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05.07.12
Wirtschaft

Trotz der Krise kräftiges Wachstum

Nach dem Krisenjahr 2010 scheint sich der Markt auch für Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften wieder zu stabilisieren. Hiervon profitieren in erster Linie die Big 4.

Der Markt für Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen konsolidiert sich. Laut der vom unabhängigen Beratung- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk zusammengestellten Liste „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland“ sind die Umsätze der 25 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften im letzten Jahr um 6,5 Prozent gewachsen. In den Jahren davor lag das Wachstum bei 1,4 Prozent (2010) und 5,4 Prozent (2009). Besonders erfreulich ist die Entwicklung für die Big Four, die vier größten, den Markt dominierenden Gesellschaften, PricewaterhouseCoopers, KPMG, Ernst & Young und Deloitte. Sie sind nach Umsatzeinbußen im Jahr 2009 (-3,9 Prozent) und 2010 (-7,7 Prozent) wieder um 5,2 Prozent gewachsen. Steuer- und Compliance-Projekte sowie Rechts-und Managementberatung werden als Wachstumstreiber genannt.

Die allgemeine Prognose der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WP) ist zuversichtlich: So gehen alle 95 befragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften langfristig von einem Wachstum von 4,8 Prozent aus. Die größten Wachstumspotentiale sehen die meisten Beratungshäuser in Steuer- und Rechtsberatung sowie Business Consulting. Wirtschaftsprüfung und Beratung ist auch in Krisenzeiten wichtig. „Wir sind der Sparringpartner des Unternehmens und stehen auch schwierigen Zeiten den Unternehmen zur Seite“, bekräftigt Dr. Peter Bömelburg, Geschäftsführender Partner bei Rödl & Partner, gegenüber FINANCE.

EU-Regulierung als Chance

Diese Aussichten können auch die von der EU geplanten Neuregulierungen des Marktes nicht trüben. Als derzeitige und zukünftig größte Behinderungsfaktoren und Probleme für den Erfolg der WP-Gesellschaften nennen sie erhöhten Preisdruck und ein Mangel an Fachkräften. Die Preise für Jahresabschlüsse und ihre Prüfung sind 20 bis 30 Prozent unter dem Erwartungshorizont der Unternehmen. Erst an dritter Stelle sehen die Unternehmen weitere EU-Regulierungen als Hindernis ihres Wachstums. Gerade mittelständische WP-Firmen, die durch die auf EU-Ebene diskutierten Vorschläge unterstützt werden sollen, sehen die neuen Regulierungen mit gemischten Gefühlen entgegen. Insbesondere die diskutierte externe Rotation dürfte zu einer weiteren Konzentration auf dem Prüfermarkt führen. Jedoch stößt gerade die Aufforderung an Unternehmen, die kleineren WP-Gesellschaften bei der Auftragsvergabe mit einzuladen auf Zuversicht. „Das bietet den Unternehmen Chancen, sich zu präsentieren“, sagt Uwe Wolf, Managing Partner bei Mazars, zu FINANCE.

gerrit.appeldorn[at]finance-magazin.de