Die Bewertungen am M&A-Markt für Healthcare-Unternehmen steigen überproportional. Davon will auch der Bayer-Konzern profitieren, aus dessen Laboren dieses Foto stammt.

Bayer

23.11.16
Deals

Der Healthcare-M&A-Markt läuft heiß

Die Bewertungen für Unternehmen aus dem Gesundheits-Sektor steigen nach FINANCE-Informationen immer weiter – und die Verschuldungsgrade gleich mit. Das hat viel mit der Angst vor der nächsten Krise zu tun.

Am M&A-Markt steigen die Unternehmensbewertungen seit Jahren. Das gilt für praktisch alle Sektoren, doch wahrscheinlich für keinen so sehr wie für den Bereich Healthcare. Strategische Käufer wie Private-Equity-Investoren bezahlen Ebitda-Multiples von 12x bis 13x für Assets, die auf den Markt kommen.

Das liegt auch an der Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch. Diese Furcht treibt vor allem Finanzinvestoren derzeit um. Denn die letzte Krise ist so lange her, dass es statistisch gesehen an der Zeit wäre – und wenn ein Einbruch kommt, dürften in dessen Folge  einige PE-Fonds Gefahr laufen, für ihre Geldgeber zu einem Minusgeschäft zu werden.

Erhoffte Krisensicherheit rechtfertigt Ebitda-Multiples von 13x

Healthcare-Unternehmen könnten in einem solchen Szenario wesentlich sicherere Investments als zum Beispiel Konsumgüterhersteller sein, von Zyklikern ganz zu schweigen. Denn medizinische Produkte und Dienstleistungen werden auch nachgefragt, wenn die Leute mal weniger Geld haben. Das macht die Unternehmen resistenter, wenn die Wirtschaft schrumpft.

Die Folge: „Die Bewertungen sind selbst mit dem allgemein hohen Gesamtniveau verglichen noch sportlich“, sagt Moritz von Schenck, M&A-Berater und Managing Director bei Deloitte. Ebitda-Multiples von 12x und 13x seien „keine Seltenheit“, so von Schenck. Der Finanzierungsberater Marcel Herter ergänzt: „In vielen Fällen geht die Bewertung sogar darüber hinaus.“

Fremdkapital-Quoten von 7x Ebitda

Doch nicht nur die Unternehmensbewertungen, auch die Verschuldungsgrade sind in den letzten zwei Jahren im Healthcare-Sektor „überproportional angezogen“, berichtet Herter. „Die Fremdkapitalquote bei M&A-Deals in diesem Bereich liegt in manchen Fällen inzwischen bei 7x Ebitda.“ Das ist möglich, weil die Unternehmen stabile und vorhersehbare Cashflows versprechen.

Wenn ein Unternehmen im Gesundheitssektor nach einem hoch geleverageten Buy-out eine Kredittranche mit CCC-Rating begibt, dann tut sie das allerdings in der Regel nicht bei den hiesigen Geldhäusern, sagt Marcel Herter – die Banken fühlen sich schlicht unwohl mit einem derart prekären Fremdkapitalinvestment. „Deshalb werden die Kredite von großen Investmentbanken als Institutional Loans strukturiert, gebündelt und am Londoner Kapitalmarkt verkauft.“

Oft benutzen Private-Equity-Investoren in diesem Sektor auch Add-on-Akquisitionen, um den Einstiegspreis bei einem zugekauften Portfoliounternehmen im Nachhinein zu verbilligen und dieses im gleichen Zug höher zu verschulden. Deloitte-Berater von Schenck: „Ein hoher Multiple beim Erwerb einer Plattform kann sich auch dann rechnen, wenn die Möglichkeit besteht, beim Zukauf von Add-ons den Einstiegs-Multiple zu verwässern. Add-on-Akquisitionen sind häufig auch eine Möglichkeit, den Leverage in der Gesamtstruktur zu erhöhen, was die Exit-Bewertungen optimiert.“

Bayer plant 5 Milliarden Euro Erlös mit Healthcare-Deals

Eine Deloitte-Studie belegt den M&A-Boom im Healthcare-Sektor. Laut den dort erhobenen Zahlen wechselten im Jahr 2015 – ohne die fast schon üblichen Großfusionen bei „Big Pharma“ – im Healthcare-Sektor Unternehmen im Wert von knapp 60 Milliarden US-Dollar den Besitzer. Das ist ein Anstieg von einem Fünftel zum Jahr davor, als das Volumen bei knapp 50 Milliarden Dollar lag.

Und auch in Deutschland dreht sich das Karussel weiter: Gerade ist Bayer dabei, seine Geschäftsbereiche Dermatologie und Radiologie zu verkaufen, um den 66 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Deal zu finanzieren. Bei der Dermatologie zielt Bayer auf einen Verkaufspreis von 1 Milliarde Euro und damit auf eine Bewertung, die selbst angesichts der derzeitigen Niveaus so hoch ist, dass sich aller Wahrscheinlichkeit nach nur strategische Käufer das Asset leisten können. Mit dem Geschäftsfeld Radiologie will Bayer mindestens 4 Milliarden Euro einspielen, hier sind derzeit sowohl Finanzinvestoren als auch Konzerne im Rennen.

Eine Etage tiefer schielt der Finanzinvestor TA Associates auf den Verkauf des Zahntechnikspezialisten Amann Girrbach. TA wartet FINANCE-Informationen zufolge mit dem Verkauf bis Mitte 2017 – auch, um ein noch höheres Ebitda-Multiple auf das Asset zu bekommen. Informierte Personen halten bei dem schnell wachsenden Unternehmen eine Bewertung von mehr als 15x für wahrscheinlich.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de