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Porsche-CFO Meschke fädelt Einstieg beim VfB Stuttgart ein

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Heißt künftig MHPArena: Das Stadion des VfB Stuttgart bekommt mit dem Einstieg von Porsche einen neuen Namen. Foto: Timo Günthner - stock.adobe.com

Die Porsche AG will bei dem Bundesligisten VfB Stuttgart einsteigen. Wie der Verein am gestrigen Dienstag bekanntgab, wird der Porsche-Konzern umfangreiche Sponsoring-Pakete übernehmen, einschließlich des Namensrechts an der Mercedes-Benz Arena durch MHP. Die Beratungstochter von Porsche wird zehn Jahre lang Namensgeber des Stadions sein, das künftig MHPArena heißen wird.

Zudem will Porsche insgesamt 10 Prozent der VfB-Anteile übernehmen. Zunächst will der Sportwagenhersteller eine erste Tranche von 5 Prozent übernehmen, innerhalb der nächsten zwölf Monate soll dann eine zweite Tranche in gleicher Höhe folgen. Laut dem „Handelsblatt“ soll die Bewertung der Porsche-Anteile bei 40 Millionen Euro liegen. Als Ankerinvestor bei Stuttgart bleibt aber vorerst weiterhin der bisherige Hauptsponsor Mercedes-Benz, der Konzern hält aktuell 11,75 Prozent an der Vereins-AG.

Das Gesamtvolumen des Pakets, das dem VfB Stuttgart von Porsche zukommt, liegt laut VfB-Präsident Claus Vogt bei 100 Millionen Euro. Geld soll dabei unter anderem in das Nachwuchsleistungszentrum des Vereins fließen.

Porsche-CFO Meschke soll Deal orchestriert haben

Einer der treibenden Köpfe hinter dem Deal soll Porsche-CFO Lutz Meschke gewesen sein. Meschke, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Premiumherstellers ist, war als Porsche-Vertreter bei der gestrigen Pressekonferenz zugegen, bei der das Porsche-Engagement bekanntgegeben wurde.

„Der VfB Stuttgart ist der größte Verein am Stammsitz unseres Unternehmens. Uns eint eine große Tradition und wir sind beide tief in der Region verwurzelt“, sagte Meschke auf der Konferenz. Man wolle Ankerinvestor Mercedes nicht vertreiben: „Wir kommen nicht etwa, um jemanden zu ersetzen. Vielmehr ist es unsere Absicht, die Kräfte zu bündeln – aus der Region und für die Region.“

Interessant: Meschke ist auch mit dem Stadtrivalen Stuttgarter Kickers verbandelt. Der Porsche-CFO sitzt im Aufsichtsrat der Kickers – die aber in der viertklassigen Regionalliga Südwest außer Konkurrenz des Bundesligisten VfB spielen.

Neben Regionalstolz hofft Porsche möglicherweise auch auf die Strahlkraft eines Bundesligisten, um die eigene Marke präsenter zu machen. Zumindest auf internationaler Bühne waren die Stuttgarter aber länger nicht mehr zu sehen, zuletzt spielte der VfB in der Saison 2012/2013 in der Europa-League. In der abgelaufenen Saison schaffte der Klub den Klassenerhalt erst durch zwei Siege in der Relegation gegen den Zweitligisten HSV.

VfB schrieb 2022 millionenschweren Verlust

Den Zeitpunkt des gestrigen Dienstags wird Porsche vermutlich bewusst gewählt haben. Derzeit, am Mittwochvormittag, findet die Hauptversammlung des Konzerns statt – die erste seit dem Börsengang des Unternehmens im vergangenen September.

Von den Fußball-Aktivitäten des Konzerns zeigten sich die Porsche-Aktionäre jedoch recht unbeeindruckt. Die Aktie des Sportwagenbauers verlor im Verlauf des gestrigen Tages leicht, am heutigen Mittwochvormitttag notiert das Papier mit 54,40 Euro etwa auf dem Schlusskurs von Montagabend.

Der VfB Stuttgart kann das Porsche-Kapital indes gut gebrauchen. Finanziell lief es laut Zahlen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zuletzt dürftig für den Verein. Im Kalenderjahr 2022 machte der VfB einen Verlust von gut 16 Millionen Euro, bei einem Rohergebnis von rund 147 Millionen Euro. Ausgabenseitig belasten vor allem die Personalkosten in Höhe von mehr als 90 Millionen Euro die Stuttgarter. Hinzu kamen der Stadionumbau und ein 25-Millionen-Euro-KfW-Kredit, den Stuttgart in der Corona-Pandemie aufgenommen hatte.

Der Vorstandschef von VfB Stuttgart, Alexander Wehrle, sagte über den Einstieg des Automobilkonzerns: Porsche und MHP „erweitern unseren Handlungsspielraum, wobei für alle Beteiligten klar ist, dass für den VfB vorrangig die wirtschaftliche Stabilisierung nach der existenziell bedrohlichen Corona-Zeit sowie Investitionen in strategische Handlungsfelder im Vordergrund stehen“.

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.