Mit VW zittert die gesamte deutsche Automotive-Branche - CFOs müssen umsteuern.

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13.09.12
Wirtschaft

Abschwung: Automotive-CFOs reduzieren Planzahlen

Wenn VW hustet, bangt nicht nur Niedersachsen, sondern die gesamte deutsche Automotive-Branche zittert. Die Margen sind nur bei wenigen Zulieferern komfortabel. Schnelles Umsteuern ist das Gebot der Stunde für CFOs.

Der VW-Konzern hat seine Zulieferer vor möglichen Produktionsrückgängen gewarnt. Zwar bemühte sich der Wolfsburger Konzern eifrig um die Relativierung der unerwünschten Botschaft, dennoch war die Katze aus dem Sack: Die Planzahlen der deutschen OEMs müssen gesenkt werden. „Viel zu spät“, sagt Christoph Stürmer, Branchenanalyst beim Analysehaus IHS Automotive zu FINANCE. „Schon im zweiten Quartal hat sich die Dynamik abgeschwächt.“
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ist die Produktion für Gesamteuropa im Q2 eingebrochen, 2013 könnte hart werden. Zulieferer, die in der Regel viele OEMs beliefern, spüren diesen Mix schon deutlich.

Bremsspuren erfordern Plansenkungen

Damit kommt die deutsche Sonderkonjunktur zum Ende. Die Bremsspuren sind nun spätestens im dritten Quartal klar sichtbar. „Umplanen ist angesagt, beschäftigungsneutrale Maßnahmen werden ergriffen“, sagt Stürmer. Die Organisationen müssen beweisen, wie stark sie atmen können: Zeitarbeitskonten werden schrittweise geleert, Kurzarbeit wird wieder ein Thema – für Bosch schon tatsächlich und für Schaeffler und viele anderen Unternehmen als Möglichkeit. Jetzt muss sich zeigen, wie sich die erhöhte Flexibilität und die gesenkten Break-even-Schwellen bewähren. Das Gewinnniveau sinkt.

So gab etwa Schaeffler im ersten Halbjahr ein Umsatzplus bei sinkenden Gewinnen bekannt. Das EBIT sank auf 780 Millionen Euro, die EBIT-Marge auf noch komfortable 13,8 Prozent. Der Mittelzufluss war positiv, was für Klaus Rosenfeld, den CFO des mit über 7 Milliarden verschuldeten Konzerns von höchster Bedeutung ist.  

CFOs müssen Marge absichern

Jedoch sind solch komfortable Margen nur für die Top-Zulieferer typisch. Große Teile der Branche liegen in ihren Renditeniveaus deutlich darunter. In der Branche herrscht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Unter 7-8 Prozent EBIT-Marge ist es in der Sandwichposition schwierig, sich dem Margendruck zwischen eigenen Lieferanten und OEMs zu widersetzen . Hier schmilzen Gewinne schnell zusammen wie Schnee unter der Sonne. Wie stark ist die Frage der Stunde.

„Wir sehen das Gewitter, aber noch keinen Blitz“, beschreibt der Geschäftsführer eines deutschen Large-Cap-Konzerns die Lage gegenüber FINANCE. „Wir stehen schon auf der Bremse“, gibt der Mittelständler zu.   
Investitionen in eigentlich notwendige neue Maschinen werden wenn möglich verschoben und durch Überstunden und Sonderschichten kompensiert. Für neue Modelle indes muss investiert werden. Freie Kapazitäten aus schlechter laufenden Modellen der OEMs sollen genutzt werden.

Banken ziehen sich aus Mittelstandsfinanzierung zurück

Eine Baustelle für viele bleibt die Finanzierung. Der Bankenmarkt zieht sich immer weiter zurück, gerade aus der Mittelstandsfinanzierung. Viele Unternehmen wenden sich daher dem  öffentlichen oder grauen Kapitalmarkt zu. Schaeffler etwa stützt sich in einem Teil seiner Finanzierung inzwischen auf das Londoner Bankenschattenreich, in dem Hedge- und Private Debt-Fonds inzwischen vergleichsweise normales Kreditgeschäft anbieten. Mittelständler vertrauen hingegen weiter auf die Banken. „Wo sollen die denn ihr Geld anlegen, wenn nicht in der Industrie?“, sagt der Mittelstands-Chef.

Der langfristige Trend ist hingegen ungebrochen. In den kommenden Jahren dürfte die globale Autoproduktion um  rund 5 Prozent wachsen. Bis 2018 etwa will VW den Absatz auf mindestens 10 Millionen Euro steigern. 2012 sollen es jetzt nur noch 9,4 Millionen werden.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de