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Erneuerbare Energien – der Schlüssel zur europäischen Energiesicherheit

Foto: Datasite

Dieses Jahr bestimmt ein Ereignis den europäischen Energiemarkt: Russlands Einmarsch in die Ukraine. Die kurz- und langfristigen Folgen dieser Krise sind erheblich. Die Gaspreise sind in die Höhe geschossen und haben die Inflation verschärft. Entscheidend ist nun, wie Unternehmen, Verbraucher und Regierungen darauf reagieren. Ihr Verhalten könnte den Beginn einer neuen Entwicklung in der europäischen Energiewirtschaft markieren – mit Auswirkungen auf die Energiesicherheit in der Region und das Wachstum erneuerbarer Energien.

Verringerte Gas-Liefermenge

Ende 2021 lag die Megawattstunde von Europas führendem Erdgas-Benchmark Dutch TTF bei 70,34 Euro, laut Trading Economics. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs schnellte der Preis in die Höhe. Am 7. März betrug er 227,20 Euro.

Im zweiten Quartal bewegten sich die Preise um die 100 Euro pro Megawattstunde. Gegen Quartalsende stiegen sie jedoch wieder an und erreichten am 7. Juli 183,18 Euro. Das spiegelte vor allem die Auswirkungen der Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 wider, der wichtigsten Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland. Nach den Arbeiten wurden die Gaslieferungen wieder in geringerem Umfang aufgenommen, seit Anfang September ist jedoch Schluss damit. 

Angesichts dieser Entwicklungen suchen die europäischen Länder händeringend nach Alternativen. Die Krise erfordert unmittelbare Reaktionen zur Aufrechterhaltung der Versorgung. Dazu gehören Energierationierungen, die erneute Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken und eventuell auch von Atomkraftwerken. Langfristig wird jedoch der Ausbau der erneuerbaren Energien entscheidend sein.

Boom der erneuerbaren Energien

Den politischen Entscheidungsträger ist bewusst, dass sie bei den erneuerbaren Energien schnell handeln müssen. Die Dealmaker sind sich der Vorteile bereits heute im Klaren. Im vergangenen Jahr rückten Deals mit erneuerbaren Energien in den Vordergrund. So kauften Engie und Crédit Agricole für 2,2 Mrd. Euro Eolia. Das spanische Unternehmen erzeugt Strom aus erneuerbaren Energien.

Dieser Trend setzt sich 2022 trotz der makroökonomischen Turbulenzen fort. Im ersten Halbjahr ging es bei drei der fünf größten Deals im Energiesektor in EMEA um erneuerbare Energien. Den größten Deal schloss das dänische Energieunternehmen Ørsted ab. Es verkaufte seinen 50-Prozent-Anteil an einem britischen Offshore-Windpark für 3,6 Mrd. Euro. Käufer waren die französischen Finanzriesen Axa und Crédit Agricole. Und auch der PE-Riese KKR war im vergangenen Frühjahr mit zwei Mega-Deals beschäftigt. Im April erwarb KKR das französische Unternehmen Albioma für 2,6 Mrd. € im Rahmen einer Privatisierung. Das Unternehmen verfügt über eine Gesamtkapazität von mehr als ein Gigawatt (GW) in den Bereichen Biomasse, Photovoltaik und Geothermie. Zudem besteht eine Partnerschaft mit der Zuckerindustrie zur Erzeugung erneuerbarer Energie aus Bagasse, einem faserigen Reststoff des Zuckerrohrs. In den französischen Überseegebieten ist KKR ebenfalls führend im Bereich Photovoltaik und ist vor kurzem, mit dem Erwerb von zwei Kraftwerken in der Türkei, in das Geschäft mit der Geothermie eingestiegen. Zudem nahm KKR im Mai das britische Stromerzeugungsunternehmen ContourGlobal im Rahmen einer Übernahme in Höhe von 5,5 Mrd. € von der Londoner Börse. Das Unternehmen ist ein Großhandelsunternehmen für Stromerzeugung mit einer Kapazität von 6,3 GW in einem Portfolio von 138 thermischen und erneuerbaren Kraftwerken in Europa, Nordamerika, Lateinamerika und Afrika.

Der Trend setzt sich auch außerhalb von Europa fort. Im Februar erwarb das nigerianische Öl- und Gasunternehmen Seplat das lokale Offshore-Flachwassergeschäft von Exxon Mobil, Mobil Producing Nigeria, für 1,4 Mrd. €. Kürzlich erwarben die Abu Dhabi National Oil Company und die Abu Dhabi National Energy Company für 1,2 Mrd. EUR einen Anteil von 67 % an Masdar, einem Unternehmen für erneuerbare Energien in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Masdar wurde 2006 vom Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate Mubadala Investment Company gegründet. Es orientiert sich an der Dubai Clean Energy Strategy 2050 und hat seine Stromerzeugungskapazität im Jahr 2021 von 10,7 GW auf mehr als 15 GW erhöht. Das Unternehmen will die Kapazität in diesem Jahrzehnt auf mehr als 50 GW erhöhen und hat das langfristige Ziel, mehr als 200 GW zu liefern.

Wachsendes Interesse

Der Bedarf an Investitionen in grüne Energie ist seit langem offensichtlich und der Markt reift rasch heran. Europa hat sich der Klimaneutralität verschrieben und die Aktivitäten der Finanzinvestoren zeigen, dass sie vom Wachstum der erneuerbaren Energien überzeugt sind. Beschleunigt wird diese Entwicklung durch den russischen Einmarsch in die Ukraine. Die Zunahme von Transaktionen im Bereich der erneuerbaren Energien in Europa erscheint unvermeidlich.

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