Die L-Bank, die Förderbank des Bundeslandes Baden-Württemberg, bekommt gleich auf zweierlei Weise Druck von der Finanzaufsicht: Zum einen muss Deutschlands viertgrößtes Förderinstitut seine Eigenkapitalquote um die Hälfte aufstocken, zum anderen erwägt die BaFin, die L-Bank einer Sonderprüfung zu unterziehen. Dies berichtet das „Handelsblatt“.
Der finanzielle Teil der Auflagen scheint für die Karlsruher leichter zu bewältigen zu sein als der organisatorische. Die Aufseher verlangen eine Aufstockung der Eigenkapitalquote von 8 auf 12 Prozent – eine Forderung, der die L-Bank nach eigener Aussage „ohne Einschränkung ihres Geschäftszweckes“ nachkommen könne. Die L-Bank fördert die Finanzierung kleiner und mittelgroßer Unternehmen sowie den Bau von Wohnungen und Infrastruktur.
Die BaFin begründet die Aufforderung, mehr Eigenkapital zu bilden, mit „Risiken“, die „identifiziert“ worden seien. Dabei gehe es um Zinsänderungsrisiken, aber auch um solche mit Bezug auf die Risikotragfähigkeit der L-Bank.
L-Bank hatte Probleme mit Corona-Soforthilfen
Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die L-Bank von zurückliegenden Problemen rund um die Auszahlung der Corona-Soforthilfen im Jahr 2020 eingeholt wird. Damals kam in vielen Fällen schnell Betrugsverdacht auf, doch die Bank brauchte lange, um ihre Prozesse so auszurichten, dass sie die Strafverfolgungsbehörden angemessen mit Informationen versorgen und unterstützen konnte. Dies lag auch an unterschiedlichen Auffassungen zwischen der Rechts- und Compliance-Abteilung, was die Reaktion der Bank dem Vernehmen nach verzögerte.
Sollte es tatsächlich zu einer Sonderprüfung durch die BaFin kommen, dürfte sich diese laut „Handelsblatt“ auf die IT- und IT-Compliance-Strukturen der Bank konzentrieren, die es auf eine Bilanzsumme von rund 90 Milliarden Euro bringt. Damit ist die L-Bank die fünfzehntgrößte Bank Deutschlands. Ein Banksprecher stellte gegenüber dem „Handelsblatt“ klar, dass die BaFin noch keine Sonderprüfung angeordnet habe, die Bank aber dazu bereit sei, „etwaig adressierte Mängel aufzuarbeiten“, sollte es in den nächsten Monaten dazu kommen.
