Newsletter

Abonnements

Insolvenz-Report: Verschnaufpause zu Jahresbeginn nach Rekord-Quartal

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Bauunternehmen für den Ausbau von Gebäuden haben im ersten Quartal die Insolvenzliste angeführt. Foto: jobim - stock.adobe.com
Bauunternehmen für den Ausbau von Gebäuden haben im ersten Quartal die Insolvenzliste angeführt. Foto: jobim - stock.adobe.com

Die Zahl der Insolvenzanträge von Großunternehmen ist nicht weitergewachsen. Nach einem Anstieg im 4. Quartal des vergangenen Jahres wurden im Zeitraum Januar bis März 2025 nun 101 Insolvenzanträge von Unternehmen mit einem Umsatz ab 10 Millionen Euro gestellt. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Rekord- und Vorquartal Q4/2024, in dem noch 117 Anträge registriert wurden.

Das geht aus dem aktuellen Insolvenz-Report hervor, für den die Restrukturierungsberatung Falkensteg exklusiv für FINANCE die Großinsolvenzen von Unternehmen ausgewertet hat. Anders als in den vergangenen Jahren wertet Falkensteg nicht mehr Insolvenzen von Unternehmen mit einer Umsatzgröße ab 20 Millionen Euro aus, sondern schon ab 10 Millionen Euro. Damit vergrößert sich die Zahl der analysierten Unternehmen erheblich. Ein Vergleich mit früheren Insolvenzzahlen ist daher nur noch eingeschränkt möglich.

Der Q1-Wert markiert den zweithöchsten Quartalsstand der vergangenen fünf Jahre. Verglichen mit dem Vorjahresquartal Q1/2024 ist die Zahl der Insolvenzanträge um 28 Prozent gestiegen (Q1/2024: 79 Anträge). Der Fünf-Jahresdurchschnitt liegt bei 67 Insolvenzen pro Quartal. Damit startet das Jahr 2025 mit einem Plus von 57 Prozent gegenüber dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre.

Info

Bauinsolvenzen steigen gegen den Trend

Auffällig ist die Entwicklung in den einzelnen Branchen. Während die Zahl der Insolvenzen in der Automobilindustrie deutlich von 25 auf zwölf Fälle zurückging, führen Bauunternehmen für den Ausbau von Gebäuden mit 17 Insolvenzen das Feld an – und verzeichnen damit sogar einen leichten Anstieg entgegen dem Gesamttrend.

Jeweils zehn Insolvenzanträge wurden bei Metallwarenherstellern, Kunststoffproduzenten und im Autohandel registriert. Während sich die Lage bei Metallwarenherstellern mit einem Rückgang von 58 Prozent entspannt, blieb die Zahl im Kunststoffsektor konstant. Der Autohandel hingegen verzeichnete eine Verdopplung der Insolvenzanträge.

Schwache Konjunktur und Unsicherheit bleiben Insolvenztreiber

Der Rückgang der Großinsolvenzen steht im Kontrast zur allgemeinen Entwicklung, heißt es im Report. Über alle Umsatzklassen hinweg wurden im ersten Quartal 2025 insgesamt 5.191 Unternehmensinsolvenzen beantragt – ein Anstieg von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Die schwache Konjunktur und die hohe Unsicherheit bleiben damit wesentliche Treiber der Insolvenzentwicklung“, so die Studienautoren. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Vielmehr könnte 2025 das vierte Jahr in Folge mit steigenden Insolvenzzahlen werden. 

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Backhaus ist spezialisiert auf die Themen Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalistin für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

Themen