Nach acht Jahren getrennte Wege: Seit Oktober 2016 ist Pierre Kemula CFO des Biotech-Unternehmens Curevac. Nun neigt sich seine Zeit bei dem Unternehmen dem Ende zu. Kemula wird Curevac nach Ablauf seiner Amtszeit zum 31. Oktober 2024 verlassen, wie das Tübinger Unternehmen mitteilte. Wie das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage mitteilte, wechselt Kemula nach Belgien, wo er zum 1. November neuer CFO des Biotechunternehmens Agomab wird.
Wer bei Curevac auf ihn folgen wird, ist bislang nicht bekannt. Die Suche nach einem neuen CFO sei jedoch bereits im Gange, heißt es in der Mitteilung. Zudem sei ein „Übergangsplan“ erstellt worden – wie genau dieser aussieht, teilte Curevac auf FINANCE-Anfrage allerdings nicht mit.
Kemula begleitete IPO von Curevac
Für Curevac wird nun eine Ära enden: Die vergangenen acht Jahre hat Kemula das Unternehmen durch Höhen und Tiefen begleitet. So führte er die Tübinger durch die Corona-Pandemie, die den Konzern auf eine Erfolgswelle brachte. In kürzester Zeit sammelte der Manager hohe Summen an frischem Kapital ein, um das Wachstum zu finanzieren. So füllte er die Konzernkasse allein im Corona-Jahr 2020 um mehr als 640 Millionen Euro auf.
Während seiner Amtszeit hat Kemula außerdem den Börsengang des einstigen Corona-Profiteurs im August 2020 an die New Yorker Nasdaq begleitet, was dem Unternehmen weitere 13 Millionen US-Dollar einbrachte. „Herr Kemulas Ausscheiden markiert das Ende eines bemerkenswerten Kapitels für ihn bei Curevac“, heißt es zu seinem Abgang. „Das Unternehmen dankt ihm von ganzem Herzen und wünscht ihm für seine nächsten Schritte alles Gute.“
Curevac schreibt rote Zahlen
Seit dem Ende der Coronakrise ist der Hype rund um Curevac jedoch wieder abgeflacht. Parallel streitet sich das Unternehmen aufgrund von Patenten mit dem Konkurrenten Biontech vor Gericht und musste dort Ende vergangenen Jahres einen herben Rückschlag einstecken.
Den baldigen Weggang des CFO gab das Biotechunternehmen gemeinsam mit den Zahlen für das erste Halbjahr 2024 bekannt. Diese lösen gemischte Gefühle aus: Zwar stiegen die Umsatzerlöse um stolze 82 Prozent auf 26,8 Millionen Euro, doch unter dem Strich steht nach den ersten sechs Monaten des Jahres ein operativer Verlust in Höhe von knapp 147 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum fiel der operative Verlust mit 132 Millionen Euro noch etwas geringer aus. Das Cash-Polster schmolz innerhalb eines halben Jahres um fast die Hälfte auf knapp 203 Millionen Euro ab.
Curevac will knapp ein Drittel des Personals abbauen
Um die „Effizienz und Leistung zu steigern und gleichzeitig Ressourcen auf hochwertige mRNA-Projekte […] zu konzentrieren“, hat Curevac eine Restrukturierung eingeleitet, die das Unternehmen „transformative strategische Umstrukturierung“ nennt.
Dabei wollen die Tübinger bis Ende dieses Jahres 30 Prozent des Personals abbauen. Von dieser Maßnahme erhofft sich Curevac eine Reduktion der Betriebskosten um mehr als 30 Prozent – und das schon ab dem kommenden Jahr. Pro Jahr sollen die Personalkosten um 25 Millionen Euro sinken. Dafür nimmt Curevac einmalig rund 15 Millionen Euro für Abfindungen, Sozialleistungen und weitere Aufwendungen in die Hand. Diese Kosten sollen im zweiten Halbjahr 2024 anfallen.
Hoffnungsbringer ist eine Lizenzvereinbarung mit dem britischen Pharmakonzern GSK, deren Wert Curevac auf bis zu 1,45 Milliarden Euro plus Lizenzgebühren taxiert. 400 Millionen Euro haben die Tübinger davon jedoch erst als Vorauszahlung erhalten.
Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling, Gehalt und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.
