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Erfolgreicher Startschuss: Porsche geht an die Börse 

Porsche ist an der Frankfurter Börse gestartet. Foto: Porsche AG
Porsche ist an der Frankfurter Börse gestartet. Foto: Porsche AG

Börsendebüt für Porsche: Nach monatelangen Spekulationen und einer langen Prüfungsphase startet der Sportwagenhersteller am heutigen Donnerstag an der Frankfurter Börse. Es ist der größte Börsengang in Deutschland seit dem IPO der Telekom im Jahr 1996: Porsche kommt nach dem Startschuss auf eine Bewertung in Höhe von 75 Milliarden Euro. 

Platzierungspreis der Porsche-Aktie am oberen Ende 

Vor dem Börsenstart gab der Mutterkonzern Volkswagen erste Details des Börsengangs bekannt. So legte der Autobauer die Preisspanne für die Vorzugsaktien auf 76,50 Euro bis 82,50 Euro je Wertpapier fest. Der endgültige Ausgabepreis der Aktien liegt nun mit 82,50 Euro am oberen Ende der Spanne, wie Porsche am gestrigen Mittwochabend mitteilte. Und das Papier performt gut: Am heutigen Donnerstagvormittag legt das Papier gleich auf knapp 85 Euro zu. 

Insgesamt werden rund 25 Prozent Vorzugsaktien platziert, das entspricht einem Volumen von knapp 114 Millionen Aktien. Darin eingeschlossen sind knapp 15 Millionen Vorzugaktien für Mehrzuteilungen. Der Börsengang der Sportwagentochter füllt die Volkswagen-Kassen mit einem Bruttoerlös von knapp 9,4 Milliarden Euro.

Porsche SE erwirbt 25 Prozent der Porsche-Aktien  

Darüber hinaus erwirbt die VW-Eigentümerholding, die Porsche SE, 25 Prozent plus eine Stammaktie des Sportwagenherstellers für 88,69 Euro pro Aktie. Dies lässt sich die Holding 10,1 Milliarden Euro kosten. Die Holding erhält bereits 17,5 Prozent der Aktien zum Börsengang. Die restlichen 7,5 Prozent kommen der Porsche SE zum Jahresanfang 2023 im Zuge der Auszahlung der angekündigten Sonderdividende in Höhe von 49 Prozent der Bruttoerlöse des Börsengangs zu. 

Den Erwerb der Aktien will die Holding mit 7,9 Milliarden Euro fremdfinanzieren. Bei der Finanzierung der des Aktienerwerbs wurde die Porsche SE von Allen & Overy unter der Federführung der Partner Walter Uebelhoer und Counsel Ilja Baudisch beraten. Darüber hinaus wird die Holding von Hengeler Mueller (Federführung: Partner Johannes Tieves und Senior Associate Tobias Braun) beraten.  

Das Grundkapital der Stuttgarter war vor dem IPO zur Hälfte zur Hälfte in stimmrechtslose Vorzugs- und stimmberechtigte Stammaktien, im Ganzen in 911 Millionen Wertpapiere – angelehnt an das Automodell –, aufgeteilt worden. Dabei sollen die Stammaktien nicht platziert werden. 

Katarischer Staatsfonds sichert sich größtes Aktienpaket

Größere Beträge gezeichnet haben vier Investoren. Mit dabei ist der katarische Staatsfonds QIA, der sich für rund 1,88 Milliarden Euro rund ein Fünftel der ausgegebenen Aktien gesichert hat. Die Investment-Gesellschaft des norwegischen Staatsfonds, Norges Bank Investment Management, sowie der US-Vermögensverwalter T. Rowe Price sicherten sich jeweils Aktien für 750 Millionen Euro. Die Abu Dhabi Developmental Holding Company (ADQ) legte für ihr Aktienpaket rund 300 Millionen Euro auf den Tisch.  

Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners des IPOs sind J.P Morgan, BofA Securities, die Citi und Goldman Sachs. Barclays, BNP Paribas, die Deutsche Bank, Morgan Stanley, Santander, Société Générale und Unicredit fungieren als Joint Brookrunner. Co-Lead Manager des Börsengangs sind die Commerzbank, Crédit Agricole in Kooperation mit Metzler, der LBBW und Mizuho. 

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Porsche: Größter IPO in Europa seit elf Jahren  

Der Porsche-IPO erfolgt in turbulenten Zeiten, geprägt durch Volatilität an den Märkten, Inflationssorgen, steigenden Zinsen und der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise. Dem aktuellen IPO-Barometer des Big-Four-Hauses EY zufolge ist der Porsche-Börsengang der weltweit größte im dritten Quartal dieses Jahres. In Europa ist es sogar der größte IPO seit elf Jahren. Zuletzt erreichte das Schweizer Unternehmen Glencore im Jahr 2011 mit 10 Milliarden US-Dollar ein höheres Emissionsvolumen bei seinem Börsengang. Gemessen an der Marktkapitalisierung sei Porsche das größte Unternehmen, das in diesem Jahrtausend in Europa an die Börse gegangen ist. 

Generell sank die Zahl der Börsengänge im dritten Quartal dieses Jahres im Vorjahresvergleich weltweit um 41 Prozent auf 355, hat EY erfasst. Das Emissionsvolumen sei dabei sogar um 56 Prozent auf 51 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Jahr 2021 gesunken. Das vergangene Jahr war allerdings auch ein Rekordjahr für Börsengänge.  

Für die kommenden Monate ist EY mit Blick auf Börsengänge verhalten gestimmt. „Eine durchgreifende Verbesserung der Lage auf dem weltweiten IPO-Markt ist derzeit noch nicht in Sicht“, so Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. Doch es gibt auch gute Aussichten – wenngleich nicht für alle Unternehmen: Es „zeigt sich, dass auch in diesen Zeiten Mega-IPOs möglich sind, wenn den Investoren spannende Equity Stories präsentiert werden – gerade in Bereichen der Energietransformation, ESG und digitalen Disruption“, so Steinbach. 

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Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt scherpunktmäßig die Themen Controlling und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.