Der MDax-Konzern Rheinmetall hat sein Eigenkapital gestärkt und seine Liquiditätsreserven aufgestockt. Die Kapitalerhöhung war clever.

Rheinmetall

15.12.15
Finanzierungen

Rheinmetall rüstet Bilanz für M&A-Deals

Der MDax-Konzern Rheinmetall hat sein Eigenkapital gestärkt und seine Liquiditätsreserven aufgestockt, um sich für möglich M&A-Deals zu wappnen. Das Timing der Kapitalerhöhung war clever gewählt.

Der Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall befindet sich in einer schwierigen Lage. Anfang Dezember befeuerte die Freigabe der geplanten Fusion der beiden Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann und Nexter die M&A-Welle in der Rüstungsbranche. Marktbeobachter erwarten, dass innerhalb Europas in den nächsten Jahren noch weitere große Rüstungskonzerne geschmiedet werden könnten, während gleichzeitig auch aus ausländischen Märkten großes Interesse an dem deutschen Technologie-Knowhow in bestimmten Nischen des Rüstungsmarktes besteht.

Rheinmetall stärkt Eigenkapital um 230 Millionen Euro

Die Rheinmetall-Führung bereitet sich auf die erwartete Konsolidierungswelle vor und hat die Bilanz aufgerüstet. Mit Hilfe einer Kapitalerhöhung nahm Rheinmetall im November brutto 230 Millionen Euro ein. Zudem erneuerte Rheinmetall im Oktober seinen Konsortialkredit über 500 Millionen Euro und sicherte sich eine Option auf zusätzliche 250 Millionen Euro.

Rheinmetall hat zwar keine konkreten Übernahmepläne, will aber schnell handlungsfähig sein: „Wir haben mit den Finanzierungstransaktionen unsere Bilanz aufgeräumt und uns eine strategische Liquiditätsreserve aufgebaut“, sagte Rheinmetall-Treasurer Burkhard Grimm der FINANCE-Schwesterpublikation „DerTreasurer“. So könne Rheinmetall künftig ein aktiver Spieler im M&A-Gerangel in der Rüstungsbranche sein.

Rheinmetall-Eigenkapital leidet unter Pensionsrückstellungen

Die Kapitalerhöhung war laut Grimm schon länger geplant: „Unser Eigenkapital hat unter den höher gewordenen Pensionsrückstellungen gelitten“, sagt er. Die bilanzielle Eigenkapitalquote lag zum 30. September dieses Jahres bei nur 24 Prozent.

Auch die Ratingagentur Moody’s hatte bei ihrem negativen Ausblick Ende vergangenen Jahres bereits die zunehmende Verschuldung bemängelt. Das Rating ist mit Ba1 nicht nur außerhalb des Investmentgrades, sondern enthält auch den Ausblick negativ. Durch die Kapitalerhöhung legte die Eigenkapitalquote um 3 Prozentpunkte zu und liegt jetzt wieder bei über 27 Prozent.

Der Zeitpunkt der Kapitalerhöhung war kein Zufall: Das Jahr 2015 lief für Rheinmetall gut. Speziell die Rüstungssparte, die mit 1,6 Milliarden Euro fast die Hälfte der Erlöse ausmacht, glänzte in den ersten neun Monaten 2015 mit einem Umsatzwachstum von 17 Prozent. Infolgedessen hat sich der Börsenwert des Unternehmens fast verdoppelt. Die Kapitalerhöhung wurde bei einem Kurs von 61,70 Euro eingeloggt, nahe am Vierjahreshoch der Aktie. Aktuell notiert das Papier bei rund 60 Euro.

Durch den Erlös aus der Kapitalerhöhung in Höhe von 230 Millionen Euro dürfte der Kassenbestand von knapp 200 Millionen Euro Ende des dritten Quartals sich mehr als verdoppelt haben. Zusammen mit einem marktüblichen Fremdkapitalanteil sind für Rheinmetall dadurch Zukäufe in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro wieder in Reichweite gerückt.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Wieso Rheinmetall die Refinanzierung des Konsortialkredits bereits anderthalb Jahre vor Ablauf des Vorgängers gestartet hat und welche Bank die Kapitalerhöhung begleitet hat, erfahren Sie im neuesten Print-Magazin von DerTreasurer, das auch als kostenloses PDF erhältlich ist, auf Seite 30.