Hafen von Oslo: Warum setzt Quadriga für die Finanzierung seines Portfoliounternehmens LR Health auf einen Nordic Bond?

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FINANCE+ 04.02.21
Finanzierungen

Warum Quadriga einen Nordic Bond platzieren lässt

Der PE-Investor Quadriga refinanziert sein Portfoliounternehmen LR Health über einen Nordic Bond – ein Ausnahmedeal. Was dahinter steckt und was das für die deutsche Leveraged-Finance-Landschaft bedeutet.

Ungewöhnlicher Deal am deutschen Markt für Private-Equity-Finanzierungen („Leveraged Finance“): Der bekannte Mittelstandsinvestor Quadriga hat für sein Portfoliounternehmen LR Health & Beauty einen Nordic Bond platzieren lassen. Nach Aussage der begleitenden Bank Pareto, die mit der früheren Equinet eine große Dependance in Deutschland unterhält, war die Emission „deutlich überzeichnet“, die Anleihe ging an insgesamt 75 Investoren. Der Nordic Bond hat ein Volumen von 125 Millionen Euro und einen Zinssatz von 725 Basispunkten über Euribor. Die Laufzeit beträgt vier Jahre.

LR Health & Beauty beschäftigt 1.100 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von rund 285 Millionen Euro mit dem Direktvertrieb von rezeptfreien Beauty- und Gesundheitsprodukten. Manche Vertriebler verkaufen nur im Freundes- und Bekanntenkreis, manche aber auch durchaus professionell über Influencer-Marketing. Quadriga hat LR Health im Jahr 2018 übernommen.   

Erlös der LR-Emission fließt auch an Quadriga

Quadriga nutzt den skandinavischen Bondmarkt, der deutlich professioneller organisiert ist als das deutsche Mittelstandsanleihen-Segment, um die Passivseite seines Portfoliounternehmens komplett neu aufzusetzen. Von dem eingenommenen frischen Kapital dienen rund 85 Millionen Euro der Ablösung von Bankschulden, 35 Millionen fließen in die Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Knapp 5 Millionen werden nach FINANCE-Informationen für Kosten und Gebühren verwendet.

Die Transaktion ist also teils Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten, teils „Recap“. Bei Recaps ziehen die Gesellschafter Eigenkapital (oder Gesellschafterdarlehen) aus einem Unternehmen heraus und ersetzen es durch neues Fremdkapital – ein unter Finanzinvestoren beliebter Renditehebel bei Unternehmen, für die kurzfristig kein Verkaufsprozess geplant ist.

Quadriga-Chef Andreas Fendel beschreibt die Hintergründe der Transaktion gegenüber FINANCE so: „Eine solche Bondemission ist natürlich auch ein Weg, für ein Unternehmen Sichtbarkeit und Reputation am Kapitalmarkt aufzubauen.“ Gero Wendenburg, Investmentbanking-Co-Chef von Pareto in Deutschland, meint, der Deal habe „Signalwirkung“ für den deutschen Private-Equity- und Leveraged-Finance-Markt und auch in der hiesigen Szene „Interesse geweckt“. Doch der Deal und seine Folgen sind komplex.

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