Der Finanzstabilitätsrat versucht gerade den Nebel um die Schattenbanken zu lichten. Im Fokus: Asset-Manager

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26.03.15
Wirtschaft

FSB nimmt Schattenbanken ins Visier

Die Finanzwächter werden die Regulierung von Nichtbanken verschärfen. Aktuell nehmen sie Asset-Manager und Investmentfonds ins Visier. Durch sie will der Finanzstabilitätsrat (FSB) in die Welt der Schattenbanken eindringen.

Unbemerkt von weiten Teilen der Öffentlichkeit formieren die globalen Finanzwächter ihre Truppen für den Kampf gegen das Schattenbankensystem. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) und die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) prüfen derzeit, ob Unternehmen der Kategorie „Too Big to Fail“, deren Kollaps die globalen Finanzmärkte in Gefahr bringen könnte, auch im Nicht-Bankensektor zu finden sind.

Noch konzentriert sich die Diskussion auf die Frage, wie und anhand welcher Methoden systemrelevante Schattenbanken künftig erkannt werden sollen. Der jüngst überarbeitete Vorschlag von FSB und IOSCO steht noch bis Ende Mai zur Konsultation. Er zielt vor allem auf Asset-Manager und Investmentfonds. Darunter fallen auch Hedgefonds, Private-Equity-Häuser und Venture-Capital-Unternehmen.

Frei von Regulierung sollen dagegen die staatlich kontrollierten Fonds sowie die Pensionsponds bleiben. Die staatliche Garantie einerseits und der langfristige Anlagehorizont andererseits sorgten dafür, dass  von ihnen keinen gravierenden Systemrisiken ausgingen, meinen die Regulatoren.

FSB verfolgt dualen Ansatz

Anders sieht dies bei den Asset-Managern und Investmentfonds aus: Bei diesen Finanzmarktakteuren fürchtet der FSB erhebliche potentielle Risiken für das globale Finanzsystem. Gegenüber dem ersten Vorschlag aus dem vergangenen Jahr bringt der FSB nun einen dualen Ansatz ins Gespräch: So sollen Methoden entwickelt werden, die die Risiken von Investmentfonds und Asset-Managern zunächst separat ermitteln.

Dadurch wäre es möglich, einzelnen Fonds den „Systemrelevant-Stempel“ aufzudrücken, den Asset-Manager im Hintergrund dagegen weiter unbehelligt zu lassen. Gänzlich getrennt dürfen die beiden jedoch nicht voneinander betrachtet werden, da durch ihre oft enge Verbindung Risiken überlaufen könnten.

Zwei Optionen für Regulierung von Asset-Managern

Um potentielle Ansteckungsgefahren bei den Investmentfonds und Asset-Managern zu erkennen, will der FSB sowohl allgemeine Faktoren definieren als auch sektorenspezifische Schwellenwerte verwenden. Für jeden Sektor stehen derzeit mehrere Vorschläge zur Konsultation:

Bei den Asset-Managern muss sich der FSB zwischen einem eher allgemeinen und einem umfassenden Ansatz entscheiden. Option 1 sieht vor, dass alle Asset-Manager mit Bilanzaktiva von über 100 Milliarden US-Dollar auf dem Radar der Aufseher erscheinen sollen, wodurch der Fokus primär auf den direkten Risiken von Asset-Management-Gesellschaften liegen würde.

Die zweite Option würde die Asset-Manager mitsamt ihren Fonds erfassen, der Schwellenwert läge hier bei 1 Billion US-Dollar verwaltetem Nettovermögen und würde stärker auf die Risiken abstellen, die zwischen Managementgesellschaft und Fonds übertragen werden.

FSB bei Investmentfonds noch unschlüssig

Bei den Investmentfonds stehen sogar drei Varianten auf der Agenda: Für die hauptsächlich an private Anleger gerichteten Private-Fonds ist eine Schwelle von 400 Milliarden US-Dollar Exposure vorgesehen, das sich nach der Bruttomethode ergibt und somit alle Short- und Long-Positionen berücksichtigt. Im Januar vergangenen Jahres wollte der FSB zudem Ansätze zur Leverage-Hebelung in die Methodik einbeziehen. Diesen Ansatz hat er jedoch bereits wieder verworfen, da er sich für den ersten Filter als zu komplex und intransparent erwies.

Für die traditionellen Fonds – mit professionellen Investoren als Zielgruppe - wurde der Leverage-Hebel jedoch noch nicht gänzlich ad acta gelegt, der FSB schwankt zwischen zwei Varianten: Erstere erfasst alle Unternehmen mit einem Nettoinventarwert von 30 Milliarden Dollar und einem Leverage-Hebel von 3x Nettoinventarwert oder alternativ einem verwalteten Nettovermögen von 100 Milliarden Dollar.

Die zweite Variante würde schlicht Fonds mit einem verwalteten Bruttovermögen von über 200 Milliarden US-Dollar erfassen, sofern sie keine „dominierende Rolle im relevanten Markt“ einnehmen. Diese ist dann gegeben, wenn der Fonds schwer substituierbar oder ein hohes Fire-Sale-Risiko trägt. Der Unterschied zur ersten Variante wäre, dass die individuelle Marktsituation der Schattenbank berücksichtigt würde.

Fließender Übergang zur Schattenbank-Regulierung

Die Regulierung der Non-Banks dreht sich derzeit noch vor allem um Was-Wäre-Wenn-Fragen, bis zum Jahresende möchte der FSB jedoch zumindest Klarheit über die Methodik und die diskutierten Schwellenwerte schaffen. Im Anschluss sollen dann konkrete Maßnahmen ausgearbeitet werden, um den wirtschaftlichen Schaden abzufedern, der im Falle der Insolvenz eines systemrelevanten Unternehmens entstehen würde. Wirklich akut wird es für die Schattenbanken jedoch erst im Anschluss daran: Dann nämlich soll eine Liste veröffentlicht werden, die erstmals konkrete Namen von Gesellschaften enthält, die als systemrelevant angesehen und entsprechend überwacht werden.

Sind die Non-Banks erst einmal enger an die Leine genommen, erhofft sich der FSB dadurch auch einen stärkeren Zugriff auf das Schattenbankensystem als Ganzes. Die Übergänge sind dabei fließend, der Hauptunterschied zwischen Non-Banks und den Schattenbanken ist lediglich der Blickwinkel: Bei den Schattenbanken stehen Makro-Risiken wie die Fristen- und Liquiditätstransformation im Fokus, während der FSB bei den systemrelevanten Finanzunternehmen im Nichtbankensektor vor allem auf die direkten Risiken für den Zusammenbruch einzelner Unternehmen schaut.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de