Bilanzierung & Controlling
27.04.16

Nach umfangreichen Standortschließungen

PwC verliert ranghohe Anwälte an Ebner Stolz

Von Julia Schmitt

Die Wirtschaftsprüfer von PwC haben Karlsruhe verlassen. Jetzt springt ein kleiner Wettbewerber in die Lücke: Ebner Stolz knöpft dem Marktführer Anwälte und Mandate ab.

Ebner Stolz

Ebner Stolz profitiert in Karlsruhe von PwC's Rückzug.

Ende vergangenen Jahres hatte PwC mit umfangreicheren Standortschließungen von sich Reden gemacht. Jetzt reagiert ein kleinerer Konkurrent auf die Lücke, welche die Nummer 1 unter den Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern hinterlassen hat: Ebner Stolz macht sich den Rückzug von PwC aus Karlsruhe zunutze und eröffnet dort selbst ein Büro.

Bitter für PwC: Der ehemalige Leiter des PwC-Legal-Büros in Karlsruhe, Andreas Rupp, verlässt den Branchengrößten, um das neue Büro von Ebner Stolz in Karlsruhe zu eröffnen. Rupp war seit über 16 Jahren bei PwC und leitete zuletzt den Schwerpunkt Recht in Karlsruhe. Er berät zu Gesellschaftsrecht, Restrukturierungen, Nachfolgeplanungen sowie M&A-Transaktionen und hatte in der Vergangenheit mit seinem Team bei einigen gewichtigen Deals mitgewirkt, beispielsweise bei der Übernahme von Westgrund durch Adler Real Estate.

Rupp ist nicht der einzige, der geht: Fast das komplette PwC-Legal-Team, das aus insgesamt sieben Personen bestand, verlässt PwC, wie FINANCE erfahren hat. Ein weiterer Anwalt soll in das neue Ebner-Stolz-Büro einziehen, einer wechselte bereits zu Deloitte und ein weiterer zur Karlsruher Kanzlei Bartsch & Partner. Ähnliches zeichne sich bei PwC auch in den Bereichen Tax und Assurance des ehemaligen Karlsruher Büros ab.

PwC-Mitarbeiter wollen nicht umziehen

PwC hatte im Oktober angekündigt, sieben seiner 30 Standorte zu schließen, um rund 25 Millionen Euro zu sparen. Insgesamt waren davon 800 Mitarbeiter betroffen. Die WP-Gesellschaft beteuerte allerdings immer wieder, dass es keine Kündigungen geben soll und die Mitarbeiter lediglich auf neue Standorte verteilt werden.

So sollte das Karlsruher Büro beispielsweise an Stuttgart angeschlossen werden, den Mitarbeitern wurden Umzüge angeboten. Doch offenbar sind nicht alle bereit, mitzumachen. Für PwC ist das bitter: Die aktuelle Nummer 1 in Deutschland ist einem massiven Wettbewerb durch die anderen Big Four (KPMG, Deloitte und EY) ausgesetzt und kann es sich nicht leisten, gute Mitarbeiter zu verlieren.

„Meiner Erfahrung nach wünschen sich die Unternehmen, dass ihre Berater und Prüfer möglichst mittelstandsorientiert denken, international aufgestellt sind und vor Ort kurze Wege bieten. Mit Ebner Stolz ist für mich und unser Team all das umzusetzen“, sagte Andreas Rupp gegenüber FINANCE. Die fehlende regionale Verwurzelung sei einer der wesentlichen Gründe gewesen, warum sich Rupp dagegen entschieden habe, nach Stuttgart zu wechseln. Das neue Büro von Ebner Stolz wird zum 1. Juli mit zunächst rund 15 Mitarbeitern eröffnen.

PwC verliert Mandate an Ebner Stolz

Für Ebner Stolz, aktuell die Nummer 7 in Deutschland, hätte es kaum besser laufen können. Die WP-Gesellschaft kann jetzt die Kunden abwerben, die PwC zuvor beraten hat und denen Stuttgart zu weit weg ist. Dabei handelt es sich vor allem um Mittelständler aus dem Umkreis von Karlsruhe.

Grundsätzlich plant das Beratungshaus Ebner Stolz, das seinen Umsatz 2015 um knapp 5 Prozent auf rund 168 Millionen Euro steigerte, in den Regionen auszubauen. Eine ähnliche Strategie fährt KPMG: Die WP-Gesellschaft hat aktuell mehr als 25 Standorte und eröffnete zuletzt ein Büro in Ulm.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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