Neues Puzzlestück für die Finanzierung: Immer mehr CFOs interessieren sich für Hybridanleihen.

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20.10.15
Finanzierungen

Hybridanleihen: So gelingt die Platzierung

Hybridanleihen sind auf dem Weg vom Nischen- zum Trendprodukt. Immer mehr CFOs schätzen die Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Die Emission einer Hybridanleihe ist jedoch nicht ohne.

Hybridanleihen werden immer beliebter. 2014 lag das Gesamtemissionsvolumen in Deutschland bei 10,5 Milliarden Euro, in diesem Jahr sind bislang auch schon über 8  Milliarden Euro platziert worden. Wie robust der Markt ist, zeigt, dass selbst im volatilen Juli und August die Deutsche Börse und die Lufthansa noch erfolgreich Hybridanleihen platzieren konnten.

Die Vorteile der Hybridanleihen

Eine Hybridanleihe ist eine Mischform aus zwei Finanzierungselementen. Zum einen ist es eine Anleihe mit Fremdkapitalcharakter, auf der anderen Seite wird das eingesammelte Kapital unter bestimmten Voraussetzungen von Banken und Ratingagenturen zum Teil als Eigenkapital anerkannt. Unternehmen können mit Hybrid-Bonds deshalb ihre Eigenkapitalquoten erhöhen, ohne die Anteile der Eigentümer am Unternehmen zu verwässern. Die Gläubiger des Hybridkapitals erhalten keinerlei Stimmrechte oder Einflussmöglichkeiten im Unternehmen.

Die zusätzlichen Kosten, die dafür anfallen, sind begrenzt. Im Schnitt zahlen Unternehmen aktuell etwa 2 bis 3 Prozentpunkte mehr für Hybridkapital als für normale Unternehmensanleihen. Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld entspricht dies Kupons von in der Regel 4 bis 6 Prozent – eine sehr günstige Alternative für Unternehmen, für einen gewissen Zeitraum ihr Eigenkapital aufzustocken.

Hybridanleihen lassen sich mit großen Volumina emittieren

Vor allem große Konzerne nutzen diese Möglichkeit häufig. Ein Vorteil für sie ist, dass der Markt aufnahmebereit für große Volumina bereit ist. Derzeit gibt es einen Trend hin zu Dual-Tranche-Emissionen, bei denen beide Teile der Transaktion Benchmark-Größe erreichen. Auf diese Weise haben in diesen Jahr bereits einige Emittenten mehr als 1 Milliarde Euro eingesammelt. Die beiden Tranchen eines Hybridbonds unterscheiden sich meist hinsichtlich der Laufzeit und damit auch dem Kupon.

Aber auch mittelgroße Unternehmen nutzen das Instrument häufig, um einige hundert Millionen Euro von Investoren zu erhalten. Je nach Größenordnung und abhängig davon, ob ein externes Rating für das Unternehmen vorliegt, gibt es für die Unternehmen unterschiedliche Motivationen, sich für eine Hybridanleihe zu entscheiden.

Hybridanleihen sind gut für Rating und Bilanz

Der Eigenkapitalcharakter der Hybridanleihen kann sich auf zwei unterschiedliche Weisen äußern. Für Finanzchefs von ungerateten Unternehmen kommen die Zwitter-Bonds in Frage, um die Eigenkapitalquote in der Bilanz zu verbessern. Damit die eingesammelte Summe in der Bilanz nach IFRS als Eigenkapital betrachtet werden kann, muss allerdings die Struktur des Hybridbonds stimmen. Aus der Anleihe darf sich keinerlei Rückzahlungspflicht für das Unternehmen ergeben. Das heißt, die Laufzeit muss unendlich sein.

Wenn CFOs von Unternehmen mit externem Rating durch Hybridkapital ihre Rating-Note stützen oder verbessern wollen, dann kann die Laufzeit der Bonds auch endlich sein. Der Marktstandard liegt derzeit bei einer Laufzeit von 60 Jahren. Wenn die Ratingagenturen mit der Struktur des Bonds einverstanden sind, dann erkennen sie die Hälfte des Volumens als Eigenkapital an.

Investoren mit zu langen Laufzeiten nicht verprellen

Doch die langen Laufzeiten sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hybridanleihen schon nach wesentlich kürzerer Laufzeit zurückgezahlt werden sollten. Die erste Call-Option besteht meist bereits nach einigen Jahren. Diese Rückzahlungstermine sind freiwillig, die Unternehmen müssen den Bond also nicht tilgen.

Allerdings sollten CFOs das Vertrauen der Investoren nicht überstrapazieren. Es gibt eine Erwartung seitens der Anleger, dass die Hybridbonds früh, möglichst am ersten Call-Termin, zurückgezahlt werden. Wenn das nicht der Fall ist, kann das Unternehmen bei der nächsten Emission Schwierigkeiten bekommen, genügend Interessenten zu finden.

Für die Unternehmen wird der Anreiz, ihre Hybridanleihen früh zu tilgen, auch dadurch erhöht, dass der Kupon nach dem ersten Rückzahlungstermin angepasst wird und es sogenannte Step-Ups gibt, durch die die Zinsen erhöht werden. Diese Step-ups sind erheblich und können durchaus 300 Basispunkte und mehr erreichen. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Hybridanleihe dann aus CFO-Sicht auch kein günstiges Finanzierungsinstrument mehr und sollte auch aus Cashflowgründen zügig zurückgezahlt werden.

Hybridbonds eignen sich für die Finanzierung von M&A-Deals

An einer Refinanzierung zu einem der ersten Call-Termine wird ein Unternehmen im Normalfall also nicht vorbeikommen. Wenn Finanzchefs sich für eine Hybridanleihe entscheiden, sollten sie diesen Aspekt unbedingt im Blick behalten. In einigen Jahren kann das Zinsniveau deutlich anders aussehen, was eine Refinanzierung über einen neuen Hybridbond deutlich teurer machen könnte.

Im Idealfall kann das Unternehmen die Hybridanleihe in einigen Jahren wieder zurückführen, ohne eine neue begeben zu müssen – zum Beispiel wenn in der Zwischenzeit zusätzliches „echtes“ Eigenkapital ins Unternehmen geflossen ist oder sich die Schuldentragfähigkeit des Emittenten erhöht hat. Oft werden Hybridanleihen in Zeiten eingesetzt, in denen die Verschuldung eines Unternehmens außergewöhnlich hoch ist und wichtige Untergrenzen bei der Eigenkapitalausstattung unterschritten werden, zum Beispiel im Zuge eines M&A-Deals.

In solchen Situationen lassen sich Kapitalerhöhungen häufig nur zu schlechten Kursen platzieren, was die Anteile der bestehenden Aktionäre schwer verwässern würde. Wenn sich ein Unternehmen aber in den Jahren nach der Emission deutlich entschuldet, kann der Hybridbond auch zurückgezahlt werden, ohne dass der Verlust des Eigenkapitals starke Konsequenzen für die Bilanz oder das Rating hat.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Worauf CFOs bei der Emission von Wandelanleihen achten müssen, was die typischen Fehler bei der Bilanzierung von M&A-Deals sind und vieles mehr können Sie unserem FINANCE-Ratgeber nachlesen.