1,8 Milliarden Euro für neue Windkraft: Nextwind setzt auf Repowering

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Frischer Wind für die Energiewende: Nextwind treibt die nachhaltige Transformation durch das Repowering alter Windparks voran und nutzt dafür innovative Finanzierungslösungen. Foto: Photocreo Bednarek - adobe.stock.com
Frischer Wind für die Energiewende: Nextwind treibt die nachhaltige Transformation durch das Repowering alter Windparks voran und nutzt dafür innovative Finanzierungslösungen. Foto: Photocreo Bednarek - adobe.stock.com

FINANCE: Nextwind wurde 2020 gegründet und hat sich auf das Repowering alter Windparks spezialisiert. Was verbirgt sich hinter diesem Geschäftsmodell, und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Lisa-Sophie Kleiss: Effiziente Ressourcennutzung steht im Zentrum unseres Geschäftsmodells. Nachhaltigkeit ist daher seit der Gründung im Unternehmen verankert und treibt uns alle bei der Arbeit an. Unsere Vision ist, Deutschland mit grünem Strom zu versorgen. Dafür kaufen wir ältere Onshore-Windparks auf, modernisieren die Standorte und optimieren sie – insbesondere durch neuere Turbinen und einen angepassten Aufbau des Windparks. Das ist nicht nur schneller als der Neubau von Anlagen, sondern verlängert auch die Lebenszeit von Windparks und verringert den Flächenverbrauch.

FINANCE: Wie beeinflusst Nachhaltigkeit die Planung in der Finanzabteilung?
Jörg-Uwe Fischer: Wir wollen die Energiewende schnellstmöglich voranbringen. Daher geht es bei unserer Planung vor allem um zwei Themen: Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit. So wollen wir unsere Energieerzeugungskapazitäten so schnell wie möglich ausbauen. Gleichzeitig müssen wir aber auch potentielle Risiken identifizieren und sicherstellen, dass sich unsere Repowering-Projekte wirtschaftlich tragen. Wir sind in einer kapitalintensiven Branche. Da gilt es, möglichst frühzeitig die Voraussetzungen für unsere Wachstumsziele abzusichern.

Jörg-Uwe Fischer ist Head of Structured Finance bei Nextwind. Foto: Nextwind

FINANCE: Nextwind hat 2025 eine syndizierte Plattformfinanzierung über 1,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Herr Fischer, Sie haben die Finanzierung begleitet. Wie sind Sie vorgegangen?
Jörg-Uwe Fischer: Am Anfang stand der Businessplan. Wir mussten für diese große Plattformfinanzierung zunächst viele Detailfragen klären: Welche Projekte bringen wir in das zu finanzierende Portfolio ein? Welche Finanzierungsbestandteile benötigen wir? Welche Zielvorgaben setzen wir uns? Mit diesen Überlegungen sind wir frühzeitig an Banken herangetreten, die sich für Nachhaltigkeit interessieren. Wir konnten recht schnell drei Kernbanken finden, mit denen wir in fast zwölf Monaten die Details der Plattformfinanzierung entwickeln konnten.

In diesem Prozess wurden wir zudem von einem Financial Advisor und einem Legal Advisor unterstützt. Nach der finalen Einigung hat es nochmal fast sechs Monate gedauert, die Struktur auf die heutigen 15 Finanzierungspartner auszuweiten. Von den ersten Planungen dieser Plattformfinanzierung bis zum Abschluss der Syndizierung hat es fast eineinhalb Jahre gedauert, was bei dieser Größenordnung nicht überraschend ist.

Lisa-Sophie Kleiss: Insbesondere war diese Zeitschiene nicht überraschend, da es in unserer Nische keine Blaupause für eine derartige Plattformfinanzierung gab. Die Pionierarbeit hat sich aber bezahlt gemacht. Es war eine große Teamleistung.

FINANCE: Warum haben Sie sich für eine kleinteilige Struktur mit fünf Fazilitäten entschieden?
Jörg-Uwe Fischer: Es ging darum, welche Finanzierungsbedarfe wir über die gesamte Wertschöpfungskette absichern müssen und was davon für die verschiedenen Banken oder andere Kapitalgeber interessant ist. Den größten Umfang nimmt ein Term Loan für die Investitionen ins Repowering oder weitere Akquisitionen ein.

Durch die Differenzierung hatten die Geldgeber aber auch die Möglichkeit, gezielt in für sie relevante Bereiche zu investieren. Neben weiteren zweckgebundenen Kreditlinien konnten wir auch zwei Versicherer an Bord nehmen, die nur an Garantiefazilitäten interessiert waren. Diese beziehen sich auf die Turbinenlieferverträge, deren Absicherung für unsere Planbarkeit essentiell ist.

FINANCE: Welche Vorteile bietet die Plattform- gegenüber einzelnen Projektfinanzierungen?
Jörg-Uwe Fischer: Die Plattformfinanzierung bietet Vorteile für Unternehmen und für Kreditgeber. Wir haben nun über die nächsten fünf Jahre Planungs- und Finanzierungssicherheit, das heißt, wir müssen nicht für jedes Projekt eine Finanzierung separat verhandeln. Die Banken profitieren von einem Risikoausgleich über den Portfolioeffekt. Selbst wenn ein Projekt nicht so gut performen sollte, kann das von den anderen Projekten kompensiert werden.

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FINANCE: An der Finanzierung haben sich Akteure aus Nordamerika, Asien und Europa beteiligt. Wie erklären Sie das starke internationale Interesse?
Jörg-Uwe Fischer: Die Größe der Transaktion beziehungsweise der Beteiligungsmöglichkeit war dabei ausschlaggebend. Konsolidierte Windmärkte erleichtern Investitionen, denn ohne die Bündelungen verschiedener Projekte ist der deutsche Windmarkt sehr kleinteilig: Ein durchschnittlicher einzelner Windpark in Deutschland mit drei bis fünf Anlagen kostet etwa 30 Millionen bis 50 Millionen Euro. Das ist für viele internationale Akteure uninteressant, da schlicht zu klein.

Durch die Bündelung auf Portfolioebene bewegen sich die Beteiligungsbeträge für einzelne Kapitalgeber im hohen zweistelligen bis dreistelligen Millionenbereich. Unser hundertprozentig grünes Geschäftsmodell hat zusätzliches Interesse geweckt. Insgesamt war unsere Finanzierung ursprünglich sogar um mehr als 400 Millionen Euro überzeichnet, weshalb wir das geplante Volumen vorzeitig aufstocken konnten.

FINANCE: Welche Rolle spielen Kapitalmärkte und nachhaltige Finanzierungsinstrumente für die grüne Transformation in Deutschland?
Lisa-Sophie Kleiss: Die Kapitalmärkte sind essentiell, weil für die Transformation Summen benötigt werden, die nicht von einzelnen Investoren oder Banken allein gestemmt werden können. Nachhaltige Finanzierungsinstrumente steigern das Interesse an grünen Themen und helfen Investoren, in nachweisbare Nachhaltigkeit zu investieren. Durch Reporting oder Projektbindung wird das Risiko von Greenwashing gesenkt. Wir sehen unsere Plattformfinanzierung zudem als mögliche Brücke zum Kapitalmarkt. In Zukunft könnten nachhaltige Finanzierungsinstrumente auch für Nextwind eine größere Rolle spielen.

Lisa-Sophie Kleiss ist CFO bei Nextwind. Foto: Nextwind

FINANCE: Welche Hürden bestehen für kleinere Unternehmen bei nachhaltigen Finanzierungen?
Lisa-Sophie Kleiss: Wenn Unternehmen bis ins letzte Detail nachweisen müssen, dass jede Einzelausgabe grün ist, bindet dies enorme Kapazitäten. Der Reporting-Aufwand kann sehr hoch werden. Das ist eine Hürde, die gerade kleinere Akteure dazu veranlasst, auf ESG-Zertifizierungen zu verzichten. Auch wir haben auf eine externe Zertifizierung verzichtet. Stattdessen haben wir uns mit den Banken auf Kennzahlen geeinigt, die wir übermitteln und die den Fortschritt bei unseren grünen Projekten dokumentieren.

FINANCE: Welche Kennzahlen übermitteln Sie an die Kapitalgeber?
Lisa-Sophie Kleiss: Neben den klassischen Finanzkennzahlen berichten wir regelmäßig über die Anzahl der betriebenen Windenergieanlagen, die daraus erzeugten Kilowattstunden und die spezifischen Investitionsausgaben für das Repowering.

FINANCE: Welche Herausforderungen sehen Sie sonst bei der Nachhaltigkeitswende?
Jörg-Uwe Fischer: Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit. Jede Änderung an der Regulatorik hat unmittelbare Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, Projektumsetzungen – und im Zweifelsfall die Finanzierung. Unsichere Rahmenbedingungen sind Gift für Investoren und Banken. Wir sind in Deutschland auf einem guten Weg beim Thema Nachhaltigkeit, müssen diesen aber auch konsequent und verlässlich weitergehen.

FINANCE: Welchen Rat geben Sie kleinen Unternehmen, die große Nachhaltigkeitsprojekte finanzieren wollen?
Lisa-Sophie Kleiss: Nach der Finanzierung ist es nicht zu Ende. Es folgen zahlreiche Aufgaben: Reporting an die Banken, interne Datenerhebung, Planung der Fazilitäten und vieles mehr. Mein Rat ist, die entsprechenden Strukturen schon parallel zur Finanzierung aufzubauen, damit man ab dem ersten Tag diesen Anforderungen gerecht wird.