Die unbeschwerten Zeiten sind für Mifa vorbei: Der Bilanzskandal wirkt sich auch auf die Gläubiger der Mittelstandsanleihe aus.

Mifa

15.05.14
Finanzierungen

Mifa vor Haircut, Hero Cycles vor Einstieg

Die Abschlüsse von Mifa sind schon seit Jahren falsch: Wie der Fahrradhersteller auf Basis noch ungeprüfter Zahlen bestätigt, lag der Jahresfehlbetrag für 2013 bei 15 Millionen Euro. Inklusive der Vorjahre entsteht ein Bilanzverlust von 28 Millionen Euro. Die Gläubiger sollen nun einem Haircut zustimmen. Hero Cycles könnte derweil die Mehrheit übernehmen.

Die Lage beim Fahrradhersteller Mitteldeutsche Fahrradwerke (Mifa) ist noch schlimmer als angenommen: Das Sangerhausener Unternehmen bestätigt die Höhe des Fehlbetrags für 2013 auf Basis ungeprüfter Zahlen mit 15 Millionen Euro. Aber auch die Abschlüsse der Vorjahre enthalten „wesentliche falsche Angaben“, wie Mifa mitteilt. Betroffen seien die Bilanzposten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fertige Erzeugnisse.

Insgesamt ergibt sich daraus laut Mitteilung eine Bestandsdifferenz von rund 19 Millionen Euro. Das Unternehmen geht mit einem Bilanzverlust von voraussichtlich 28 Millionen Euro zum Jahresende 2013 aus. Vor dem Hintergrund aktueller Erkenntnisse rechnet der Vorstand der Mifa für das erste Quartal 2014 nicht mehr mit einem ausgeglichenen Ergebnis“, heißt es in der Adhoc-Mitteilung. Allerdings sind die Zahlen noch untestiert.

Barkapitalerhöhung: Hero Cycles stellt Bedingungen

Dessen ungeachtet will der indische Partner Hero Cycles, mit dem Mifa bereits seit Juli verhandelt, an dem für die Rettung wichtigen Einstieg wie geplant festhalten. Seit vergangener Woche verhandeln Hero, Mifa und die Mifa-Aktionäre wieder intensiv in Deutschland, wie FINANCE aus Marktkreisen erfuhr. Das Unternehmen bestätigte dies.

Fest steht, dass Hero Cyces mittels (möglicherweise mehrerer) Barkapitalerhöhungen 15 Millionen Euro neues Eigenkapital zur Verfügung stellen will. Offen ist, ob die Altaktionäre um Ex-CEO Peter Wicht und Carsten Maschmeyer nebst weiteren Großaktionären, die derzeit 51,5 Prozent der Mifa-Aktien halten, mitziehen oder mitziehen dürfen.

Zugleich knüpfte Hero seine Unterstützung an Forderungen: So sollen die Finanzierungspartner Mifa „erhebliche Finanzierungsbeiträge“ leisten – ein Schuldenschnitt ist damit angekündigt. Auf der Passivseite der Mifa-Bilanz finden sich zum letzten Bilanzstichtag vom 30.09.2013 neben der Mittelstandsanleihe über gut 24 Millionen Euro noch 1 Million an langfristigen Finanzschulden, darüber hinaus kurzfristige Kontokorrentkredite über 25 Millionen Euro.

Primär vom Schuldenschnitt betroffen sein dürften einmal mehr die Gläubiger der Mittelstandsanleihe, wenngleich diese eine Besicherungsklausel enthält. Der Kurs der Anleihe stürzte am heutigen Vormittag auf 43 Prozent ab.

Mifa: Finanzierungspartner vor Haircut

Aber auch die Banken dürften bangen. Denn schließlich beziehen sich die Wertberichtigungen exakt auf die finanzierten Betriebsmittel. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen eine Gläubigerversammlung in den kommenden Wochen an.

Frisches Geld hat der angeschlagene Fahrradhersteller bereits vom Landkreis Mansfeld-Südharz bekommen. Im Rahmen einer Sale-and-Lease-Back-Transaktion hat Mifa ein Betriebsgrundstück für 5,7 Millionen Euro an den Landkreis verkauft. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber FINANCE den Vollzug der Transaktion, wollte aber weder bestätigen, ob das Geld bereits geflossen ist, noch wie sich die Liquiditätssituation derzeit darstellt.

Auch die Mifa-Aktie verlor im Verlauf des Vormittags rund 12 Prozent an Wert. Die Marktkapitalisierung des Fahrradherstellers sank damit auf rund 23 Millionen Euro. Bei der angekündigten Kapitalerhöhung könnte Hero Cycles insofern die Mehrheit übernehmen. Diese Erwartung bestätigten Frankfurter Finanzkreise gegenüber FINANCE.

Bis zum möglichen Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen dürften noch einige Wochen ins Land gehen. Ein Mifa-Sprecher bestätigte, dass der Jahresabschluss 2013 im Juni vorgelegt werden soll. Derzeit erarbeitet auch EY ein Sanierungsgutachten. Möglicherweise noch Ende Juni könnte dann die Gläubigerversammlung stattfinden, deren Zugeständnisse den Weg frei machen würden für die heute angekündigten Barkapitalerhöhungen aus genehmigtem Kapital.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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