Newsletter

Abonnements

M&A-Deals: Novartis, Tipico, Axel Springer

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Novartis übernimmt Avidity Biosciences, um auf wegbrechende Umsätze aufgrund von auslaufenden Patenten zu reagieren. Foto: Taljat - stock.adobe.com
Novartis übernimmt Avidity Biosciences, um auf wegbrechende Umsätze aufgrund von auslaufenden Patenten zu reagieren. Foto: Taljat - stock.adobe.com

Novartis fädelt Milliarden-Deal ein

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis plant eine Großübernahme in den USA, um zukünftige Wachstumsschwächen zu vermeiden. Für 12 Milliarden US-Dollar übernimmt das Unternehmen die kalifornische Biotechnologiefirma Avidity Biosciences. In den nächsten Jahren laufen wichtige Patente bei Novartis aus, die Übernahme der US-Firma könnte daher wegbrechende Umsätze abfedern.

Avidity hat derzeit keine marktreifen Medikamente. Dennoch erwartet Novartis, dass bis 2030 drei Medikamente aus Aviditys Pipeline zugelassen werden, von denen zwei Milliardenumsätze generieren könnten.

Sportwettenanbieter Tipico wird französisch

Deutschlands größter Sportwettenanbieter wechselt den Besitzer. Der französische Entertainment-Konzern Banijay erwirbt Tipico von der Private-Equity-Gesellschaft CVC für einen Unternehmenswert von 4,6 Milliarden Euro. Tipico hat 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro erzielt. Mit dieser Übernahme plant Banijay, seine Position im Sportwetten- und Online-Glücksspielmarkt zu stärken, indem es Tipico mit seinem bestehenden Anbieter Betclic kombiniert. Gemeinsam würden sie zum viertgrößten europäischen Anbieter in diesem Bereich aufsteigen.

Nach der Fusion wird Banijay zunächst knapp 65 Prozent des neuen Unternehmens besitzen, mit dem Ziel, diesen Anteil auf mindestens 72 Prozent zu erhöhen. CVC bleibt als Minderheitsanteilseigner beteiligt, genauso wie die Gründer von Tipico. Im gleichen Zug plant Banijay, die Anteile am deutschen Wettanbieter Bet-at-Home zu verkaufen.

Tipico selbst hat erst vor Kurzem die Übernahme der Admiralgruppe abgeschlossen. Diese gehört zu den größten Sportwetten- und Glücksspielanbietern in Österreich. Latham & Watkins agierte beratend aufseiten des gesamten Verkäuferkonsortiums, während Weil die Tipico-Gründer in einzelnen Themen beriet.

Axel Springer fokussiert Portfolio

Axel Springer verkauft Axel Springer Corporate Solutions (ASCS) an Vogel Communications und setzt die Portfoliofokussierung fort. ASCS ist auf die Entwicklung und Umsetzung von Kommunikationslösungen für Unternehmen spezialisiert, wurde 2018 aus dem Konzern ausgegliedert und beschäftigt rund 120 Mitarbeiter.

Mit der Übernahme durch Vogel Communications wird eine der größten Content-Marketing-Agenturen in Deutschland entstehen. Ziel ist es zudem, die Kompetenzen im Bereich Content-Marketing und digitale Kommunikationslösungen zu erweitern und die Marktposition im B2B-Sektor zu stärken. Die bisherigen ASCS-Manager werden 24,9 Prozent der Geschäftsanteile an der neuen Einheit halten.

Weitere M&A-Deals

Copeland übernimmt den Anbieter von Wärmepumpen SPH Sustainable Process Heat. Copeland selbst ist auf die Entwicklung, Herstellung und Wartung von Wärmepumpen für industrielle Dampfanwendungen spezialisiert. Der bisherige Mehrheitseigner, die Spirax Group, hält weiterhin eine Minderheitsbeteiligung an SHP. Die Kanzlei Baker McKenzie beriet Copeland bei der Transaktion.

Majelan X hat Gestigon erworben, ein Unternehmen, das sich auf Gesten- und Emotionserkennung im Automobilbereich spezialisiert hat. Diese Akquisition soll ein weiterer Schritt in der Entwicklung des sogenannten Emotional Cockpits von Majelan sein. Dieses soll Fahrzeuge in personalisierte, interaktive Erlebnisse verwandeln. Gestigon bringt Expertise in 3D-Bildverarbeitung und Sensorfusion ein, um die Mensch-Maschine-Interaktion weiter zu verbessern. Grant Thornton beriet Gestigon während des Übernahmeprozesses.

Das deutsche Software-Unternehmen Foxtag wird Teil des norwegischen Unternehmens Asolvi. Foxtag bietet digitale Lösungen für Instandhaltung und Störungsmanagement im Brandschutz- und Sicherheitstechnik-Sektor. Asolvi mit Sitz in Trondheim ist ein Anbieter von Field Service Management Software in Europa. Mayer Brown beriet Asolvi bei der Transaktion.

MSA Safety, ein führender Anbieter von Sicherheitslösungen, hat die M&C Tech Group aus Ratingen übernommen. M&C ist spezialisiert auf Gasanalysesysteme für Branchen wie Energie und Chemie. Mit der Übernahme im Wert von rund 200 Millionen US-Dollar (rund 172,2 Millionen Euro) will das US-Unternehmen sein Angebot im Bereich Gasdetektion erweitern und das Wachstum von M&C durch seine globale Präsenz beschleunigen. BDO erstellte ein Financial Fact Book und beriet bei betriebswirtschaftlichen Fragen.

Blick in den M&A-Markt

Morgan Stanley hat sich in den ersten drei Quartalen 2025 als führender M&A-Finanzberater im Konsumgütersektor nach Transaktionsvolumen etabliert. Dies geht aus der aktuellen Financial Advisers League Table von Globaldata hervor. Laut der Analyse der Financial Deals Database des Daten- und Analyseunternehmens betreute Morgan Stanley Deals im Wert von 26,345 Milliarden Euro. Ausschlaggebend für die Spitzenposition war insbesondere die Beteiligung an der rund 17,216 Milliarden Euro schweren Übernahme von JDE Peet’s durch Keurig Dr Pepper. Die Bank of America folgt mit 24,5 Milliarden Euro auf Platz zwei, gefolgt von Lazard (23,931 Milliarden Euro), JP Morgan (9,55 Milliarden Euro) und Goldman Sachs (9,3 Milliarden Euro).

Auf der rechtlichen Beratungsseite dominierte Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom das Ranking nach Transaktionsvolumen. Laut der Legal Advisers League Table von Globaldata betreute die Kanzlei Deals im Wert von 26,77 Milliarden Euro und verbesserte sich damit gegenüber der dritten Position im Vorjahreszeitraum auf den ersten Platz. Die Kanzlei beriet in den ersten drei Quartalen 2025 fünf Milliarden-US-Dollar-Deals, darunter einen Mega-Deal über mehr als 20 Milliarden Dollar (rund 17,218 Milliarden Euro). A&O Shearman (20,231 Milliarden Euro), Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison (19,887 Milliarden Euro), Stibbe (19,887 Milliarden Dollar) und Davis Polk & Wardwell (12,225 Milliarden Euro) belegen die folgenden Plätze nach Volumen.

M&A-Gerüchteküche

SAP zieht einen neuen Anlauf zur Übernahme von Blackline in Betracht, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Der Finanzsoftware-Anbieter hatte ein erstes Angebot von fast 4,5 Milliarden US-Dollar (rund 3,875 Milliarden Euro) im Juli abgelehnt. SAP bot damals 66 Dollar je Aktie. Die mögliche Transaktion wurde von SAP als logische Ergänzung der bestehenden Partnerschaft beschrieben, da SAP die Blackline-Software an seine Kunden verkauft. Der Walldorfer Konzern soll jedoch noch keine Entscheidung über eine erneute Offerte getroffen haben.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

Themen