Nach der Insolvenz: Droht Rena jetzt ein Haircut?
02.04.14
Finanzierungen

Rena: Kommt jetzt der Haircut?

Nach der Insolvenz des Maschinenbauers Rena stellt sich die Frage, wie es mit dem Konzern weitergeht. Das Unternehmen hält sich noch bedeckt, Anlegerschützer rechnen mit einem Haircut. Derweil scheint sich die insolvente SH+E Group etwas zu stabilisieren.

Nach der Insolvenz des Maschinenbauers Rena vor einer Woche mehren sich die Mutmaßungen über die Folgen für die Gläubiger der Mittelstandsanleihen: Anlegerschutzanwälte vermuten, dass Rena einen Haircut plant, bei dem die Anleger möglicherweise auf einen großen Teil ihrer Ansprüche verzichten müssten. Denkbar sei auch ein Debt-Equity-Swap, bei dem die Gläubiger zu Eigentümern werden würden, so der Münchener Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Stephan Greger.

Tatsächlich ist unklar, mit welcher Insolvenzquote die Gläubiger rechnen könnten. Rena ist alleine über die beiden Mittelstandsanleihen aus den Jahren 2012 und 2013 mit 78 Millionen Euro verschuldet. Hinzu kommen noch Schulden an anderer Stelle, so dass sich die Finanzverbindlichkeiten per Ende Juni 2013 – dem letzten Bilanzstichtag, zu dem Zahlen vorliegen –  auf rund 170 Millionen Euro beliefen. Die Gesamtsumme aller Verbindlichkeiten gibt Rena mit 406 Millionen Euro an. Bei Renas immateriellen Vermögensgegenständen in Höhe von gut 86 Millionen Euro rechnen Unternehmensbeobachter mit umfangreichen Wertberichtigungen, die der Insolvenzantrag nötig gemacht habe.

Rund 6 Millionen Euro Zinsen fallen für die beiden Mittelstandsanleihen pro Jahr an. Derzeit notiert die 2010er Anleihe bei rund 17 Prozent, die 2013 begebene Anleihe bei 16 Prozent.

Insolvente SH+E Gruppe stabilisiert sich etwas

Derweil laufen die Geschäfte bei der insolventen SH+E Group, die Rena Ende Februar in die Insolvenz geschickt hatte, offenbar besser. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Tobias Hoefer von der Kanzlei Hoefer I Schmidt-Thieme seien alle Einzelfirmen wieder voll handlungs- und funktionsfähig, nicht zuletzt weil man die Einzelfirmen möglichst eigenständig voneinander laufen lasse.

Diese Entflechtung des SH+E-Konzerns werde auch von potentiellen Investoren positiv gesehen: „Wir haben bislang eine sehr erfreuliche Resonanz bei der Investorensuche. Die  zielt jedoch mehr auf die einzelnen Betriebe als auf die SH+E Gruppe als Ganzes”, lässt sich Hoefer in einer Mitteilung zitieren. Erste Angebote könnten noch vor Ostern vorliegen, hofft der Insolvenzverwalter.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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