Der Fahrradhersteller Mifa bekommt frisches Kapital und beruft mit Stefan Weniger einen Sanierungsexperten in den Vorstand.

Mifa

16.04.14
Finanzierungen

Frisches Geld und CRO für Mifa

Durchatmen bei Mifa: Der angeschlagene Fahrradhersteller hat mit Stefan Weniger einen Sanierungsexperten in den Vorstand berufen, der den kranken CEO Peter Wicht ablöst. Gleichzeitig hat Mifa im Rahmen einer Sale-and-Leaseback-Transaktion ein Betriebsgrundstück an den Landkreis verkauft. Die Erlöse von fast 6 Millionen Euro sind angesichts der zyklischen Fahrradbranche höchst willkommen.

Der Fahrradhersteller Mitteldeutsche Fahrradwerke (Mifa) hat sich durch einen Vorstandswechsel und eine gerade abgeschlossene Finanzierung eine kleine Atempause verschafft. Wie das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt mitteilte, bekommt der Ende März ernannte CFO Hans-Peter Barth Unterstützung im Vorstand.

Neues Vorstandsmitglied ist Stefan Weniger, Geschäftsführer der Sanierungsberatung hww Unternehmensberater. Der Rechtsanwalt und Betriebswirt wird künftig als Chief Recovery Officer (CRO) die Bereiche Reorganisation und Sanierung bei Mifa verantworten. Sein Vertrag ist zunächst unbefristet, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE.

Mifa-Firmenchef und Großaktionär Peter Wicht, der rund 24 Prozent der Aktien hält, legt hingegen sein Vorstandsmandat aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung nieder. Gestern hatte der Fahrradhersteller schon gegenüber FINANCE eingeräumt, dass CEO Wicht, „auf unbestimmte Zeit“ krankgeschrieben sei.

Frisches Kapital für Mifa: Sale-and-Leaseback und Eigenkapitalspritze

Noch wichtiger: Der angeschlagene Fahrradhersteller Mifa erhält frisches Geld. Das Unternehmen aus Sangerhausen verkauft im Rahmen einer Sale-and-Leaseback-Transaktion ein Betriebsgrundstück für 5,7 Millionen Euro an den Landkreis Mansfeld-Südharz. Der Fahrradhersteller mietet dabei das Grundstück „zu marktüblichen Konditionen“, wie es heißt, zurück und kann es wie bisher weiter nutzen. Das wirtschaftliche Eigentum bleibt im Zuge  dieser Vereinbarung bei Mifa. Wie der Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE erklärte, laufe die Sale-and-Leaseback-Vereinbarung bis auf weiteres. „Es gibt kein definitives Ablaufdatum.“

Der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt hatte bereits am vergangenen Samstag beschlossen, Mifa durch Finanzspritzen zu unterstützen. Der Landkreis plane, dem Fahrradhersteller Grundstücke und Aktien abzukaufen, sagte ein Sprecher des Landkreises am gestrigen Dienstag zur FINANCE-Schwesterpublikation Der Neue Kämmerer. Auch eine Bürgschaft war demnach im Gespräch, sei aber zunächst verworfen worden, weil hierfür eine beihilferechtliche Prüfung erforderlich sei. Mifa beschäftigt rund 750 Mitarbeiter – vornehmlich in der strukturschwachen Region.

Daneben hat der Fahrradhersteller eigenen Angaben zufolge mit weiteren Vertragspartnern wie Lieferanten, Kunden, Gesellschafter und Finanzierungsgebern Vereinbarungen getroffen, mit denen auch das laufende Geschäft weiter finanziert werden soll.

Die Verhandlungen mit dem indischen Partner Hero Cycles seien ebenfalls auf einem guten Wege, heißt es von Unternehmensseite. Mifa spricht mit dem indischen Fahrradhersteller über eine strategische Partnerschaft in den Bereichen Beschaffung und Produktentwicklung. Hero will Mifa – vorbehaltlich einer Due Dilligence – mit einer Eigenkapitalspritze von 15 Millionen Euro unter die Arme greifen. Das Unternehmen aus Sangerhausen rechnet in den kommenden Wochen mit rechtsverbindlichen Vereinbarungen. Ob und in welchem Umfang Hero dabei Aktionär der Mifa wird, blieb zunächst offen.

Ernst & Young soll Sanierungsgutachten erstellen

Mifa will nun die Konzernzahlen überprüfen, um nachvollziehen zu können, wie der voraussichtliche Jahresfehlbetrag im Geschäftsjahr 2013 entstanden ist. Wie FINANCE bereits gestern berichtet hatte, ist eine der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit der Prüfung beauftragt. Mifa bestätigte nun, dass EY Ernst & Young ein Sanierungsgutachten erstellen werde, „auf dessen Grundlage weitere Maßnahmen zur künftigen Ausrichtung des operativen Geschäfts getroffen werden sollen“. Das Sanierungsgutachten soll im Laufe des zweiten Quartals fertig gestellt werden. Die geprüften Zahlen will Mifa dann im Juni vorlegen.

Kurs der Mifa-Mittelstandsanleihe erholt sich etwas

Die Gläubiger der Mifa-Mittelstandsanleihe atmeten auf – der  Kurs erholte sich auf knapp 70 Prozent. Mitte August wird der Zinskupon für die Mittelstandsanleihe im Volumen von 25 Millionen Euro fällig.

Die Agentur Feri EuroRating hat nun auch das Emissionsrating der Mifa-Mittelstandsanleihe von BBB- auf B- herunter gesetzt. Die Ratingagentur hatte nach der Ad-hoc-Mitteilung vom 20. März, in der der Fahrradhersteller schwere Fehlbuchungen einräumen musste, das Emissionsrating der Mifa-Mittelstandsanleihe unter Beobachtung gesetzt und weitergehende Informationen von Mifa verlangt. Das sei jedoch „wegen der noch einzuleitenden Restrukturierungsmaßnahmen sowie der weiter laufenden Aufklärung der Verbuchungsfehler nur begrenzt“ möglich, erklärte Mifa.

Mifa sieht 2014 als Jahr der Reorganisation

Trotz der großen Herausforderungen, die Mifa zu bewältigen hat, blickt der Unternehmensvorstand „vorsichtig optimistisch“ auf das laufende Geschäftsjahr. „Die Auftragslage war im ersten Quartal auf einem gewohnten Niveau, auch für das zweite Quartal ergibt sich ein saisontypischer Auftragsbestand.“ In der Fahrradindustrie ist gerade in den Frühjahrsmonate Hochbetrieb, weil die Fahrradsaison gestartet ist. Das hat auch Auswirkungen auf den Kapitalbedarf, der in dieser Zeit sehr hoch ist. Der wesentliche Teil der gefertigten Räder wird in dieser Zeit ausgeliefert und von den Kunden bezahlt.

Die Produktion laufe normal und erfahre durch die am 20. März mitgeteilten Themen keine Einschränkungen, betont Mifa. „Trotzdem betrachten wir das Jahr 2014 angesichts des zu Tage getretenen Verlusts und der einhergehenden strukturellen Maßnahmen als Jahr der Reorganisation“, sagt der Mifa-Vorstand, der nun aus Hans-Peter Barth und CRO Stefan Weniger besteht. „Aus heutiger Sicht dürfen wir ab 2015 wieder deutliche Verbesserungen bei den operativen Kennzahlen erwarten, dies wird auch gestützt durch die aktuellen Erkenntnisse von EY Ernst & Young.“

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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