Strategie & Effizienz
26.06.17

PE-Investor zahlt 12,6x Ebitda

EQT steigt bei Familienunternehmen Otto Bock ein

Von Antonia Kögler

Der Prothesenhersteller Otto Bock liegt nicht länger nur in Familienhand. Der PE-Investor EQT kauft einen Anteil von 20 Prozent, der geplante Börsengang wird sich dadurch verzögern.

Otto Bock will wachsen und kauft dafür zu, jüngst den Wettbewerber Bebionic, der Handprothesen herstellt. Für die Wachstumsstrategie hat das Familienunternehmen mit dem PE-Investor EQT nun einen neuen Partner.

Otto Bock

Otto Bock will wachsen und kauft dafür zu, jüngst den Wettbewerber Bebionic, der Handprothesen herstellt. Für die Wachstumsstrategie hat das Familienunternehmen mit dem PE-Investor EQT nun einen neuen Partner.

Das Medizintechnikunternehmen Otto Bock hat einen neuen Anteilseigner. Der Gründerenkel und Chef des Unternehmens, Hans Georg Näder, hat einen Anteil von 20 Prozent an das schwedische Private-Equity-Haus EQT verkauft, die restlichen Anteile bleiben weiter bei der Inhaberfamilie Näder. EQT bewertet das Unternehmen, das 2016 einen Umsatz von 880 Millionen Euro erzielt hat, mit 3,15 Milliarden Euro. Für den nun verkauften Anteil ergibt sich damit ein Kaufpreis von etwa 630 Millionen Euro, wobei unklar ist, ob EQT tatsächlich auch die volle Summe in cash bezahlt hat.

Laut Reuters-Informationen rechnet Otto Bock für 2017 mit einem  Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 250 Millionen Euro. Basierend darauf entspricht der Kaufpreis einem Ebitda-Multiple von 12,6x, was für einen gut positionierten Medizintechnikspezialisten wie Otto Bock im Rahmen des mittlerweile Üblichen liegt. Die Bewertungen im Healthcare-Segment haben zuletzt stark angezogen – vor allem wegen des Übernahmehungers der Finanzinvestoren.

EQT setzt sich bei Otto Bock gegen CVC durch

Dass Otto Bock mit Hilfe der Investmentbank J P Morgan nach einem Minderheitsinvestor suchte, war bekannt. EQT hat sich gegen viele Konkurrenten aus der Private-Equity-Branche durchgesetzt. Als Interessenten wurden KKR, BC Partners und Advent gehandelt.

Zuletzt soll sich der Bieterkampf aber zwischen CVC und EQT entschieden haben. CVC war ein veritabler Mitbewerber um den Otto-Bock-Anteil, hatte CVC doch schon bei Evonik das gleiche Modell mit großem Erfolg als Mitaktionär unterstützt: Erst der Einstieg des PE-Investors, dann Stärkung der Prozesseffizienz innerhalb des Unternehmens und schließlich der erfolgreiche Börsengang inklusive Rückzug des Minderheitsgesellschafters.

EQT setzt häufig auf Buy and Build

Die Beteiligungsgesellschaft EQT, hinter der die schwedische Unternehmerfamilie Wallenberg steht, setzt bei ihren Beteiligungen häufig darauf, durch Zukäufe das Wachstum voranzutreiben. Auch Otto Bock plant, weiter zuzukaufen. Ein Großteil des Kaufpreises soll dem Unternehmen zugute kommen, um das weitere Wachstum unter anderem durch Akquisitionen zu finanzieren. Zuletzt übernahm das Familienunternehmen die Medizintechnikhäuser Bebionic und Bionx.

EQT ist häufig in der Gesundheitsbranche aktiv: Aktuell bereiten die Schweden verschiedenen Marktbeobachtern zufolge den baldigen Börsengang der früheren Hörgerätesparte von Siemens vor. Für das Unternehmen, das heute Sivantos heißt, hatten die Schweden gemeinsam mit den Strüngmann-Brüdern vor knapp drei Jahren über 2 Milliarden Euro hingelegt – und ein noch höheres Multiple bezahlt als für Otto Bock.

Otto Bock ist derzeit dabei, sich auf das Kerngeschäft Medizintechnik zu fokussieren. Der Verkauf der Kunststoff-Sparte des Unternehmens läuft bereits, auch das IT-Startup Sycor soll verkauft werden.

Börsengang von Otto Bock kommt später

Die stärkere Ausrichtung auf die Medizintechniksparte erfolgt auch im Hinblick auf den geplanten Börsengang des Unternehmens. Doch mit dem Einstieg des neuen Investors könnte sich der Schritt verzögern. Die Möglichkeit werde zwar weiter verfolgt, doch der Schritt solle nun eher später als früher passieren, zitiert Reuters Otto-Bock-Chef Näder.

Zuvor muss in jedem Fall erst der Einstieg des Investors unter Dach und Fach gebracht werden. Der Deal steht noch unter Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden. EQT rechnet mit einem Abschluss in der zweiten Jahreshälfte. Ein IPO von Otto Bock dürfte damit frühestens 2018 auf der Tagesordnung stehen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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