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Riesenzoff bei Balda: Investor Elector will die Macht

Umkämpft: Der Kampf um die Zentrale von Balda in Bad Oeynhausen ist neu entbrannt.
Balda

Alarm in Bad Oeynhausen: Vorstand, Aufsichtsrat und verschiedene Aktionärsvertretungen laufen Sturm gegen die Pläne des Balda-Minderheitsaktionärs Elector. Dieser will auf einer für den 18. Juli anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung den dreiköpfigen Aufsichtsrat des Unternehmens ausschließlich mit eigenen Kandidaten besetzen und so die Kontrolle erlangen. Dabei hält Elector, eine Investorengruppe um den Berliner Anwalt Thomas van Aubel, nur 29,94 Prozent der Stimmanteile.

„Offenbar hat der Investor kein Geld für eine Übernahme, oder er will ein öffentliches Übernahmeangebot unbedingt vermeiden“, sagt ein Unternehmenskenner zu FINANCE.   Was der Investor, der eine Verbindung zur Solarbranche hat, mit dem Unternehmen vorhat, ist unklar. Elector ist intransparent. Nur die Forderungen sind bekannt: Die Ausschüttung einer Sonderdividende, die Neubesetzung des Aufsichtsrats und die Entwicklung einer „tragfähigen Unternehmensstrategie“, die allerdings nicht detaillierter erläutert wurde.

Gewaltige Cashbestände wecken Begehrlichkeiten

Die Sonderdividende leitet sich aus dem Verkauf der Balda-Beteiligung TPK im vergangenen Sommer ab. Die Zahlen von Balda sind nach wie vor schwach. Die beiden kleineren US-Zukäufe im Bereich Medizintechnik aus dem Jahr 2012, für die Balda rund 46 Millionen Euro bezahlt hat, entfalten im Konzernergebnis noch keine sichtbare Wirkung, was Balda bestreitet. „Heute ist Balda weder ein Medizintechnikunternehmen, noch ein Plastikspezialist“, kritisiert Elector in einer Rechtfertigungsschrift seine Ziele.  Alleinvorstand Dominik Müser korrigierte zuletzt die Umsatzerwartung um 10 bis 15 Millionen Euro nach unten – als Folge des Verkaufs des Standortes Malaysia, der nicht mehr konsolidiert wird. Balda will nun im Geschäftsjahr 2012/2013 nur noch etwas über 60 Millionen Euro Umsatz erreichen, nach rund 25 Millionen Euro Umsatz im vorangegangenen Jahr (allerdings auf nicht vergleichbarer Basis).

Heikel ist die Lage vor allem wegen der hohen Cashbestände. Balda sitzt  vor allem aufgrund der Erlöse aus dem TPK-Verkauf über alle Konzernteile hinweg auf liquiden Mitteln von 282 Millionen Euro, die aus Steuergründen in einer niederländischen Gesellschaft liegen. Die Marktkapitalisierung von Balda liegt dagegen nur bei etwas mehr als 230 Millionen Euro. Warburg-Research-Analyst Felix Ellmann hält die Balda-Bilanz für „übersichtlich“. „Die Bilanz besteht fast nur aus Cash und einigen Unternehmensbeteiligungen“, sagte er zu FINANCE. Im operativen Geschäft verliert Balda allerdings nach wie vor Geld. Erst 2014/2015 soll wieder der Sprung in die Gewinnzone gelingen. Dazu müssten aber  Vorstand und Aufsichtsrat zusammenarbeiten.

Einfache Bilanz: Cash und Unternehmensbeteiligungen

Schon 2012 hatte Balda erhebliche Summen ausgeschüttet, einmal 1,30 Euro pro Aktie sowie einmal 2 Euro pro Aktie. Nach der für 2013 geplanten Sonderdividende von 1,50 Euro würden dann noch rund 180 Millionen Euro für M&A-Deals in den Kassen verbleiben.

Die Frage ist nur, wofür das Geld genau eingesetzt werden könnte. Und hier beginnt der Streit. Schwarzmaler argwöhnen, dass Elector bei einer möglichen Kontrollübernahme wertlose Solarbeteiligungen aus der eigenen Bilanz an Balda verkaufen könnte. Auf diese Weise könnte Elector Cash von Balda abziehen, ohne Steuern zu bezahlen. Eine weitere Ausschüttung wäre steuerschädlich, da dann die aus Verkäufen stammenden Mittel nachversteuert werden müssten. Jede denkbare Rechnung ginge profitsteigernd für Elector aus. Elector-Chef Thomas van Aubel bestreitet dies gegenüber FINANCE vehement: "Wenn der Vorstand behauptet, dass ich vorhätte, wertlose Solarbeteiligungen aus der eigenen Bilanz an Balda zu verkaufen, lügt er."

Weniger negativ gedacht, könnte Elector natürlich auch eine wertsteigendere M&A-Strategie anstoßen zum Wohl aller Aktionäre. Schädlich für Balda wäre auch das Entstehen einer Patt-Situation zwischen den einzelnen Akteuren, denn in dieser Situation wäre das Unternehmen quasi handlungsunfähig.

Das Szenario der vollen Kontrollübernahme auf der außerordentlich HV am 18. Juli erscheint angesichts des Freefloats von über 60 Prozent bei Balda-Aktien allerdings unwahrscheinlich. Dazu müsste Elector eine Präsenzmehrheit erzeugen und Anleger auf seine Seite ziehen. Jedoch könnte eine solche konzertierte Aktion von Elector mit anderen Aktionären die BaFin auf den Plan rufen, die Elector dann wiederum zu einem öffentlichen Übernahmeangebot verpflichten könnte. Die Balda selbst wehrt sich jedenfalls mit allen Mitteln gegen die Elector-Pläne. Bereits in der vergangenen Woche hat der Konzern ein Online-Tool eingerichtet, damit Aktionäre ihr Stimmrecht ohne Anreise zum Veranstaltungsort ausüben können. Für Balda beginnen heiße Wochen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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