Bilanzierung & Controlling
20.10.16

Angriff auf Strategie- und Corporate-Finance-Berater

PwC wächst in der Beratung um über 40 Prozent

Von Julia Schmitt

Nach einem starken Jahr kratzt PwC an der 2-Milliarden-Euro-Marke. Vor allem in der Beratung legt die WP-Gesellschaft massiv zu. Die Big Four werden zu einem ernsten Problem für Unternehmensberater.

PwC verteidigt seine Spitzenposition und nähert sich mit dem Umsatz an 2 Milliarden Euro.

PwC

PwC verteidigt seine Spitzenposition und nähert sich mit dem Umsatz an 2 Milliarden Euro.

Deutschlands größtes Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PwC) hat seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt – und überrascht mit einem enormen Wachstum. Insgesamt ist PwC um knapp 16 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gewachsen und nähert sich damit der 2-Milliarden-Euro-Marke. Im Vorjahr war das Wachstum mit knapp 6 Prozent noch eher mau und im Vergleich zu den Konkurrenten KPMG, Ernst & Young und Deloitte sogar am schlechtesten.

Trotz dieser guten Entwicklung hinkt PwC mit seinem Wachstum aber immer noch weit hinter dem Rivalen Deloitte her, der im vergangenen Geschäftsjahr um 22 Prozent gewachsen ist. KPMG und EY werden ihre Zahlen Ende des Jahres vorlegen.

PwC legt in der Prüfung um 7 Prozent zu

Nach wie vor macht das klassische Wirtschaftsprüfungsgeschäft den größten Anteil am Umsatz von PwC aus, es ist um rund 7 Prozent (Vorjahr: 1,3 Prozent) auf 731 Millionen Euro gewachsen. Getrieben wird es allerdings vor allem durch prüfungsnahe Beratungsleistungen, wie Norbert Winkeljohann, Chef von PwC Deutschland, erklärt. Bei Deloitte hingegen war das Wirtschaftsprüfungsgeschäft im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 zum ersten Mal in der Geschichte nicht mehr der umsatzstärkste Bereich.

Die Steuerberatung von PwC hat sich eher mau entwickelt, dort ist der Umsatz um knapp 3 Prozent auf 513 Euro angewachsen. Im Vorjahr lag das Wachstum noch bei 8 Prozent.

PwC: Integration von Strategy& war schwierig

Überstrahlt wird das Zahlenwerk von PwC vom Beratungsgeschäft, das sowohl die strategische Beratung als auch die Corporate-Finance-Beratung beinhaltet. Dort ist PwC um knapp 43 Prozent (Vorjahr: 12 Prozent) auf rund 662 Millionen Euro gewachsen. „Wir sind damit in der Top-Liga der Berater angekommen“, glaubt Winkeljohann.

Organisch ist PwC allerdings nur um 12 Prozent gewachsen. In das anorganische Wachstum spielt vor allem die Akquisition der Strategieberatung Strategy& mit ein. Dieser Deal war nicht unproblematisch: Marktkreisen zufolge haben viele Berater der neuen PwC-Tochter das Unternehmen verlassen, zu groß sollen die kulturellen Unterschiede gewesen sein.

PwC-Chef Winkeljohann gibt zu, dass es zu Beginn Schwierigkeiten gab, vor allem weil manche Berater von Strategy& in Unternehmen tätig waren, die von PwC geprüft werden. Die Folge: Sie mussten dort ihre Beratungsaufträge beenden. Viele Berater hätten das Unternehmen daraufhin verlassen. „Diese Mitarbeiter haben wir ersetzt, sie kommen zum Teil auch von großen Beratungshäusern“, so Winkeljohann.

Big Four werden zur ernsten Konkurrenz für Berater

In der Strategieberatung keine offene Flanke entstehen zu lassen, ist  aus Sicht von PwC auch enorm  wichtig, denn das Beratungsgeschäft ist momentan bei allen Big-Four-Gesellschaften der wichtigste Umsatztreiber. Bei Deloitte ist das klassische Beratungsgeschäft um 37 Prozent, das Corporate-Finance-Beratungsgeschäft sogar um über 50 Prozent gestiegen. Der Markt erwartete mit Spannung, welche Zuwachsraten KPMG und EY für ihre Beratungssparten vorlegen werden. Die Big Four, die schon seit Jahren ihr Beratungsgeschäft ausbauen, werden damit zu einer ernsten Konkurrenz für die großen Strategieberater McKinsey, BCG und Bain, aber auch für Corporate-Finance-Berater und kleinere Investmentbanken.

Laut Winkeljohann könne eine WP-Gesellschaft eine bessere Beratung bieten, weil sie ein wesentlich umfassenderes Portfolio als die klassischen Berater habe. Im Vergleich zu KPMG, EY und Deloitte sieht Winkeljohann den Wettbewerbsvorteil seiner Firma darin, dass PwC als einzige WP-Gesellschaft eine Strategieberatung hinzugekauft habe. Der größte Wachstumstreiber soll die Beratung zur digitalen Transformation sein.

PwC hat neue Mandate gewonnen

Im Umfeld von PwC dürften  die neu vorgelegten Zahlen mit Erleichterung aufgenommen werden, da sich das vergangene Geschäftsjahr an manchen Stellen nicht  einfach anließ. Ende 2015 kündigte die WP-Gesellschaft die Schließung mehrerer Standorte an, um 50 Millionen Euro zu sparen. Viele Mitarbeiter, teilweise gar komplette Teams haben PwC daraufhin verlassen. „Wir haben einige kleinere Mandate verloren, aber nichts Zentrales“, beschwichtigt Winkeljohann. Die Standortschließungen seien nun abgeschlossen.

Mit der verpflichtenden Rotation für Abschlussprüfer kommt auf den Marktführer PwC allerdings schon eine neue Herausforderung hinzu. Zwei Mandate musste PwC bereits abgeben: Sowohl Bayer als auch Tui werden ab 2017 vom Konkurrenten Deloitte geprüft. Das Deutsche-Bahn-Mandat konnte PwC allerdings retten.

Die WP-Gesellschaft hat außerdem fünf neue Mandate hinzugewonnen: das Tec-Dax-Unternehmen Telefonica Deutschland, die BHF Bank, die HSBC-Tochter HSBC Inka, Media Saturn sowie den Energieversorger Thüga. Das sind zum Teil große Mandate, allerdings nicht aus dem Dax30, was einen großen Symbolcharakter hat. Im Dax-30 prüft PwC derzeit neun Unternehmen, bei denen das WP-Haus die Prüftätigkeiten in den kommenden Jahren nach und nach abgeben muss. Wie viele neue Mandate PwC gewinnen möchte, wollte Winkeljohann nicht sagen. Nur so viel: „Wir wollen unseren Marktanteil zumindest halten, wenn nicht ausbauen.“

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb zwischen den Big Four so hart wie derzeit. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu den Big Four.