Der Schuldscheinmarkt ist im ersten Quartal 2026 noch schwächer gestartet als im Vorjahr. Das Volumen zwischen Januar und März lag bei knapp 2,4 Milliarden Euro, nochmals 6 Prozent weniger als schon im Vorjahreszeitraum. Damals kamen Schuldscheine in Höhe von etwas mehr 2,5 Milliarden Euro auf den Markt. Dies geht aus dem neuen Schuldschein-Update hervor, welches das Datenanalysehaus LSEG exklusiv für FINANCE aufbereitet.
Die Zahl der Emissionen lag im ersten Quartal 2026 dagegen etwas höher: 14 Unternehmen nutzten das Finanzierungsinstrument, während es vor einem Jahr nur 12 waren. In der Konsequenz ging das durchschnittliche Emissionsvolumen etwas zurück. Für Karl-Heinz Bühner, Co-Head of Debt Capital Markets der LBBW, ist deshalb klar: „Das erste Quartal war hinsichtlich des Transaktionsaufkommens eher ruhig.“
Leuchtturm-Emissionen mit einem Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro fehlten im ersten Quartal 2026 gänzlich. An der Spitze der LSEG-Übersicht steht der Schuldschein des Lebensmitteldiscounters Lidl in Höhe von 850 Millionen Euro; dieser führte das Ranking auch vor einem Jahr an, damals mit einem Schuldschein in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Schon deutlich kleiner fielen die Schuldscheine des Baumaschinenherstellers Liebherr mit gut 344,5 Millionen Euro und des österreichischen Holzverarbeiters Egger mit 275 Millionen Euro aus.
Deloitte besorgte sich 50 Millionen Euro
Als eher außergewöhnlicher Emittent fällt außerdem das Big-Four-Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus Deloitte auf, das sich 50 Millionen Euro über einen Schuldschein besorgte. „Die Investitionsbereitschaft in bonitätsstarke Adressen hält an“, schließt der LBBW-Banker Bühner aus dem breiten Mix an Branchen, aus denen die Emittenten stammen: „Diesen Trend sehen wir ganz unabhängig von den unterschiedlichen globalen Krisenherden.“
Im Ranking der Bookrunner steht im ersten Quartal die LBBW an der Spitze. Sie war in sechs Transaktionen tätig, die auf ein Volumen von knapp 658 Millionen Euro kamen, und erreichte damit einen Marktanteil von knapp 29 Prozent. An zweiter Stelle steht nach Größe der Emissionen gemessen die BayernLB, nach Anzahl der Deals die Finanzierungsplattform Finpair aus Hannover.
Trotz des verhaltenen Starts von Schuldscheinemissionen geht Bühner für 2026 von einem Gesamtvolumen auf Höhe des Vorjahrs aus, als der Markt auf 21,8 Milliarden Euro kam: „Wir erwarten für das aktuelle Jahr weiterhin ein Marktvolumen von 21 Milliarden Euro“, sagt der LBBW-Mann. Dafür muss sich der Schuldscheinmarkt im Laufe des Jahres allerdings noch deutlich beleben.
Info
Hier können Sie das neue FINANCE-Schuldschein-Update herunterladen.
Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
