Ermittlungen: Haben Ex-Vorstände von Baywa den Lagebericht geschönt?

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstände von Baywa, ob diese Finanzierungsrisiken beschönigt haben. Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstände von Baywa, ob diese Finanzierungsrisiken beschönigt haben. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Baywa-Vorstände. Das hat der Baywa-Aufsichtsratsvorsitzende Gregor Scheller bei der heutigen Hauptversammlung berichtet und wurde FINANCE mittlerweile von der Staatsanwaltschaft München bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die damaligen Vorstände im Jahresabschluss 2023 die Finanzlage des kriselnden Agrarkonzerns falsch dargestellt haben. Man werde dabei „eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren“, betonte Baywa-Aufsichtsratschef Scheller.

Baywa teilte auf Anfrage von FINANCE mit, dass das Unternehmen kürzlich darüber informiert worden sei, „dass vor wenigen Tagen ein Ermittlungsverfahren gegen die Mitglieder des Vorstands eingeleitet wurde, die für den Konzernlagebericht 2023 Verantwortung trugen“. Namen nannte Baywa keine, betonte aber: „Da es sich überwiegend um ehemalige Mitglieder des Vorstands handelt, ist der laufende Geschäftsbetrieb der Baywa AG von den Ermittlungen nicht betroffen.“

Hat der Baywa-Vorstand die Liquiditätsrisiken beschönigt?

Zum Zeitpunkt des fraglichen Jahresabschlusses waren Marcus Pöllinger als Vorstandsvorsitzender und Andreas Helber als langjähriger CFO aktiv. Beide mussten Baywa mittlerweile verlassen, nachdem der Konzern 2024 in eine akute Finanzkrise geraten war. Komplettiert wurde der Vorstand damals von den beiden Geschäftsbereichsvorständen Marlen Wienert, die weiterhin im Baywa-Vorstand aktiv ist, und Reinhard Wolf, der Anfang Juli 2025 in den Ruhestand gegangen ist. Für alle Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Laut Baywa konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Darstellung der Finanzierungs- und Liquiditätsrisiken im Konzernlagebericht. Aus dem gleichen Grund hatte bereits im vergangenen November die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eine Anlassprüfung eingeleitet.

Bafin kontrolliert Baywa-Jahresabschluss

Die Risikomanagementziele und -methoden im Konzernabschluss und im Konzernlagebericht könnten fehlerhaft sein, erklärte die Bafin damals, die auch für die Bilanzkontrolle börsennotierter Unternehmen zuständig ist. „Dazu gehört die Pflicht, das Liquiditätsrisiko zu beschreiben, also das Risiko, dass das Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen nicht pünktlich erfüllen kann. Dies schließt das Refinanzierungsrisiko ein.“

In der Folge hatte auch die Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) ein berufsrechtliches Verfahren gegen den Baywa-Abschlussprüfer PwC eingeleitet.

Hohe Verschuldung stürzte Baywa in die Krise

In dem auf den 25. März 2024 datierten Baywa-Geschäftsbericht für 2023 hieß es noch, „dass weder Einzelrisiken noch Risiken im Zusammenwirken bestehen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden“. Auch für die Zukunft seien „bestandsgefährdende Risiken gegenwärtig nicht erkennbar“.  

Einen Monat später bekam der hoch verschuldete Agrarkonzern dann allerdings Probleme mit der Refinanzierung. Im Juli erklärte der Vorstand das Unternehmen dann offiziell zum Krisenfall und teilte mit, ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben zu haben.

Baywa schreibt Milliardenverlust im Krisenjahr 2024

Baywa steckt derzeit mitten in der Sanierung, die noch einige Jahre dauern wird. Für das Krisenjahr 2024 wies das Unternehmen einen massiven Jahresfehlbetrag von rund 1,6 Milliarden Euro aus. Überdies halbierte sich das bilanzielle Eigenkapital um mehr als die Hälfte des Grundkapitals. Auf Konzernebene bedeutet das einen negativen bilanziellen Eigenkapitalwert.

Grund dafür waren vor allem umfangreiche Buchwert-Abschreibungen auf die Beteiligung an der Tochterfirma Baywa Re. Der mittlerweile weitgehend ausgetauschte Vorstand betonte bei der Vorlage, dass die Zahlen im Rahmen der Erwartungen des bestehenden Sanierungskonzepts lägen.

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.