Nach der gescheiterten Sanierung geht die Deutsche Forfait den Schritt eines Schutzschirmverfahrens.

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30.09.15
Finanzierungen

Deutsche Forfait muss sich vor Gläubigern schützen

Die Sanierung der Deutschen Forfait ist vorerst gescheitert, die Gläubiger und Investoren haben den Exportfinanzierer im Regen stehen lassen. Jetzt flüchtet sich der Mini-Bond-Emittent in ein Schutzschirmverfahren – Zukunft ungewiss.

Der Kampf der Deutschen Forfait um den Rückhalt der Gläubiger und Aktionäre hat sich offenbar nicht gelohnt: Der Exportfinanzierer hat heute bekannt gegeben, dass er beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung stellen musste. Die Deutsche Forfait hat dringend Kapital gebraucht, um ihre Eigenkapitallücke zu schließen. Das Unternehmen wies zum 1. Halbjahr 2015 eine negatives Eigenkapital in Höhe von 11,3 Millionen Euro aus, im ersten Quartal waren es noch minus 7,3 Millionen Euro gewesen.

Dass dieser Schritt droht, davor hatte die Deutsche Forfait bereits vor einer Woche gewarnt, als sie die Anleihegläubiger zum letzten Mal verzweifelt dazu aufrief, ihre Anleihen unter Nennwert zu verkaufen, um die Bilanzlücke zu schließen. Wie sich heute herausgestellt hat, lag das Angebot bei 50 Prozent des Nennwerts der 30-Millionen-schweren Anleihe – das hat die Gläubiger offenbar nicht überzeugt. Insgesamt lagen der Deutschen Forfait lediglich Kaufangebote im Volumen von 2,5 Millionen Euro vor, erforderlich seien aber 5 Millionen Euro gewesen.

Deutsche Forfait sieht Erholung im operativen Geschäft

Hinzu kommt, dass auch die Gespräche mit neuen Investoren nicht erfolgreich waren. Sie hätten bis spätestens heute erfolgreich abgeschlossen werden müssen, um eine Insolvenz zu vermeiden, denn die im Juni und Juli platzierten Sach- und Barkapitalerhöhungen hätten nur bis zum 30. September in das Handelsregister eingetragen werden können. Das war allerdings nicht möglich, weil die Sachkapitalerhöhung – ein Debt-to-Equity-Swap – nur dann ins Handelsregister eintragen werden kann, wenn die Barkapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt wurde. Diese hatte allerdings im Juli nur 4 Millionen in die Kasse gespült und damit 6 Millionen Euro weniger als vorgesehen.  

Jetzt setzt die Deutsche Forfait ihre letzte Hoffnung darauf, die begonnene Restrukturierung im Schutzschirmverfahren abzuschließen. Durch den Schutzschirm ist das Unternehmen drei Monate lang von Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt. Die Geschäftstätigkeit soll unter dem bestehenden Vorstand weitergeführt werden, erklärt der Exportfinanzierer. Das operative Geschäft habe sich „vielversprechend“ entwickelt und solle fortgesetzt werden. Im ersten Halbjahr 2015 war das Geschäftsvolumen um 32 Prozent auf 37,3 Millionen Euro gestiegen, nachdem es im Vorjahr schwer eingebrochen war, weil die Deutsche Forfait zwischenzeitlich auf einer US-Sanktionsliste gelandet war. Das Konzernergebnis hat sich allerdings nur leicht verbessert von minus 6,9 auf minus 5,4 Millionen Euro.

Deutsche Forfait will Gespräche wieder aufnehmen

Jetzt will die Deutsche Forfait die Schutzschirmphase dazu nutzen, um erneut Gespräche mit den verschiedenen Investorengruppen zu führen, heißt es. Angesichts der erfolglosen Gespräche der vergangenen Monate ist es fraglich, ob die Deutsche Forfait die Investoren noch umstimmen kann.

Andererseits hatten sich diese schon ein mal kooperativ gezeigt: Ende Februar hatten die Gläubiger der Mittelstandsanliehe im zweiten Anlauf einer Restrukturierung zugestimmt, auch die Banken hatten seinerzeit ihre Unterstützung zugesagt. Die Gläubiger hatten zwar einige Forderungen durchsetzen können, mussten aber dennoch bluten, indem sie zum Beispiel einen reduzierten Zinssatz hinnahmen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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