Starug versetzt Kölner Projektentwickler in Winterschlaf
Insolvenz abgewendet. Mithilfe des Starug wurde der Restrukturierungsplan der Immobilienprojektgesellschaft für das Kölner Cologneo-Quartier Cologneo II bereits im Erörterungs- und Abstimmungstermin Mitte April vom Amtsgericht Bremen bestätigt. Gegen den Widerspruch eines Großgläubigers wird das Projekt mit dem Beschluss nun drei Jahre lang pausiert.
Weil sich die Projektentwicklung verzögerte, war die Gesellschaft in eine existenzbedrohende Lage geraten. Zunächst überführte man die Gesellschafterstruktur in eine Sicherungs- und Verwertungstreuhand, doch laut Pressemeldung war dem Treuhänder die wirtschaftliche Umsetzung der Projektentwicklung aufgrund des gegenwärtigen Markumfeldes nicht möglich.
Um den Entwicklungswert der Grundstücke zu erhalten und späterhin eine Werterholung des Projektes zu ermöglichen, wurde das Unternehmen unter dem dreijährigen Moratorium in einen Winterschlaf versetzt, so die Mitteilung. Damit entgeht die Gesellschaft der Gefahr von Insolvenzgründen, Fälligkeiten oder zusätzlichen finanziellen Belastungen. Beraten wurde Cologneo II von einem Team um den Sanierungsexperten Gerrit Hölzle (Görg).
Galeria geht an US-Investor NRDC
Die insolvente Warenhauskette soll an ein Käufer-Konsortium um den US-Investor NRDC Equity Partners verkauft werden, zu dem auch der 73-jährige Unternehmer Bernd Beetz gehört. NRDC kennt Kaufhof bereits. Das Warenhaus gehörte einst zum Kaufhauskonzern Hudson‘s Bay Company, der wiederum zu NRDC gehört. Der Investor wurde von einem internationalen Team um die Restrukturierungsexpertin Britta Grauke (Weil Gotshal & Manges) beraten.
Die künftigen Eigentümer wollen nach dem Deal mehr als 70 der 92 Filialen weiterführen. Die Übertragung von Galeria Karstadt Kaufhof erfolgte durch einen Insolvenzplan, das Closing der Transaktion ist für den Sommer vorgesehen. Anfang Mai soll die Gläubigerversammlung über den Deal abstimmen.
Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus (BRL) wird die Führung von Galeria Karstadt Kaufhof dann Ende Juli an Beetz übergeben, der dann als Chairman im Unternehmen agieren wird. Der Vorstand rund um CEO Oliver Van den Bossche wird weiterhin an Bord bleiben.
Das Kadewe geht an die thailändische Central Group
Die Immobilie des Kaufhaus des Westens, das wie Galeria durch die Signa-Krise in Schieflage geraten ist, hat ebenfalls einen ausländischen Investor gefunden. Die thailändische Central Group, hinter der die Milliardärsfamilie Chirathivat steht, hat alle Anteile an dem Gebäude übernommen. Für das Kadewe soll die thailändische Gruppe über 1,2 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt haben. Damit liege der Preis deutlich unter der Summe, die die bisherige Eigentümerin Signa Prime Selection in den Büchern stehen hatte, berichtete die Wirtschaftswoche.
Mit dem Immobilienkauf steht zudem im Raum, dass der Investor bald die gesamte Kadewe Group übernehmen könnte. Zu der Gruppe gehört auch das Alsterhaus in Hamburg sowie das Münchener Warenhaus Oberpollinger. Die Central Group sei in Gesprächen mit dem Management. Roland Berger war für die Investorensuche beauftragt. Seit Januar befindet sich die KaDeWe Group in Insolvenz in Eigenverwaltung. Als vorläufiger Sachwalter wurde Christian Graf Brockdorff (BBL) bestellt. Als Generalbevollmächtiger agiert Stephan Strumpf (Finkenhof). Zudem hatte im März der Sanierer Josef Schultheis als Chief Restructuring Officer den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen.
Ausverkauf bei der Traumhaus AG
Die insolvente Traumhaus AG hat einen Käufer für einen Teil ihrer Vermögenswerte gefunden. Zum April hat das Saentis Family Office wesentliche Teile der Vermögenswerte der insolventen operativen Tochtergesellschaft Heinrich Hildmann Baugesellschaft für energieeffizientes Bauen übernommen. In Planung sei zudem die Übernahme von fünf Bauprojekten der Traumhaus AG durch das Family Office.
Das Multi Family Office investiert regelmäßig in Immobilien im Rhein-Main-Gebiet, wo auch die übernommenen Projekte der Traumhaus AG angesiedelt sind. Der Investor wird das Kernteam der Traumhaus AG sowie der Tochtergesellschaft weiterbeschäftigen. Der Anbieter für serielles Bauen wird von Philip Konen (Pluta) als Insolvenzverwalter beraten. Für die Heinrich Hildmann Gesellschaft wurde Stephan Laubereau (Pluta) zum Insolvenzverwalter bestellt. Für weitere sechs Bauprojekte sucht Konen weiterhin Einzellösungen.
Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren
Der Heilbronner Maschinenbauer Illig saniert sich künftig in Eigenverwaltung. Mit dem Verfahren setzt das Unternehmen den bereits begonnenen Eigenkapital- und Restrukturierungsprozess fort und wird von Sanierungsexperte Jochen Sedlitz (Grub Brugger) begleitet. Für die Kunden läuft der Betrieb normal weiter. Illig entwickelt und produziert leistungsstarke Maschinen und Werkzeuge für Verpackungen und Thermoformen. Die derzeitige konjunkturelle Lage habe das Unternehmen in Schieflage gebracht, heißt es in der Mitteilung. Bereits im vergangenen Jahr habe Illig daher einen Investorenprozess angestoßen, um die Wachstums- und Innovationsfinanzierung in den sich verändernden Märkten zu ermöglichen. Mehrere strategische Partner wie auch Finanzinvestoren haben Interesse bekundet und erste Angebote abgegeben, aber vor dem gesamtkonjunkturellen Hintergrund noch keine Vereinbarung geschlossen, so das Unternehmen. Daher muss der Investorenprozess nun durch Instrumente der gerichtlichen Sanierung unterstützt und im Rahmen des Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung fortgeführt werden.
Ein Bankenkonsortium hat dem Möbelhersteller Vivonio wieder Leben eingehaucht. Aufgrund geringer Nachfrage musste Vivonio seine Finanzen restrukturieren. In der Restrukturierung wurde zunächst die Finanzierungsstruktur stabilisiert und anschließend mit allen Stakeholdern eine Gesamtlösung zur operativen Neupositionierung des Unternehmens vereinbart. Das Konsortium wurde von einem Team um die Latham-&-Watkins-Partner Frank Grell und Jan Heuer beraten.
Das Wiesbadener Bauprojekt Viktoria-Viertel ist zahlungsunfähig. Das reißt auch den Immobilienentwickler Deutsche Invest Immobilien (DII) mit, der für den dazugehörigen Neubaufonds 14 einen Insolvenzantrag ankündigt. Das geht aus Handelsblatt-Informationen hervor. Auch der darüberstehende Fonds von 35 Millionen Euro sei nicht zu halten. „Insolvenzanträge für die vier weiteren Objektgesellschaften und die Fonds-Gesellschaft selbst folgen zeitnah“, so DII in einer Pressemitteilung. Der Fonds steckte bereits länger in der Krise. Laut Unternehmen haben die Corona-Jahre und das derzeitige Marktumfeld dazu geführt. Die Dachholding hatte bereits kurz vor Ostern Insolvenz angemeldet. Vorläufige Insolvenzverwalterin ist Romy Metzger (SGP Schneider Geiwitz & Partner).
Distressed M&A
Der Brillen-Onlinehändler Edel Optics ist im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens an die familiengeführten Optiker Rottler und Optiker Bode verkauft worden. Beide wollen mit dem Kauf ihre Onlinepräsenz verbessern. Im Februar 2024 musste Edel Optics in Hamburg einen Insolvenzantrag stellen, was unter anderem laut dem Unternehmen auf wirtschaftliche Schwierigkeiten durch aktuelle und vergangene Krisen sowie ein zurückhaltendes Konsumverhalten zurückzuführen war. Tjark Thies (Reimer) wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Edel Optics bestellt. Centuros hat im M&A-Prozess unterstützt.
Nur einen Monat nach dem Insolvenzantrag kann der Personaldienstleister Jobline unter einem neuen Eigentümer positiv in die Zukunft blicken. Zum April hat die Alpha Division Personalvermittlung aus Lippstadt den Geschäftsbetrieb von Insolvenzverwalter Tobias Hartwig (Schultze & Braun) erworben. Dem Verkauf muss noch die Gläubigerversammlung zustimmen.
Auch der insolvente Verkaufsfahrzeugbauer Seico hat neue Investoren gefunden. Eine Investorengruppe, bestehend aus Familienunternehmen, die seit mehreren Generationen selbst mobile Verkaufsfahrzeuge etwa auf Wochenmärkten betreiben, wird die Produktion mit verschlankten Strukturen übernehmen. Dazu werden 36 der aktuell 56 Beschäftigten übernommen. Seico hatte Anfang Februar 2024 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Daraufhin hatte das Gericht Hans-Joachim Berner (Willmerköster) zum vorläufigen Insolvenzverwalter für das Unternehmen bestellt.
Die Finnen haben zugeschlagen. Zum April wurde das Bremer Kranunternehmen Kocks Kranbau nach einem mehrmonatigen M&A-Prozess an das finnische Kranunternehmen Konecranes verkauft. Anfang 2023 ist Kocks Kranbau aus der insolventen Kocks-Adel-Kranbau überführt worden und agiert seither unabhängig von der insolventen Mutter am Markt. Als Insolvenzverwalter war Christian Graf Brockdorff (BBL) bestellt, der für den Verkaufsprozess Deloitte und Centuros beauftragt hatte. Zwei der drei Standorte können durch den fortbestehen. Der dritte Standort wurde bereits im August 2023 an Ardelt Kranbau verkauft.
Das Rhein-Main-Gebiet behält seinen regionalen TV-Sender. Der seit Januar insolvente Fernsehsender Rhein-Main-TV wurde von Insolvenzverwalter Andreas Kleinschmidt (White & Case) an Rheinmain Media verkauft. Der Deal sicherte nicht nur den Sendebetrieb, sondern zudem alle Arbeitsplätze.
Der Photovoltaik-Hersteller Eigensonne hat vier Monate nach Eröffnung seines Insolvenzverfahrens einen neuen Eigentümer gefunden. Im Rahmen eines Asset-Deals hat Insolvenzverwalter Florian Linkert (BBL) Eigensonne an das Berliner Unternehmen Amia Energy verkauft. Die Berliner haben den Geschäftsbetrieb sowie alle rund 240 Beschäftigte übernommen. Auch der Gläubigerausschuss hat der Transaktion bereits zugestimmt.
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Die neuesten Restrukturierer-Personalien
Die Restrukturierungs- und Transaktionsberatung Eight Advisory erweitert seine Beratung in Transaction Services und Valuation: Neuer Partner wird Dirk Spalthoff. Er kommt von WTS Advisory, wo er als Mitglied des Vorstandes den Bereich Deal Advisory leitete und federführend am Wachstum der CFO– und M&A-Services des Beratungshauses beteiligt war. Spalthoff bringt zudem zehn Jahre Berufserfahrung bei EY mit, zuerst als Wirtschaftsprüfer und später als Leiter des Valuation-Teams am Standort Hamburg. Er soll den Ausbau der Transaktions- und Valuation-Aktivitäten in der DACH-Region vorantreiben und dabei schwerpunktmäßig in Frankfurt tätig sein. Spalthoff stößt zu einem Team von rund 40 Expertinnen und Experten, darunter sechs Partner, an den Standorten in Frankfurt, München und Zürich, die für Unternehmens- und Private Equity-Kunden tätig sind.
Der Mittelstandsberater Pluta Management reagiert auf den kriselnden Immobilienmarkt und wächst am Hamburger Standort mit dem Immobilienspezialisten Sascha Witt. Er wird für die Einheit als Head of Real Estate tätig sein. Künftig soll er den Bereich Real Estate weiter ausbauen und Immobilienunternehmen frühzeitig bei der Sanierung unterstützen, auch bei Non-Performing Loans. Witt kommt von der Commerz Real, wo er zuletzt als Head of Real Estate Asset Management Institutional tätig war. Er begann seine Karriere einst bei Arthur Andersen (später EY) und bringt über 25 Jahre Erfahrung in der Immobilienwirtschaft mit.
Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
