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29.10.12
Finanzierungen

Komplexe Finanzierung, komplexe Restrukturierung

Komplexe Finanzierungen aus den Jahren 2005 bis 2008 führen heute zu schwierigen Restrukturierungsverhandlungen. Zu diesem wenig erstaunlichen Ergebnis kommt eine neue Studie von Deloitte. Dennoch sollten CFOs ihre Lehren daraus ziehen, bevor sie eine Anleihe begeben: High-Yield Bonds gelten nämlich als Quelle Nummer eins für künftige Schieflagen.

Die Fälle Q-Cells, Pfleiderer und KarstadtQuelle zeigen: Viele Instrumente, eine große Anzahl unterschiedlicher Gläubiger und komplexe Konzernstrukturen erschweren Restrukturierungen unheimlich – und lassen sie häufig sogar scheitern. Dies ist auch eines der Kernergebnisse einer aktuellen Umfrage von Deloitte, in der mehr als 30 Restrukturierungsspezialisten aus Großbritannien und dem Rest Europas interviewt worden sind. Besonders die Erfahrungen mit kriselnden Leveraged Buy-outs aus den Jahren des Kreditbooms  zeigen, wie schwierig es werden kann, sich mit den Gläubigern zu einigen.

In Großbritannien, dem Schwerpunkt der Umfrage, war im Laufe des letzten Jahres besonders der Einzelhandel in der Krise. Gründe waren die anhaltende Konsumschwäche, der Druck auf die niedrigen Einkommen und das fehlende Verbrauchervertrauen in dieser Region. Daran dürfte sich auch 2013 wenig ändern, glauben immerhin 40 Prozent der befragten Banker. In Deutschland hingegen sind – abgesehen von dem Sonderfall Solarbranche – die Probleme momentan eher noch hausgemacht, wie jüngst das Restrukturierungsbarometer von FINANCE und Struktur Management Partner erbracht hat.

CROs auf dem Vormarsch

Die von Deloitte Befragten glauben, dass mit dem anhaltenden Abschwung eine prominentere Rolle für Berater und Chief Restructuring Officers (CRO) einhergeht. Schön wäre es, diese Berater würden schon frühzeitig einbezogen. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass die Berater erst viel zu spät hinzugezogen werden, wie ebenfalls das oben erwähnte Restrukturierungsbarometer zeigt.

Für Banken, die sich von Problemkrediten trennen wollen, bleiben die Möglichkeiten überschaubar: Die Preise auf den Sekundärmärkten sind weiterhin auf dem Boden. So bleibt die Restrukturierung bestehender Engagements für die meisten Banker die wichtigste Möglichkeit, mit Distressed Debt umzugehen. Dabei dominieren Stillhaltevereinbarungen, Kreditverlängerungen und Covenant-Resets: Eher in Ausnahmefällen kommt es aber auch zum Forderungsverzicht oder einem „Debt-Equity-Swap“ (Tausch von Schulden in Unternehmensanteile).

Eine neue Quelle für Restrukturierungen könnten die High-Yield Bonds aus den letzten beiden Jahren werden. Bei diesem Ergebnis sollten CFOs ganz besonders aufhorchen, die mit dem Gedanken an eine neue Anleiheemission spielen. Erfahrungsgemäß lassen sich dabei die Gläubiger am schwierigsten organisieren. Wegen sogenannter Covenant-Lites (abgeschwächte Eingriffsrechte der Gläubiger) haben Geldgeber bis zum Zahlungsausfall allerdings oft kaum Eingriffsrechte.

markus.dentz[at]finance-magazin.de