Anklage gegen Travel24-Vorstand Armin Schauer

Travel24

15.09.14
Finanzierungen

Travel 24 kämpft um seinen Ruf

Der Ruf des Leipziger Onlinereiseanbieters Travel24 ist durch eine Serie von Negativschlagzeilen angeschlagen. Vorstand Armin Schauer wirbt um Vertrauen. Doch es bleiben Fragezeichen um die aktuelle Lage der am Bondmarkt notierten Unister-Tochter.

Die Zeiten könnten besser sein für Travel 24 und die Anleger der Mittelstandsanleihe: Nachdem die Generalstaatsanwalt Dresden Anfang des Jahres Anklage gegen Travel24-Vorstand Armin Schauer und erhoben hat – es geht um den Vorwurf des unerlaubten Betreibens von Versicherungsgeschäften und um den Verdacht einer damit verbundenen möglichen Steuerhinterziehung – beanstandete wenig später auch noch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungswesen (DPR) den Geschäftsbericht 2012. In drei Punkten hat Travel 24 nun in Zusammenarbeit mit seinem Wirtschaftsprüfer BDO nachgebessert.

Unter anderem warf die Bilanzpolizei DPR Travel24 vor, die durch die fristlose Kündigung der Zusammenarbeit durch den Reisekonzern TUI verschlechterte Lage nicht ausreichend dargestellt zu haben. Die operativen Zahlen fielen denn auch 2013 deutlich schwächer aus als 2012. Der Kurs der im Herbst 2012 platzierten Mittelstandsanleihe fiel im Zusammenhang mit diesen beiden Negativmeldungen zunächst auf Kurse um 70, bevor er dann Ende Juli sogar auf unter 50 einbrach. Anlegerschutzanwälte bringen sich bereits vor dem Zinstermin am 17. September in Stellung.

Gegenüber FINANCE versichert Vorstand Armin Schauer, dass die Zinszahlung gesichert ist. Nach derzeitigem Stand muss er ein Anleihevolumen von rund 21,8 Millionen Euro bedienen, das durch Nachplatzierungen seit der Emission stetig gewachsen ist. Die zum Bilanzstichtag am 30. Juni ausgewiesene Liquidität von 3,6 Millionen Euro ist dafür ausreichend.

Travel 24 verbucht hohe Kosten im Hotellerie-Geschäft

Allerdings wurde die Kasse zuletzt auch durch die Nachplatzierung von Anleiheanteilen gestärkt und nicht nur durch den zuletzt wieder besseren, aber immer noch schwachen Cashflow. Knapp 14 Millionen Euro der Emissionserlöse seien bislang in die Hotelprojekte investiert worden, berichtet Schauer. Für die ehrgeizigen Ziele, an zwei Standorten gleichzeitig Hotels zu bauen, reichen die verfügbaren Mittel indes derzeit nicht aus.

Insbesondere das in Köln erworbene Hochhaus, eine Immobilie aus den Siebzigerjahren, sei aufwändig zu renovieren. Da mehrere Kaufinteressenten mit attraktiven Angeboten an Travel24 herangetreten waren, habe man den daher den Verkauf des Objektes erwogen, sagt Schauer – ein Verkaufserlös von knapp 10 Millionen Euro ist dem Wertansatz in der Bilanz zufolge zu erwarten. Die Gespräche seien fortgeschritten.

Ohnehin sei immer nur der Betrieb der Hotels über den Weg eines Sale&Lease-Back-Verfahrens geplant gewesen, sagt Schauer,  nicht aber der Besitz. Die eigene Projektentwicklung soll indes den Einstieg in das Budgethotelgeschäft beschleunigen. Der Standort Leipzig im traditionellen Ringmessehaus mache Fortschritte. Die Eröffnung ist zum letzten Quartal 2015 geplant. Wie bei Bauprojekten üblichen sind Verzögerungen und Kostensteigerungen möglich, die Travel24 mit 2 Millionen Euro beziffert. Derzeit werde das Fundament im sumpfigen Leipziger Grund verankert. „Für 2014 ist das Investitionsbudget geordnet“, verspricht Schauer. Aber die Investoren sind nervös angesichts der schwachen Bilanz und der schwer kalkulierbaren Risiken im Baugeschäft.

Schwache Bilanz schränkt Wachstum ein

Wegen der Verzögerungen bei den Hotelbauten muss Travel 24 bis 2016 seine Cashflows allein aus dem Internetgeschäft erzielen. Dort ist Travel24 zuletzt deutlich auf die Kostenbremse getreten. Niedrigere Marketingausgaben haben die Gewinne im ersten Halbjahr 2014 verbessert. Schauer spricht von einer „Konsolidierung“ bei einer Umsatzgröße von rund 30 Millionen Euro. Für den Heimatmarkt Deutschland wäre ein die nächste Umsatzgröße mit erheblichen Marketingausgaben verbunden, so Schauer.

Dies jedoch lässt die Bilanz aktuell nicht zu. Die Eigenkapitalquote liegt nur bei rund 14 Prozent. Eine Kapitalerhöhung erscheint in der derzeitigen Situation so gut wie ausgeschlossen – auch weil Großaktionär Unister, der 76 Prozent der Anteile an Travel 24 hält, seine eigene Reisesparte ausgegliedert hat und diese offenbar zum Verkauf stellt. Unter diesen Umständen erscheint eine Kapitalerhöhung im Travel24-Reisegeschäft als eher unwahrscheinlich. Angesichts der geringen Wechselschwellen im Internet sind die Marketingkürzungen nicht ohne Risiko. Schauer glaubt, bei sinkenden Umsätzen schnell reagieren zu können.

Wie es an der juristischen Front weitergeht, ist derweil offen. In diesem Jahr rechnet Travel 24 mit keiner Entscheidung mehr.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de