Ab 2017 wird Deloitte die Bilanzen von Tui testieren.

Tui

05.10.16
Banking & Berater

Deloitte gewinnt Tui-Mandat

Erst Bayer, jetzt Tui: Deloitte nutzt die verpflichtende Abschlussprüferrotation und kann mit Tui ein weiteres großes Prüfungsmandat neu hinzu gewinnen. Der Verlierer ist erneut PwC.

In der verpflichtenden Rotation der Abschlussprüfer kann Deloitte seinen zweiten Erfolg verbuchen: Die WP-Gesellschaft hat die Ausschreibung um das Prüfungsmandat beim Reiseveranstalter Tui gewonnen. Das hat Deloitte-Chef Martin Plendl am heutigen Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

In einem letzten Schritt muss zwar noch die Tui-Hauptversammlung dem neuen Prüfer zustimmen, das ist in der Regel aber nur Formsache. Das Mandat gilt als sicher. Deloitte würde ab dem Geschäftsjahr 2017 mit der Prüfung beginnen.

Bisher wurde Tui von PwC geprüft. Tui war verpflichtet, das Mandat auszuschreiben, weil PwC laut der im Juni dieses Jahres verabschiedeten Abschlussprüferrotation den Konzern schon zu lange prüft.

PwC prüft andere gutbezahlte Mandate – noch

Für PwC ist das ein Verlust. Zwar gehört Tui nicht zu den Mandanten, die die höchsten Honorare zahlen, aber das Honorarvolumen ist dennoch beachtlich. Für alle Leistungen von PwC hat Tui im Geschäftsjahr 2015 rund 18,6 Millionen Euro gezahlt. Für die Wirtschaftsprüfung alleine waren es rund 12 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Im Dax30 hat PwC einige Mandate, die im Geschäftsjahr 2015 wesentlich besser bezahlt waren, wie beispielsweise E.on (45 Millionen Euro), RWE (25 Millionen Euro) oder die Deutsche Telekom (22 Millionen Euro). Doch all diese Mandate wird PwC in den kommenden Jahren abgeben müssen, und ob die neuen Kunden ebenso hohe Honorare zahlen werden, wird sich erst noch zeigen müssen.

Deloitte ist bisher der Gewinner der Prüferrotation

Für Deloitte ist Tui der zweite große Akquiseerfolg. Bereits im Dezember 2016 hatte Deloitte mit einem großen Mandat überrascht. Damals war bekanntgeworden, dass die WP-Gesellschaft mit Bayer das von der Marktkapitalisierung her größte Dax-Unternehmen als Mandanten gewonnen hat. Abgeben muss das Mandat auch hier PwC. Deloitte-Chef Martin Plendl hatte immer wieder betont, dass das WP-Haus sich drei Jahre lang auf den Pitch bei Bayer vorbereitet und viel Geld investiert hat, um das Mandat zu gewinnen.

Deloitte legt damit ein ordentliches Tempo vor, denn bislang hat noch keiner der Konkurrenten Ernst & Young oder KPMG verkündet, ein neues Mandat gewonnen zu haben. Dabei ist Deloitte in Deutschland noch die mit Abstand kleinste Big-Four-Gesellschaft. Den Münchenern wurde oft nachgesagt, dass sie keine großen Mandate prüfen könnten. Plendl sieht daher in der verpflichtenden Prüferrotation eine „Jahrhundertchance“ für Deloitte. Bisher nutzt die WP-Gesellschaft diese Chance gut.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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