Die Deutsche Bank hat einen Plan für die Netto-Null-Zielpfade für Unternehmenskredite vorgelegt. Im Fokus stehen die besonders CO2-intensiven Sektoren Kohlebergbau, Zement und Schifffahrt. Speziell Zementhersteller wie Heidelberg Materials zählen zu den größten CO2-Emittenten überhaupt. Der Transitionsplan legt dar, wie die Bank ihr Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, erreichen möchte.
„Das Ökosystem unseres Planeten steht vor Kipppunkten“, kommentiert der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Christian Sewing den neuesten Plan. „Es ist deshalb von entscheidender Bedeutung, endlich das Wirtschaftswachstum von CO2-Emissionen und dem ausufernden Verbrauch von natürlichen Ressourcen zu entkoppeln.“
Pläne für Kohle und Zement
Dem Plan zufolge sollen die finanzierten Scope-3-Emissionen im Kohlebergbau bis 2030 halbiert werden, bis 2050 sollen sie sogar um 97 Prozent reduziert werden. Bei der Zementindustrie setzt die Deutsche Bank als Ziel die Reduktion der CO2-Intensität von Scope 1 und 2. Diese Kennzahl soll bis 2030 um rund ein Drittel und bis 2050 um 98 Prozent verringert werden.
Scope 1 steht – vereinfacht ausgedrückt – für die direkten Emissionen eines Unternehmens. Scope 2 sind indirekte Emissionen aus Energien, die von Versorgern eingekauft werden. Scope 3 umfasst die gesamte Lieferkette.
Im Sektor Schifffahrt visiert die Deutsche Bank ein Scope-1-Scoring von 0 Prozent bis 2030 an, das dem Branchenstandard „Poseidon Principles“ entspricht. Im Januar 2024 will die Deutsche Bank Ziele für die Luftfahrt veröffentlichen.
Unternehmenskredite machen Löwenanteil aus
Mit den neuen Sektorzielen liegen nun die Zielpfade für sieben energieintensive Sektoren vor. Die Vorgaben für Öl und Gas („Upstream“), Energieversorger, Stahl und Automobilbau hat die Deutsche Bank bereits veröffentlicht. Damit gibt es der Bank zufolge nun für 55 Prozent der finanzierten Emissionen durch Unternehmenskredite Klimazielpfade.
Die Deutsche Bank gibt an, dass durch das Unternehmenskreditbuch in Höhe von 107 Milliarden Euro, im Jahr 2022 Emissionen in Höhe von rund 30,5 Millionen Tonnen CO2 finanziert wurden. Hierbei sind allerdings nur die gezogenen Kreditlinien einberechnet. Durch die ungezogenen Kreditlinien, die Unternehmen häufig als „Back-up“ nutzen, würden rund 33 Millionen Tonnen CO2-Emissionen hinzukommen.
Die Unternehmenskredite machten nach Angaben der Bank den Löwenanteil der finanzierten CO2-Emissionen aus. Diese seien deutlich höher als die Emissionen aus der Finanzierung von privaten Wohnimmobilien, die bei rund 3,9 Millionen Tonnen CO2-Emissionen liegen. Für gewerblichen Immobilienkredite gibt es noch keine Angabe. Allerdings seien für den größten CO2-Anteil wenige energieintensive Industrien beziehungsweise eine kleine Anzahl an Kunden verantwortlich, teilte die Bank mit.
Deutsche Bank will aus Branchen aussteigen
Im Transitionsplan geht es auch darum, wie mit Kunden umgegangen wird, die den Klimazielen nicht entsprechen. Aus Branchen, die nicht dekarbonisiert werden können, will die Deutsche Bank schrittweise aussteigen. Auch Kunden, bei denen keine Bereitschaft erkennbar ist, sich dem Transitionsplan der Bank anzuschließen, wolle man den Rücken kehren.
Die Strategie bezüglich der Finanzierung von Wohnimmobilien, die diesen Sommer vorgelegt wurde, ist ebenfalls im Transitionsplan enthalten. Neben der Finanzierung der Kunden verweist die Bank auch auf die Klimaziele zur Reduktion von Emissionen im eigenen Betrieb der Bank und der Lieferkette. Beim eigenen Betrieb zieht das Geldhaus die Ziele an: Der Energieverbrauch der Bank soll bis 2025 statt um 20 Prozent nun um 30 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken.
Einige Kennzahlen kommen bisher bei der Deutschen Bank noch nicht vor. Dazu zählen beispielsweise die CO2-Emissionen, die durch Anleihen entstehen. Das soll sich aber in Zukunft ändern, teilt die Bank mit.
Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.
