Commerzbank-Deal, kriselnde Autozulieferer und Structured FINANCE

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Viele CFOs und Treasurer schauen noch skeptisch auf eine mögliche Commerzbank-Übernahme. Foto: picture alliance / Daniel Kubirski
Viele CFOs und Treasurer schauen noch skeptisch auf eine mögliche Commerzbank-Übernahme. Foto: picture alliance / Daniel Kubirski

Sie ist das heißeste Eisen derzeit im deutschen Bankenmarkt: die mögliche Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit. Im September haben die Italiener bekanntgegeben, dass sie bereits 9 Prozent der gelben Bank halten. Wenig später stockte die Bank sogar auf 21 Prozent auf.

Seither passierte zwar nicht mehr viel, denn eine Entscheidung der EZB zu weiteren Anteilskäufen steht aus. Doch man hatte Zeit, sich mit der neuen Lage zu beschäftigen. Wie schauen also Finanzentscheider auf die potenzielle Übernahme? Dafür haben wir mit F.A.Z. Business Media | research eine Umfrage aufgesetzt, an der sich rund 170 CFOs und Treasurer beteiligt haben.

Das kurze Fazit: Momentan überwiegt (noch) die Skepsis. Die Finanzentscheider, speziell diejenigen, die direkt betroffen sind, fürchten weniger Kredit und schlechtere Finanzierungskonditionen. Auch die Integration und der Service werden in Frage gestellt. Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie in der Titelgeschichte des neuen FINANCE-Magazins, das heute schon als E-Paper erhältlich ist.

ING mit rekordverdächtig hohen Einlagen

Deutlich weniger im Fokus als die Commerzbank steht derzeit die ING. Aber auch die orange Bank ist nicht untätig, dort wechselte zuletzt das Management. Auch CFO Nurten Erdogan ist noch relativ neu an Bord. Sie war zuvor unter anderem für die Deutsche Bank, Commerzbank und Société Générale tätig. Bei ING ist sie als Finanzchefin in einer komfortablen Situation. „Im Privatkundengeschäft haben wir allein mit bestehenden Kunden bis August rund 12 Milliarden Euro an neuen Einlagen gewonnen, was uns eine komfortable Loan-to-Deposit-Ratio beschert“, sagt die Finanzchefin im Interview in der neusten FINANCE-Ausgabe. „Zudem sind wir aktuell begehrt auf dem Pfandbriefmarkt, wo unsere Emissionen in diesem und im vergangenen Jahr deutlich überzeichnet waren.“ Mit der Bank ist also weiter im Firmenkundengeschäft zu rechnen.

Dort sind die Konditionen für Unternehmen zwar allgemein gut. Allerdings gibt es auch immer wieder welche, die unter zu hoher Verschuldung und Zinslast leiden. Dass Baywa und Co. keine Einzelfälle mehr sind, zeigt das aktuelle Restrukturierungsbarometer, das im Schwerpunkt Restrukturierung erschienen ist. Bei der aktuellen Befragung von Finanzierungsspezialisten aus den Intensive-Care-Units von Banken und Kreditversicherungen zeigt sich, dass eine Branche besonders im Fokus steht: der Fahrzeugbau und seine Zulieferer.

Automobilzulieferer in der Bredouille

Speziell über die angespannte Finanzsituation zahlreicher Automobilzulieferer berichtet unser Schwerpunkt Restrukturierung. Eine ausführliche Analyse zeigt, wie gefährlich niedrig die Margen einzelner Zulieferer sind. In einigen Fällen kommt gleichzeitig noch eine hohe Verschuldung dazu – eine explosive Mischung. Kein Wunder, dass der ein oder andere Autozulieferer momentan seinen Finanzvorstand austauscht, etwa der Coburger Konzern Brose, wie FINANCE kürzlich schon online vorab vermeldete.

Für viele Unternehmen sind die Herausforderungen jetzt sehr groß. So meldete der Zulieferer WKW im September nach einem geplatzten Rettungs-Deal Insolvenz an. Das Traditionsunternehmen aus Wuppertal mit über 3.800 Mitarbeitern beliefert unter anderem VW und BMW. WKW dürfte kein Einzelfall bleiben. Laut Alexander Timmer, Partner bei der Beratung Berylls by Alix Partners, könnten noch mehr Unternehmen die Reißleine ziehen. „Wir sehen circa 30 Prozent der Zulieferer derzeit in einer insolvenzbedrohlichen Situation.“ Die Beratung erstellt jährlich ein am Umsatz gemessenes Ranking der europäischen Top-100-Zulieferer.

Diskussionen auf der Structured FINANCE

Damit es nicht zu einer existenzbedrohenden Finanzierungskrise kommt, sind die richtigen Finanzierungsansätze wichtig. Ende November diskutieren darüber wieder zahlreiche Finanzverantwortliche, Banker und Berater auf der Structured FINANCE in Stuttgart. Einen ausführlichen Vorgeschmack darauf gibt schon die gleichnamige Sonderbeilage im neuen FINANCE-Magazin.

Auf über 80 Seiten erklären Experten State-of-the-Art-Ansätze für modernes Finanzmanagement. Von klassischen Kreditfinanzierungen über den Kapitalmarkt bis hin zu Treasury-Ansätzen und dem richtigen Pensionsmanagement.

Info

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach seinem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut wechselte er zur F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von FINANCE und DerTreasurer. Für seine journalistische Arbeit, insbesondere zu Private Equity und M&A, wurde er mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.