Bei der Versicherungs-Boutique Enterprise Holdings läuten die Alarmglocken, denn die größte Beteiligung der Holding soll abgewickelt werden.

Stockbyte / Thinkstock / GettyImages

03.08.16
Finanzierungen

Bei Enterprise Holdings schrillen die Alarmglocken

Alarmstufe Rot bei der Versicherungs-Boutique Enterprise Holdings: Die wichtigste Beteiligung wird offenbar aufgelöst. Das Rating ist ausgesetzt, die Gläubiger der Mittelstandsanleihe nehmen Reißaus.

Der Markt für Mittelstandsanleihen hat seinen nächsten Wackelkandidaten. Der im Entry Standard der Frankfurter Börse notierten Versicherungs-Boutique Enterprise Holdings laufen ihre Bondholder in Scharen davon. Innerhalb weniger Tage brach die Anleihe 12/2017 von 100 Prozent auf 37 Prozent ein. Das bis ins Jahr 2020 laufende Papier fiel von 75 Prozent auf rund 30 Prozent.

Was war passiert? Die 2004 gegründete Enterprise Holding umfasst mehrere Versicherungsbeteiligungen und vertreibt hauptsächlich White-Labeel-Versicherungsprodukte an Einzelhändler. Die erste und laut Creditreform wichtigste Beteiligung ist die Enterprise Insurance Company aus Gibraltar.

Wie die Holding in einer Ad-hoc-Meldung mitteilte, hat die 100-Prozent-Tochter die Finanzaufsicht Gibraltars nach deren Intervenieren darum gebeten, das eigene Geschäft zu übernehmen. Der Grund ist die „wesentliche Verschlechterung der Situation der Gesellschaft“, wie es weiter heißt. Die Enterprise Insurance Company stehe schon länger unter der Beobachtung der Finanzbehörden des britischen Überseegebiets, das für seine liberalen Steuergesetze bekannt ist. 

Creditreform setzt Rating der Enterprise Holdings aus

Weitere Details nannte die Enterprise Holding zur Abwicklung nicht. Auch mit den Analysten von Creditreform scheint das Management nicht zu sprechen. Darauf lässt die Aussetzung des Ratings schließen. Dies geschieht dann, wenn die Analysten schlicht nicht ausreichend Informationen erhalten, um eine Bonitätseinschätzung vornehmen zu können. Das Unternehmen war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bereits im Januar entzogen die Analysten dem Unternehmen das A-Rating und stuften Enterprise Holdings auf BBB herunter, da der Cashflow für das abgelaufene Geschäftsjahr minus 18,5 Millionen Pfund (rund 21,8 Millionen Euro) betrug und sich die Finanzkennzahlen unter Planniveau entwickelten. 

Abwicklung in Gibraltar trifft deutsche Bondholder

Wie wichtig die Gibraltar-Tochter für die deutschen Bondholder ist, zeigt der aktuellste Ratingbericht der Creditreform von vor zwei Jahren: Da die Enterprise Insurance Company die wichtigste Beteiligung ist, hat das Liquiditätsrisiko der Gibraltar-Tochter nicht nur negative Auswirkungen auf die verwendeten Mittel der Anleihe, sondern auch auf die Bonität der Enterprise Holdings. Denn an ihr hängen die beiden Anleihen mit einem nominalen Gesamtvolumen von 120 Millionen Euro. In einem aktuelleren Bericht des Analystenhauses Sphene Capital plant die Enterprise Holdings ihr Versicherungsgeschäft über den konzerneigenen Managing General Agent Andeva anzubieten. 

Von der 35 Millionen Euro schweren Anleihe 12/2017 müssen allerdings nur noch 19,5 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Bereits im Oktober hatte ein großer institutioneller Investor das Vertrauen verloren und Anleihen im Volumen von 9,2 Millionen Euro gekündigt, die laut der Enterprise Holding zurückgekauft wurden. Durch die Emission der Anleihe 15/2020 wurden zuvor bereits 6,3 Millionen Euro umgewandelt. Außerdem läuft derzeit ein Anleiherückkaufprogramm über 2 Millionen Euro.

Ursprünglich wollte Enterprise Holdings mit dem zweiten Bond bis zu 85 Millionen Euro einsammeln, konnte letztendlich inklusive des Umtauschangebots der alten Anleihe allerdings nur 19,3 Millionen Euro platzieren.

Enterprise Holdings: Nächste Kuponzahlung wohl gesichert

Geld, um das die Bondholder bangen. Denn es ist zu erwarten, dass die abzuwickelnde Enterprise Insurance Company kein Neugeschäft mehr an Land ziehen wird. Es bleibt abzuwarten, ob die restlichen Beteiligungen diesen Ausfall kompensieren können. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 14/15 schrieb die Holding nach eigenen Angaben einen Verlust von rund 7,8 Millionen Pfund (rund 9,2 Millionen Euro) und damit nmehr als im Vorjahr (6,8 Millionen Pfund).

Die nächste Zinszahlung für die Anleihe 12/2017 steht Ende September an. Dazu hat das Unternehmen laut eigenen Angaben auf einem Sonderkonto rund 3,4 Millionen Euro reserviert – das wäre genug. Im März 2017 ist Zahltag für den anderen Bond. Dafür ist mit 735.000 Euro allerdings erst ein Drittel des Kupons hinterlegt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Mini-Bond-Markt ist wieder einmal gehörig in Aufruhr. Bleiben Sie am Ball mit der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen