Bayer-Gewinn leidet unter Bonuszahlungen
Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) ist eine umstrittene Kennzahl. Unternehmen führen diese gern an, um ungewöhnliche Belastungen herauszurechnen. Das ist oft legitim, es werden aber durchaus auch strukturelle Probleme im Geschäft kaschiert. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat nach der, nennen wir es verunglückten, Monsanto-Übernahme etwa gern auf das bereinigte Ebitda verwiesen, damit Aktionäre sehen konnten, wie das Kerngeschäft läuft. Integrationskosten, Restrukturierungsmaßnahmen oder Rückstellungen für Klagen ließ man lieber außen vor.
Daher ist es immer interessant zu sehen, was in den Geschäftsberichten von Bayer (und auch anderen Konzernen) so zu finden ist. Im diesen Monat erschienen Geschäftsbericht von Bayer für das Jahr 2025 findet sich auf Seite 61 ein besonderes Schmankerl: Das Ebitda in der Sparte Crop Science (Monsanto) sei vor Sondereinflüssen (also bereinigt) um 3,2 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro gesunken. Der Rückgang sei im Wesentlichen durch höhere Aufwendungen für das konzernweite Short-Term-Incentive-(STI)-Programm zurückzuführen, also den Jahresbonus der Mitarbeiter.
Bayer schreibt auf FINANCE-Anfrage, dass der Umsatz von Crop Science währungs- und portfoliobereinigt um 1,1 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro gewachsen sei, insbesondere durch eine starke Performance im Maissaatgut- und Pflanzeneigenschaftsgeschäft. Dadurch habe der Konzern „regulatorische Belastungen in den USA und in Europa“ mehr als kompensieren können. Aufgrund der guten operativen Leistung und der höheren Zielerreichung im Vergleich zum Vorjahr sei das STI für Crop Science höher ausgefallen und habe das Ebitda vor Sondereinflüssen entsprechend stärker belastet.
„Die höheren STI-Aufwendungen resultieren aus einer hohen Zielerreichung in den Komponenten Profitabilität und Wachstum.“
Bayer
Interessant ist hier natürlich auch, wie hoch das Ebitda der Crop-Science-Sparte nach Sondereinflüssen war. Dieses war mit 1,6 Milliarden Euro deutlich negativ. Die Sondereffekte betrugen also 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Auch in der Überleitung finden sich überraschenderweise Bonuszahlungen. Bei der Überleitungsrechnung handelt es sich um eine Aufstellung, die transparent macht, welche Bereinigungen und Korrekturen zwischen der internen Steuerungsgröße eines Unternehmens und der offiziellen Ergebniszahl im Jahresabschluss liegen. In der Überleitung des Bayer-Konzerns betrug das Ebitda vor Sondereinflüssen −385 Millionen Euro (Vorjahr: −290 Millionen Euro), „insbesondere aufgrund höherer Aufwendungen für das konzernweite Long-Term-Incentive-(LTI)-Programm“, wie der Konzern im Geschäftsbericht schreibt. Bei LTIs handelt es sich um den Mehrjahresbonus.
Bei der LTI-Komponente sei vor allem die Entwicklung des Aktienkurses ein Treiber gewesen; Bayer habe zusätzliche Rückstellungen gebildet, was wiederum das Ebitda belastet habe. Tatsächlich hat sich der Wert der Bayer-Papiere im vergangenen Jahr beinahe verdoppelt.
Rechnet Bayer nun dauerhaft mit einer höheren Bonusbelastung? Seitens des Konzerns heißt es, man verfolge „konsequent einen Pay-for-Performance-Ansatz“ und stelle sicher, dass die Bonuszahlungen die tatsächliche Unternehmensentwicklung widerspiegelten. „Die höheren STI-Aufwendungen resultieren aus einer hohen Zielerreichung in den Komponenten Profitabilität und Wachstum und stellen somit keine strukturelle Veränderung des Incentive-Niveaus dar“, so Bayer. Die Leverkusener erwarten daher für die nächsten Berichtsperioden kein strukturell höheres Bonusniveau.
Ratten zerknabbern M&A-Deal in London
Immer wieder scheitern M&A-Deals: überzogene Preisvorstellungen, ein schlechtes makroökonomisches Umfeld oder kurzfristig doch verkaufsunwillige Besitzer – das alles sind valide Gründe, eine Übernahme platzen zu lassen.
Was dem angeschlagenen Londoner Breitbandanbieter G.Network passiert ist, dürfte jedoch ein Novum sein: Der geplante Verkauf soll an einem Nagetier gescheitert sein, das einige niedlich und viele andere eklig finden: Ratten. Ein möglicher rettender Deal sei Berichten zufolge abgebrochen worden, weil Käufer Sorge hatten, dass Nagetiere das Netz erheblich beschädigt haben. Die insolvente Firma zählt rund 420.000 Haushalte zu ihren Kunden und gilt als hochverschuldet.

Dass Ratten Kabel beschädigen, hat biologische Gründe: Die Schneidezähne von Nagetieren wachsen ein Leben lang nach. Die Tiere müssen sie abnutzen; Kabel eignen sich dafür leider bestens.
G.Network wurde dabei offenbar auch der Wunsch nach Nachhaltigkeit zum Verhängnis. Das Portal „Win Future“ berichtet, das Unternehmen habe Kabelummantelungen und Schutzrohre aus biobasierten Kunststoffen (Soja-/Maisbasis) genutzt; es wird vermutet, dass deren Ausdünstungen Tiere anlocken könnten. Als Kaufinteressent Community Fibre die Schäden am Kabelnetz entdeckte, habe der Mitbewerber Abstand von einer Übernahme genommen.
Jakob Eich ist Chef vom Dienst des Printmagazins FINANCE und arbeitet parallel für das Schwestermedium DerTreasurer. Beide Publikationen gehören zum Fachverlag F.A.Z Business Media, bei dem der gebürtige Schleswig-Holsteiner auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Erste journalistische Erfahrungen sammelte der Journalist in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost.
