Der kriselnde Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert hat Probleme in seiner Lieferkette: Wegen „kurzfristig angekündigter Lieferverschiebungen eines wesentlichen Chassis-Lieferanten“ müsse man seinen Produktionsplan bis Ende des Jahres anpassen, teilte das Unternehmen gestern Nachmittag bei der Vorlage der Quartalszahlen mit. Möglich seien zwischenzeitliche Produktionsstopps und Produktionsverschiebungen ins Jahr 2026.
Derzeit prüfe der Vorstand um CFO Radim Sevcik, wie stark sich die Produktionsverzögerungen auf die finanziellen Kennzahlen auswirken werden, teilte Knaus Tabbert mit. „Auf Basis der aktuellen Annahmen“, so heißt es, solle die bereinigte Ebitda-Marge im Geschäftsjahr 2025 am unteren Ende der Prognose von 3,2 Prozent bis 4,2 Prozent liegen.
Diese Prognose war erst im September von 5,0 Prozent bis 5,5 Prozent nach unten korrigiert worden – wegen des hohen Wettbewerbs und der Rabattierungen, die Knaus Tabbert anbietet, um den Verkauf seiner Fahrzeuge anzukurbeln. Der Umsatz soll weiterhin bei rund 1 Milliarde Euro liegen.
Produktionsstopps drücken Umsatz von Knaus Tabbert
Nach den ersten neun Monaten lag der Konzernumsatz bei 761,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 897,2 Millionen Euro gewesen. Den Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum erklärt Knaus Tabbert mit den vorherigen Produktionsunterbrechungen und geringeren Auslieferungsmengen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) lag bei 19,8 Millionen Euro, ebenfalls ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr (42,9 Millionen Euro). Die bereinigte Ebitda-Marge lag nur bei mageren 2,6 Prozent.
Knaus Tabbert arbeitet im Zuge seiner laufenden Restrukturierung weiter daran, seine Bestände zu reduzieren und das Produktportfolio anzupassen. Auch Kostensenkungen stehen unverändert auf der Agenda von CFO Sevcik.
Knaus Tabbert einigt sich mit Konsortialbanken
Der kriselnde Wohnmobilhersteller hatte zuletzt deutlich Personal abgebaut und sich in diesem Frühjahr mit seinen Konsortialbanken auch auf eine Anpassung der Kreditbedingungen geeinigt. Die Vereinbarung beinhaltet eine Anpassung der Financial Covenants über die Restlaufzeit des Kredits bis Juni 2027. Das Unternehmen darf zudem ohne Genehmigung der Konsortialbanken keine Dividenden oder ähnliche Ausschüttungen an seine Aktionäre zahlen.
Knaus Tabbert hatte den fraglichen Konsortialkredit in Höhe von 250 Millionen Euro erst im Juni 2024 mit der Commerzbank, NordLB und der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich abgeschlossen. Doch schon im Bericht zum dritten Quartal 2024 musste der Wohnmobilhersteller einräumen, die Financial Covenants gerissen zu haben.
Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.
