HKW-Pleite: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung

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07.02.14
Finanzierungen

HKW-Pleite: Staatsanwaltschaft prüft, ob Straftat vorliegt

Der Münchner Staatsanwaltschaft liegt eine Strafanzeige gegen den früheren HKW-Chef Gerrit Brunsveld vor. Ihm könnte nun einiges Unheil drohen – und seinen Anleihegläubigern der Totalverlust.

Die Insolvenz des Personaldienstleisters HKW beschäftigt nun auch die Münchner Staatsanwaltschaft. Wie diese gegenüber FINANCE erklärte, ist bei der Staatsanwaltschaft München Mitte Januar eine aus vier Leitzordnern bestehende Strafanzeige wegen des Verdachts des Betruges gegen den ehemaligen HKW-Firmenchef Gerrit Brunsveld eingegangen. „Derzeit prüfen wir diese Anzeige, ob ein ausreichender Anfangsverdacht für eine verfolgbare Straftat besteht. Es liegt also noch kein Ermittlungsverfahren vor“, sagte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft München zu FINANCE. „Aufgrund einer automatischen Mitteilung des Insolvenzgerichts prüfen wir in einem gesonderten Verfahren auch, ob im Zusammenhang mit der Insolvenz der Firma HKW eine Straftat vorliegt.“ Weitere Angaben seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Damit bestätigen sich die FINANCE-Informationen von Januar, wonach schon kurz nach dem Insolvenzantrag begonnen wurde, eine Strafanzeige gegen die HKW-Verantwortlichen vorzubereiten.

Bei HKW gibt es gleich mehrere besorgniserregende Vorfälle. Vorige Woche waren bis dato nicht bilanzierte Verbindlichkeiten von HKW in Höhe von 2,6 Millionen Euro aufgetaucht. Zudem befindet sich das Geld aus der Emission einer Mittelstandsanleihe Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach zufolge nicht mehr im Unternehmen. Geschäftsführer Gerrit Brunsveld habe die durch die 10 Millionen Euro-Emission eingeworbenen Gelder „vollständig in Form mehrerer ungesicherter Darlehen an mit ihm verbundene beziehungsweise von ihm beherrschte Unternehmen ausgereicht“, vermutet Bierbach.

Gläubigern der HKW-Mittelstandsanleihe droht Totalverlust

Zu Beginn dieser Woche kam die nächste Hiobsbotschaft für die Gläubiger der HKW-Mittelstandsanleihe: Mit Beginn des Insolvenzverfahrens hat Insolvenzverwalter Bierbach eine sogenannte Masseunzulänglichkeit angezeigt. „Dieser Fachbegriff besagt, dass das noch vorhandene Vermögen der HKW voraussichtlich nicht ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens sowie die sonstigen Masseverbindlichkeiten zu decken“, sagt Rechtsanwalt Klaus Nieding, Vorstand der Rechtsanwaltsaktiengesellschaft Nieding + Barth. Damit müssen sich die Gläubiger der Mittelstandsanleihe auf einen Totalverlust einstellen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de