zweiten chinesischen Investors sieht nun ganz anders aus: Daimler und Baic verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Seit 2005 arbeiten die beiden Unternehmen in verschiedenen strategischen Allianzen in China zusammen. Ihr Joint Venture produziert eine halbe Millionen Autos pro Jahr für den chinesischen Markt, außerdem betreiben die beiden Konzerne gemeinsam ein großes Forschungs- und Entwicklungszentrum in China. 2013 beteiligte sich Daimler an Baic Motor. Aktuell halten die Schwaben 9,5 Prozent der Anteile und sind auch im Verwaltungsrat vertreten.

Entsprechend positiv fallen die Reaktionen der Stuttgarter auf den Einstieg von Baic aus: „Wir begrüßen es sehr, dass unser langjähriger Partner nun auch ein langfristig orientierter Investor von Daimler ist“, kommentiert Daimler-Chef Ola Källenius. Der chinesische Markt bleibe für Daimler eine entscheidende Säule des Erfolgs – nicht nur beim Absatz, sondern auch für Entwicklung und Produktion.
 
Baic-Chef Heyi Xu erklärte, mit dem Aktienerwerb die Allianz mit Daimler „weiter stärken“ zu wollen. „Zudem bringen wir mit diesem Schritt unsere Unterstützung für den Vorstand und dessen Strategie zum Ausdruck“, sagte Xu weiter.

Gewinnwarnungen kosten Vertrauen (Daimler-Aktie seit Mai 2019)

Baic zahlt nur 2,5 Milliarden Euro für Daimler-Paket

Die Aktien beider Unternehmen reagieren positiv auf die Nachricht: Der Kurs der Papiere von Baic stieg um mehr als 4 Prozent, die Daimler-Aktie gewinnt am heutigen Dienstagmorgen um knapp 3 Prozent und steigt über die Marke von 47 Euro.

Trotzdem ist das Kursniveau niedrig und der Einstieg für Baic entsprechend günstig. Zwei Gewinnwarnungen innerhalb von weniger als zwei Monaten haben die Daimler-Aktie in den vergangenen drei Monaten über 20 Prozent ihres Werts gekostet. Das Papier notiert so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr. Aus diesem Grund dürften die 5 Prozent Baic nicht mehr als 2,5 Milliarden Euro gekostet haben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de