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24.04.18
Wirtschaft

Hedgefonds lassen Bavaria Yachtbau fallen

Die beiden Hedgefonds Anchorage und Oaktree haben die Geduld mit Bavaria Yachtbau verloren und den Schiffsbauer in die Insolvenz geschickt. Das Sinnbild für die Schuldenexzesse der Vor-Lehman-Zeit steht damit mal wieder vor dem Aus.

Der fränkische Yachtbauer Bavaria ist pleite. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, haben die beiden Mehrheitsgesellschafter Anchorage und Oaktree die Geduld mit dem überschuldeten Unternehmen verloren und die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Man habe das Unternehmen mit „erheblichen Ressourcen“ unterstützt, doch bedauerlicherweise sei es Bavaria nicht gelungen, operativ wieder profitabel zu werden, zitiert die Zeitung aus einer Stellungnahme der beiden Hedgefonds.

Bavaria Yachtbau war Sinnbild der Private-Equity-Blase

Bavaria Yachtbau hat eine bewegte Geschichte, die eng mit den Schuldenexzessen im Vorfeld der Finanzkrise verwoben ist. In den Jahren vor der Krise hatte sich der Mittelständler gut entwickelt, weil die Nachfrage nach Motor- und Segelyachten stetig anstieg. Nach einer hoch kompetitiven Auktion übernahm 2007 das Private-Equity-Haus Bain Capital den Yachtbauer für kolportierte 1,1 Milliarden Euro. Der Kaufpreis wurde zu großen Teilen über Darlehen von Goldman Sachs und der kurze Zeit später von der Commerzbank übernommenen Dresdner Bank finanziert.

Die Banken kamen zu spät mit der Syndizierung der Kredite, und nach dem Zusammenbruch der Nachfrage geriet die Finanzierungsstruktur von Bavaria Yachtbau in eine schwere Schieflage. Bavaria stand vor dem Kollaps, die Dresdner Bank litt schwer unter dem nicht wieder einbringbaren Kredit an Bavaria. 2009 drückte Bavaria ein Schuldenberg von über 800 Millionen Euro bei Umsätzen, die nur ein Bruchteil dieses Betrags erreichten. Die Transaktion wurde so zum Sinnbild der in der Finanzkrise geplatzten Private-Equity-Blase. 

Schließlich verkauften die Banken 2009 ihre Kredite an verschiedene Hedgefonds, darunter Anchorage und Oaktree. Obwohl Anchorage und Oaktree anschließend im Gegenzug für Eigenkapitalanteile auf 90 Prozent ihres Fremdkapitals verzichteten, kam Bavaria operativ nicht mehr auf die Beine. Daran änderten auch verschiedene Sanierungsprogramme nichts. Im Geschäftsjahr 2015/2016 bilanzierten die Franken laut „Handelsblatt“ ein negatives Eigenkapital von 200 Millionen Euro.

Sanierer Tobias Brinkmann soll Bavaria Yachtbau retten

Laut „Handelsblatt“ sei es zuletzt absehbar gewesen, dass Bavaria seinen Schuldenberg von noch immer mehr als 200 Millionen Euro nicht aus eigener Kraft würde zurückzahlen können. Doch das Management sei noch im Herbst 2017 davon ausgegangen, dass die Investoren zumindest bis März 2019 an Bord bleiben würden. Bis dahin sollte Bavaria saniert oder verkauft werden. 

Der Insolvenzantrag hat auch personelle Konsequenzen. Dem Bericht zufolge musste Bavaria-Chef Lutz Henkel bereits gehen, dafür kam der Restrukturierungsexperte Tobias Brinkmann an Bord. Er soll nun nach einem neuen Eigentümer suchen. Bis dahin soll das Unternehmen weiterhin produzieren, das Amtsgericht Würzburg hat die Insolvenz in Eigenverwaltung schon genehmigt. Mit 700 Mitarbeitern setzte Bavaria Yachtbau zuletzt rund 112 Millionen Euro um.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de