08.02.12
Finanzierungen

Lanxess-CFO Düttmann: „Wir sichern uns Liquidität zu günstigeren Zinssätzen als im regulierten chinesischen Kreditmarkt“

Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat eine Offshore Renminbi-Anleihe platziert. CFO Bernhard Düttmann sprach mit FINANCE über die Herausforderungen und Hintergründe.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat eine sogenannte Dim-Sum-Anleihe in Höhe von 500 Millionen Yuan, umgerechnet etwa 60 Millionen Euro, platziert. Der Bond läuft drei Jahre, hat einen Kupon von 3,95 Prozent p.a. und wird ab dem 16. Februar gehandelt. „Wir waren in China bislang über Eigenkapital, konzerninterne Darlehen und lokale Kreditlinien finanziert“, sagt Lanxess-Finanzvorstand Bernhard Düttmann, seit 1. April 2011 CFO des Leverkusener Konzerns, gegenüber FINANCE. Mit den Mitteln will der Spezialchemiekonzern nun sein operatives Geschäft und Wachstumsprojekte in China finanzieren. „Wir erschließen uns damit neue Finanzierungsquellen und sichern uns langfristige Liquidität zu Zinssätzen, die aktuell günstiger als im regulierten chinesischen Kreditmarkt sind“, sagt Düttmann weiter.

Lanxess‘ Emission der in Hong Kong denominierten Anleihe ist die erste eines deutschen Unternehmens in diesem Jahr. In der deutschen Chemiebranche ist es überhaupt ein Novum. Im Mai vergangenen Jahres hatte Volkswagen den Startschuss gegeben und als erstes deutsches Unternehmen eine Offshore-Renminbi-Anleihe platziert. Der Autobauer hatte damals  1,5 Milliarden Yuan, was etwa 163 Millionen Euro entspricht, platziert. Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH folgte im Herbst mit einer Dim-Sum-Anleihe in Höhe von insgesamt 2 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 230 Millionen Euro. Seit Anfang 2010 können in China tätige Unternehmen über eine Offshore-Anleihe an eine Renminbi-Finanzierung kommen. Bislang konnten sie diese nur über Bankdarlehen erhalten. Als erster multinationaler Großkonzern machte McDonald's davon Gebrauch.

Mit 500 Millionen Renminbi hat sich Lanxess mit einem kleineren Volumen als sonst zufrieden gegeben. „Wir wollten nur ein überschaubares Volumen platzieren, um damit das noch sehr junge Instrument kennenzulernen“, sagt Düttmann. Zudem sei der Markt deutlich enger als der Euro- oder US-Dollar-Markt. „Er ist nicht so liquide wie die bereits etablierten Kapitalmärkte.“ Die Chinesen entwickelten den Offshore-Markt sehr vorsichtig und die Anzahl der Investoren sowie die anzulegenden Beträge seien im internationalen Vergleich noch sehr klein. „Aber der chinesische Kapitalmarkt wird zukünftig eine bedeutende Rolle spielen“, glaubt der Lanxess-CFO. Der Spezialchemiekonzern hat eigenen Angaben zufolge von der chinesischen Zentralbank bereits die Genehmigung erhalten, die Erlöse aus der platzierten Anleihe nach China zu überführen. Mit der Platzierung der Anleihe waren Standard Chartered Bank, Deutsche Bank und Bank of America Merrill Lynch beauftragt.

China gehört zu den wichtigen Eckpfeilern der globalen Wachstumsstrategie von Lanxess. Im Jahr 2010 erzielte der Konzern in Greater China (Festland China, Hong Kong, Taiwan und Macao) einen Umsatz von rund 800 Millionen Euro. Im Jahr 2012 soll dieser auf 1 Milliarde Euro steigen. Das Unternehmen ist mit 13 Business Units an 10 Standorten vertreten. Der Bond wurde bei institutionellen Investoren in Asien und Europa platziert. „Wir wollten unbedingt am asiatischen Markt platzieren, um unsere Bekanntheit dort zu erhöhen und Zugang zu neuen Investoren zu erhalten“, sagt Düttmann. Die Region Asien-Pazifik repräsentiert über 20 Prozent des Gruppenumsatzes von Lanxess. Auch in den Medien würde die Kapitalmarkttätigkeit der ausländischen Emittenten verfolgt, sagt Düttmann weiter. „Das hat langfristig einen guten Einfluss auf unser Standing und unsere Marke in Asien.“ Standard & Poor’s und Fitch bewerten Lanxess mit BBB (Ausblick stabil), Moody’s mit Baa2 (Ausblick stabil).

sabine.paulus(*)finance-magazin(.)de