04.09.12
Finanzierungen

Nestlé-Bond mit Rekordkupon

Nestlé setzt neue Maßstäbe bei Anleiheemissionen im Euromarkt. Der Schweizer Lebensmittelkonzern emittierte eine zehnjährige unbesicherte Anleihe über 850 Millionen Euro. Der Kupon beträgt historisch niedrige 1,75 Prozent. Auch andere CFOs sichern sich schon vorzeitig historisch niedrige Konditionen.

Nestlé ist ein neuer Rekord gelungen: Nestlé Finance International Ltd., der Finanzierungsarm des Schweizer Lebensmittelkonzerns hat eine zehnjährige unbesicherte Anleihe über 850 Millionen Euro platziert. Der Kupon beträgt sage und schreibe niedrige 1,75 Prozent. Die Anleihe erzielte damit den niedrigsten Kupon für eine zehnjährige Unternehmensanleihe in der Geschichte des Euro. „Angesichts einer Inflationsrate von 2 Prozent und mehr in der Eurozone erzielte Nestlé damit einen negativen Realzins“, sagt Matthias Minor, Head of Corporate Debt Capital Markets für den deutschsprachigen Raum bei der RBS, einer der an der Transaktion beteiligten Banken. Neben der RBS waren noch die Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas und HSBC als Lead Manager beteiligt.

Der Schweizer Lebensmittelkonzern ist mit einem Spread von 20 Basispunkten gegenüber Midswaps an den Markt gegangen. Letztendlich lag er bei niedrigen 15 Basispunkten gegenüber Midswaps. Das Orderbuch betrug 2,4 Milliarden Euro. Nestlé ist mit dieser aktuellen Emission schon das zweite Mal innerhalb von acht Wochen an den Markt gegangen. Der Schweizer Lebensmittelkonzern baut für die Großübernahme des Babynahrungsgeschäfts von Pfizer für knapp 12 Milliarden Dollar vor. Die Behörden haben den Deal zwar noch nicht genehmigt, aber die beiden Anleiheemissionen in dieser kurzen Zeitspanne müssen wohl in diesem Zusammenhang gesehen werden. Der Schweizer Lebensmittelkonzern war in der Vergangenheit stets sehr preisbewusst und opportunistisch am Kapitalmarkt aktiv. „Nestlé hat immer nur kleine Volumina in verschiedenen Währungen platziert“, sagt Minor. Der Konzern hat also darauf wert gelegt, rar im Markt zu bleiben.

Keine Sommerpause am europäischen Bondmarkt

Europäische Unternehmen nutzen die Kapitalmärkte in diesem Jahr sehr rege. „Auch in der Sommerpause von Juli bis August ist im Vergleich zum vergangenen Jahr sehr viel passiert“, sagt Minor. Volkswagen verzinst seine gerade platzierte zehnjährige Anleihe beispielsweise mit ebenfalls niedrigen 2,375 Prozent. Der Autokonzern Daimler folgte dem Wettberber und platzierte am heutigen Dienstag seinen ersten zehnjährigen Bond in Euro. Das Schweizer Spezialchemieunternehmen Clariant hat kürzlich den längster Cross-Over-Bond am Schweizer Domestic Bond Markt platziert und Siemens ist nach gut drei Jahren Abstinenz wieder an den europäischen Anleihemarkt zurückgekehrt. Der Münchner Dax-Konzern hat ein Quartett an Anleihen in Euro und Pfund Sterling platziert und dabei am Sterlingmarkt Laufzeiten von dreizehn und von dreißig Jahre erzielen können. „Die sehr hohe Nachfrage nach guten Adressen aus dem deutschsprachigen Raum bleibt ungebrochen“, sagt Minor. „Die Investoren geben bei sehr hoch gerateten Namen im Gegenzug auch Konzessionen beim Pricing.“ Auch Nestlé liegt deutlich im Investmentgrade: Moody’s bewertet den Lebensmittelkonzern mit Aa2 und S&P mit AA. 

Opportunistische Anschlussfinanzierung von Bonds

Der Grund für die rege Aktivität an den europäischen Bondmärkten ist offensichtlich. Sowohl bei den Spreads als auch bei den absoluten Marktzinsen sind historische Niedrigstände erreicht. Viele Emittenten nutzen die derzeit historisch niedrigen Finanzierungskosten opportunistisch und refinanzieren derzeit schon Fälligkeiten von 2014. „70 Prozent der DAX-Unternehmen haben wir in diesem Jahr schon am Kapitalmarkt gesehen“, sagt Minor. „Unternehmen wollen sich eine Bodensatzfinanzierung in die Bilanz holen.“ Ob die historisch niedrigen Konditionen aber weiter Bestand haben, ist fraglich. „Vieles ist von den Aktivitäten der Zentralbank am kommenden Donnerstag abhängig“, sagt der RBS-Banker. Auch die Ratingagenturen haben sich zuletzt wieder skeptisch zur Eurozone geäußert. Es gibt viele Faktoren, die den Markt verunsichern können. „Dennoch steht außer Frage, dass der Kapitalmarkt einen immer höheren Stellenwert bei CFOs und Finanzverantwortlichen einnimmt“, sagt Minor. Das unterstreicht auch die weiter wachsende Anzahl an Erstemittenten.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de