Unipers Milliardenplan für die grüne Transformation

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Ein Climate Transition Plan und ein Green Finance Framework sollen Uniper helfen, die grüne Transformation im Energiesektor zu meistern. Foto: Uniper Kraftwerke
Ein Climate Transition Plan und ein Green Finance Framework sollen Uniper helfen, die grüne Transformation im Energiesektor zu meistern. Foto: Uniper Kraftwerke

FINANCE: Frau Wendler, Uniper hat turbulente Zeiten hinter sich, einschließlich einer Verstaatlichung im Jahr 2022. Als Energieerzeuger arbeiten Sie daran, das Geschäftsmodell nachhaltiger zu machen, und investieren dafür Milliarden. Was war ausschlaggebend für diese Entwicklung?
Nadja Wendler: Deutschland und die EU haben sich ambitionierte Klimaziele gesetzt, und wir verstehen uns als europäisches Unternehmen, das seinen Beitrag dazu leisten will. Zudem sehen wir, dass es Energieunternehmen ohne klare Klimaziele und nachvollziehbare Roadmap zunehmend schwerer am Kapitalmarkt haben. Bereits heute produzieren wir die Hälfte unseres Stroms CO₂-arm und bauen den Anteil aus.

FINANCE: In unserer Umfrage geben zwei Drittel der Unternehmensentscheider an, dass geopolitische Verwerfungen ihre Transition verzögern. Wie geht Uniper mit diesem unsicheren Marktumfeld um?
Nadja Wendler: Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit gewinnen aktuell an Bedeutung. Geraten diese Faktoren unter Druck, dann leidet die Wettbewerbsfähigkeit. Das betrifft Unternehmen, aber auch die Menschen hier im Land. Der Dreiklang aus Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit ist für uns entscheidend. Wir verfolgen unsere Projekte auch in angespannten Zeiten konsequent weiter und investieren nur dann, wenn es einen attraktiven Return gibt. Bis 2030 planen wir Investitionen von rund 5 Milliarden Euro in Versorgungssicherheit, Wachstum und Transformation.

FINANCE: Was hat Uniper 2024 dazu bewegt, einen Climate Transition Plan zu veröffentlichen?
Nadja Wendler: Es war uns wichtig, Transparenz zu unseren Klimazielen und dem Weg dorthin zu geben. Dafür haben wir sichergestellt, dass wir konform mit bestehenden internationalen Standards zum ESG-Reporting sind – allen voran dem European Sustainability Reporting Standard (ESRS). Unser Plan ist außerdem eng an unsere Unternehmensstrategie angebunden. Entstanden ist er in einem bereichsübergreifenden Prozess.

FINANCE: Was sind die konkreten Klimaziele?
Nadja Wendler: Unsere Ziele sind in Phasen aufgeteilt: Bis 2030 wollen wir unsere Emissionen in Scope 1 und 2 um 55 Prozent und in Scope 3 um 25 Prozent im Vergleich zu 2019 reduzieren. Maßgeblich dafür ist unser Ausstieg aus der Kohleverstromung. Das große Ziel ist die CO₂-Neutralität im Jahr 2040. Die Umsetzung findet in unseren drei Geschäftssegmenten statt: Green Generation, Flexible Generation und Greener Commodities. In der Umsetzung haben wir verschiedene Hebel. Wir erweitern Projekte in Bereichen wie Windkraft, Fotovoltaik, Wasserkraft und Stromspeicher. Bestehende Anlagen werden fortlaufend optimiert. Zudem bauen wir den Handel mit CO₂-armen und erneuerbaren Energieträgern aus.

Nadja Wendler ist Vice President Sustainability bei Uniper. Foto: Uniper

FINANCE: Wie stellen Sie sicher, dass der 60-seitige Climate Transition Plan umgesetzt wird?
Nadja Wendler: Beim Thema Nachhaltigkeit verfolgen wir einen integrierten Ansatz. In der Nachhaltigkeitsabteilung entwickeln wir den Governance-Rahmen, aber die operative Umsetzung liegt in den Geschäftsbereichen, die wir dabei intensiv unterstützen. Bei neuen Projekten erfolgt etwa ein ESG-Assessment, wodurch Nachhaltigkeitsaspekte direkt in Steuerungsprozesse einfließen. Zudem sind Nachhaltigkeitskennzahlen ein Vergütungsbestandteil bei den Führungskräften. Die Transparenz schafft Verbindlichkeit.

FINANCE: Uniper hat im Oktober 2025 sein erstes Green-Finance-Framework veröffentlicht. Was war die Motivation, diesen Schritt gerade jetzt zu gehen?
Nadja Wendler: Das Green-Finance-Framework bietet uns zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten, die unsere Transformation unterstützen können. Grüne Finanzierungen untermauern somit die Transformation. Die Intention ist, künftig auch einen Green Bond oder einen Green Loan ausgeben zu können. Damit wollen wir die Basis unserer potenziellen Investoren erweitern.

FINANCE: Wie aufwendig war die Erstellung des Frameworks?
Nadja Wendler: Es war ein umfassendes Projekt und kein einfach runtergeschriebenes Papier. Daran waren sehr viele verschiedene Stakeholder im Unternehmen beteiligt – von der Finanzabteilung über Strategie und Kommunikation bis zu meiner Einheit. Wir wurden außerdem von erfahrenen Banken begleitet und haben eine Second-Party-Opinion eingeholt. Diese externe Validierung wird zu einem immer wichtigeren Qualitätsmerkmal.

FINANCE: Uniper hat in der Vergangenheit bereits eine ESG-linked syndizierte Kreditlinie über 3 Milliarden Euro aufgesetzt. Wie war diese strukturiert?
Nadja Wendler: Bei der Kreditlinie haben wir die Konditionen an konkrete Nachhaltigkeitskriterien geknüpft: einerseits die Reduzierung unserer Treibhausgasemissionen, andererseits den Ausbau unserer Erneuerbaren-Kapazitäten. Daraus ergibt sich ein Konditionenraster. Je nachdem, wie viele der Ziele wir erreichen, verbessern oder verschlechtern sich die Konditionen. Das schafft einen direkten finanziellen Anreiz, die gesetzten Klimaziele zu erreichen.

FINANCE: Uniper berichtet seit Unternehmensgründung 2016 über Nachhaltigkeit. Wie hat sich die Berichterstattung verändert?
Nadja Wendler: Die Berichterstattung ist starrer und aufwendiger geworden, aber auch qualitativ hochwertiger und vergleichbarer. Und dadurch, dass viele Einheiten im Unternehmen involviert sind, ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen insgesamt gestiegen. Aufwand und Nutzen stehen aber nicht immer im Verhältnis, und wir hoffen, dass der Gesetzgeber hier noch nachschärft, um ein besseres Gleichgewicht herzustellen.

FINANCE: Wo sehen Sie die Hauptschwierigkeiten beim Umgang mit ESG-Daten?
Nadja Wendler: Datenmenge und Komplexität sind enorm. Allein bei den ESRS-Standards sprechen wir aktuell über etwa 1.200 potenzielle und 600 verpflichtende Datenpunkte. Die Daten kommen aus den operativen Einheiten und müssen zum Teil noch händisch zusammengetragen werden, weil jede Anlage unterschiedlichen Faktoren unterliegt. Das bindet erhebliche Ressourcen. Was uns in den kommenden Jahren weiter beschäftigen wird, ist die Automatisierung und Digitalisierung der Datenerfassung sowie die Schaffung einheitlicher Prozesse. Das ist nichts, was man von heute auf morgen aufbaut.

FINANCE: Wie haben Lieferanten darauf reagiert, eine ESG-Due-Diligence zu durchlaufen?
Nadja Wendler: Unser Prozess fußt auf zwei Schritten: Zunächst nutzen wir externe Datenbanklösungen zusammen mit ESG-Ratings, um uns ein erstes Bild der Lieferanten zu verschaffen. In Fällen mit erhöhtem Risiko gehen wir direkt auf diese zu. Die Erfahrungen sind überwiegend positiv, denn viele Partner sind selbst von Berichtspflichten betroffen und haben ein eigenes Interesse an einem guten ESG-Profil. Das erleichtert die Zusammenarbeit.

FINANCE: Welche Empfehlungen haben Sie für Unternehmen, die einen Transitionsplan oder ein Green Finance Framework aufsetzen wollen?
Nadja Wendler: Zunächst braucht es eine klare strategische Verankerung. Strategie, Maßnahmen und Finanzierung müssen konsistent und nachvollziehbar sein. Zweitens sollte man sich an regulatorischen und marktüblichen Standards orientieren, weil das die Akzeptanz bei Marktteilnehmern erhöht. Drittens sind Governance-Strukturen von Anfang an mitzudenken, um die Umsetzung begleiten zu können. Und zuletzt braucht es ein solides Daten- und Reporting-Konzept, um den Fortschritt messen und steuern zu können. Nachhaltigkeit ist eine gesamtunternehmerische Aufgabe – das unterschätzen viele.

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