Finanzierungen: Siemens will den Börsengang seiner Medizintechniksparte vorbereiten. Details nannte der Konzern noch nicht.

Siemens

14.11.16
Finanzierungen

Finanzierungen: Siemens, Agco, René Lezard

Siemens will seine Medizintechniksparte an die Börse bringen, Agco begibt den bisher größten Schuldschein eines US-Konzerns und René Lezard ist wieder auf Investorensuche – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

 

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Siemens plant IPO der Medizintechniksparte

Siemens will seine Medizintechniksparte Healthineers an die Börse bringen. Dadurch soll das Geschäft eigenständiger wachsen können. Allerdings soll das Medizintechnikgeschäft auch weiterhin „unter dem Dach von Siemens“ verbleiben, zitiert die Nachrichtenagentur dpa Finanzchef Ralf Thomas. Wann genau es soweit sein soll und wie der IPO im Detail aussehen soll, will der Konzern bekannt geben, wenn sich die Pläne konkretisieren. Das hänge unter anderem vom Börsenumfeld ab, heißt es.

Agco platziert Schuldschein über 375 Millionen Euro

Der US-amerikanische Landmaschinenhersteller Agco hat sich am deutschen Schuldscheinmarkt finanziert. Der Konzern platzierte ein Schuldscheindarlehen über 375 Millionen Euro. Das Papier ist in vier Tranchen mit Laufzeiten von drei, fünf, sieben und zehn Jahren aufgeteilt. 46 Investoren hätten den Schuldschein nachgefragt, der deutlich überzeichnet war. Das teilte die BayernLB mit, die den Schuldschein gemeinsam mit der Rabobank platziert hat.

Mit dem Schulschein will Agco die Übernahme des dänischen Unternehmens Cimbria refinanzieren. Ein weiterer Teil des Erlöses wird zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung genutzt. Der Schuldscheinmarkt lockt immer mehr ausländische Emittenten an und liegt in diesem Jahr erneut auf Rekordkurs.

René Lezard sucht neuen Investor für Restrukturierung

Der nicht genannte Finanzinvestor, der René Lezard bei der Finanzierung des Restrukturierungskonzepts unterstützen wollte, hat die Verhandlungen „überraschend abgebrochen“, wie aus einer Mitteilung von René Lezard hervorgeht. Der Investor wollte die Bankkredite des angeschlagenen Modehauses übernehmen, wenn die Anleihegläubiger des Unternehmens ebenfalls einer Restrukturierung zustimmen. Gründe für den überraschenden Ausstieg des Investors nannte René Lezard nicht.

René Lezard betonte an dem Restrukturierungsplan festzuhalten und sucht nun das Gespräch mit anderen interessierten Finanzinvestoren. Einen Fortschritt kann der Mini-Bond-Emittent dabei in den Verhandlungen vorweisen. Einen Tag nach dem der Ausstieg des potentiellen Investors bekannt wurde, stimmten die Bondholder dem Restrukturierungskonzept der Anleihe zu. Allerdings muss René Lezard für eine neue Vereinbarung mit einem Investor die Zustimmung des gemeinsamen Vertreters einholen.

Weitere Finanzierungen

Der Automobilzulieferer Flabeg Automotive Holding hat seine Finanzierung neu geordnet. Eigentümer von Flabeg ist eine Tochtergesellschaft von Sun Capital Partners. An dem neuen Finanzierungspaket sind eine europäische Großbank und ein europäischer Debt Fund beteiligt. Weitere Details der Transaktion sind nicht bekannt. Herter & Co war von Flabeg als Sole Debt Advisor mandatiert.

Der Automobilzulieferer Twintec hat sein Tochterunternehmen TwintecBaumot refinanziert. Das Unternehmen verfügt in den kommenden drei Jahren über rund 12 Millionen Euro zusätzliche Liquidität. Ein Anteil von 4,3 Millionen Euro fließt TwintecBaumot aus dem Verkauf der Vermögenswerte des Unternehmens Interkat Katalysatoren zu. Zudem hat das Unternehmen einen flexiblen Factoring-Rahmen über bis zu 4,5 Millionen Euro abgeschlossen, die Konditionen der bestehenden Mezzanine-Finanzierung neu verhandelt und Bankverbindlichkeiten durch einen Immobilienverkauf abgelöst.

Zwei der Banken, die die Marenave Schiffahrts AG finanzieren, tragen das bisher verhandelte Sanierungskonzept des Unternehmens nicht mit. Ursprünglich hatten alle finanzierenden Banken des Marenave-Konzerns im Juni eine Absichtserklärung abgegeben. Die beiden Banken haben sich trotz der positiven Bewertung der Verhandlungsführer nun überraschend umentschieden. Das Konzept sah vor, die gesamte Flotte zu verkaufen, um die Schiffsfinanzierungsdarlehen bestmöglich zurückzuführen.

Karlie Flamingo, das belgische Tochterunternehmen des Heimtierzubehörherstellers Karlie, und die Sub-Holding Garpet sind insolvent. Zwei der kreditgebenden Banken haben ihre Forderungen gegen das Unternehmen fällig gestellt und das zuständige Gericht eröffnet das Insolvenzverfahren. Damit steht auch das Mutterunternehmen Karlie Flamingo Belgium Holding vor der Insolvenz. Ein Manager des belgischen Unternehmens hatte bereits vor einigen Wochen Insolvenzantrag gestellt. Karlie hatte den Schritt als unbegründet kritisiert und erwogen dagegen vorzugehen. Davon nimmt das Unternehmen jetzt Abstand. Für den deutschen Mittelständler ist die belgische Tochter ein zentraler Vermögenswert. Das operative Geschäft in Deutschland könne weiterlaufen, solange auch der operative Betrieb in Belgien weiterhin aufrechterhalten wird.

Das Modeunternehmen Tom Tailor plant eine Kapitalerhöhung, die mindestens 10 Millionen Euro einbringen soll. Tom Tailor hat in diesem Rahmen eine Backstop-Vereinbarung mit dem chinesischen Investor Fosun abgeschlossen. Diese erlaubt es Fosun, sich im Umfang der derzeitigen Beteiligung von rund 29,47 Prozent auch an der Kapitalerhöhung zu beteiligen. Zudem wird Fosun alle nicht platzierten neuen Aktien bis zu einem Gesamtkaufpreis von 10 Millionen Euro zu erwerben. Allerdings ist eine Bedingung für die Transaktion, dass die deutschen BaFin den Investor von einer Pflicht zur Abgabe eines Übernahmeangebots befreit, falls dieser im Zuge der Kapitalerhöhung die Kontrolle über Tom Tailor erlangt.

Das Biotechnologieunternehmen Epigenomics bereitet eine Kapitalerhöhung mit einem angestrebten Bruttoemissionserlös von knapp 5 Millionen Euro vor. Dazu werden rund 1 Millionen neue Aktien zu einem Preis von je 4,83 Euro ausgegeben. UChip techonology, ein Tochterunternehmen des chinesischen Konzerns SummitView Capital, sowie Biochain zeichnen die Kapitalerhöhung. Das Bankhaus Neelmeyer begleitet die Transaktion.

Der Solarzulieferer Meyer Burger plant eine Kapitalerhöhung über 160 Millionen Schweizer Franken. Zudem will das Unternehmen die Bedingungen seiner 2020 fälligen Wandelanleihe anpassen. Die Möglichkeit der Investor-Put-Option zum 24. September 2018 soll entfallen. Den Zinssatz des Papiers erhöht Meyer Burger von 4 Prozent auf 5,5 Prozent. Gleichzeitig senkt das Unternehmen den Wandelpreis von bislang 11,39 Schweizer Franken.

Bayerische Startups haben 2016 vom Finanzierungsnetzwerk BayStartUP rund 68 Millionen Euro erhalten. Die Mittel gingen an 54 Startups, die im Durchschnitt 1,26 Millionen Euro erhalten haben.

Ratingmeldungen

In einer Woche wurde HeidelbergCement gleich von zwei Ratingagenturen auf Investmentgrade-Niveau gehoben. S&P bewertet den Zementkonzern mit dem Rating BBB-. Der Ausblick ist stabil. S&P erwartet, dass sich die Verschuldungskennzahlen des Unternehmens in den kommenden beiden Jahren aufgrund von Synergien durch die Italcementi-Übernahme stetig verbessern werden. Auch Moody’s verbessert das Rating des Konzerns auf Baa3. Durch die Upgrades erfüllen die Bonds des Konzerns nun die Bedingungen, um auch von der Europäischen Zentralbank gekauft zu werden.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Unternehmensfinanzierung.