Jochen Manz/HSBC

14.11.17
Wirtschaft

HSBC-Deutschlandchefin sagt „Fintech-Sterben“ voraus

Die Deutschlandchefin der Großbank HSBC, Carola von Schmettow, ist sich sicher, dass viele Fintechs nicht lange am Markt bleiben werden. Doch sollte das die Banken wirklich beruhigen?

Die Deutschlandchefin der Großbank HSBC erwartet, dass viele Fintechs scheitern und letztendlich nur einige Große überleben werden. „Das große Fintech-Sterben wird noch kommen“, wird Carola von Schmettow vom Handelsblatt zitiert. Sie trat bei der Branchenveranstaltung „Euro Finance Week“ in Frankfurt auf.

Fintech-Boom in Deutschland

Klar ist: Der Fintech-Sektor wächst. Eine Studie der Comdirect Bank zählt 700 junge Unternehmen an der Schnittstelle von Bankgeschäft und Informationstechnologie in Deutschland. Vor einem Jahr waren es lediglich 544. 

Laut einer FINANCE-Studie wuchs der Fintech-Venture-Capital-Markt in Deutschland 2016 um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, obwohl der globale Markt bereits stagniert. Allerdings fallen die Wachstumsraten auch in Deutschland deutlich. 

Erste Konsolidierungen am Fintechmarkt erkennbar

Die ersten Fintech-Neugründungen richteten sich überwiegend an Privatkunden (Business to Customer, kurz B2C). In diesem Bereich zeichnet sich bereits eine Konsolidierung ab. Das zugrundeliegende Prinzip: Einige wenige Wettbewerber versammeln einen Großteil des Geschäfts auf sich, während unzählige kleinere Rivalen leer ausgehen. 

Die zweite Welle von Fintech-Gründungen konzentrierte sich auf Unternehmenskunden (Business to Business, kurz B2B). In dem Bereich konnten sich bereits einige Fintechs etablieren, wie zum Beispiel die Auktionsplattform für Handelsforderungen Trustbills oder der Online-Kreditmarktplatz für unbesicherte Mittelstandskredite Creditshelf. Bisheriger Höhepunkt war der Verkauf der Devisenhandelsplattform 360T an die Deutsche Börse für 725 Millionen Euro.

Doch obwohl im B2B-Markt laut der Fintech-Studie von FINANCE frühere und besser planbare Cashflows als im B2C-Markt erwirtschaftet werden – und daher weniger Anschubfinanzierung benötigt wird um die erste Zeit zu überstehen –  wird es auch in diesem Bereich langfristig Konsolidierungen geben. Plattformbetreibern fällt es oft schwer, Ihre Dienste zu monetarisieren, und langfristig setzt sich meist nur eine Plattform für eine Anwendung durch.

Kein Grund für die Banken sich zurückzulehnen

Peter Barkow hat die Datengrundlage für die Comdirect-Studie erstellt. Barkow betont, dass die zu erwartende Konsolidierung am Fintech-Markt kein Grund für die Banken sei, sich zurückzulehnen. Die wenigen Fintechs, die überleben werden, könnten die aktuellen Geschäftsmodelle der Banken trotzdem nachhaltig auf den Kopf stellen, prognostiziert Barkow.