SAP kauft KI-Unternehmen Dremio
SAP setzt weiter auf Künstliche Intelligenz und will Dremio übernehmen. Das US-Unternehmen liefert eine Datenplattform, die Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen zusammenführen und für Analytik sowie KI nutzbar machen soll.
SAP will Dremio in die Business Data Cloud einbauen und damit die Anbindung von Daten aus SAP- und Fremdsystemen vereinfachen. Ziel ist, Analysen und KI-Anwendungen schneller auf eine einheitliche Datengrundlage zu bringen, ohne für jede neue Quelle separate Integrationsstrecken aufzusetzen.
Der Deal passt dabei in SAPs Kurs, das Datenangebot als Grundlage für KI-Funktionen auszubauen. Dremio bringt Erfahrung in der Entwicklung und Nutzung von Open-Source-Komponenten mit, die SAP nach eigenen Angaben weiter unterstützen will.
Fresenios beteiligt sich an Avelios Medical
Ein weiterer Deal, bei dem SAP eine Rolle spielt: Fresenius investiert gemeinsam mit SAP in Avelios Medical. Das Startup entwickelt ein cloud-natives Krankenhausinformationssystem. Die Parteien nennen weder die Höhe der Beteiligung noch eine Bewertung.
Mit dem Einstieg schiebt Fresenius die im Januar angekündigte Partnerschaft mit SAP an. Beide Partner wollen ein offenes, interoperables und KI-gestütztes digitales Gesundheitsökosystem für Deutschland und Europa aufbauen. Avelios soll als Baustein dienen, um klinische und administrative Prozesse in Krankenhäusern durchgängig zu digitalisieren. Für Fresenius ist das auch eine Investition in Infrastruktur. Das Unternehmen will seine klinische Praxis, vor allem über Fresenius Helios, enger mit der Produktentwicklung verzahnen und so die Skalierung in den Krankenhausmarkt beschleunigen.
Strategisch positioniert sich Fresenius damit stärker als Mitgestalter der digitalen Krankenhaus-IT. Der Konzern setzt auf mehr Datenkonsistenz und bessere Anbindung von Anwendungen. Damit kann Fresenius die Einführung von KI-Use-Cases in der Versorgung pragmatischer vorantreiben, ohne sich auf proprietäre Insellösungen festzulegen. Einen Zeitplan für Closing oder operative Umsetzung nennt Fresenius nicht. Die Kanzlei Freshfields berät Fresenius bei dem Deal.
Bayer kauft US-Biotech Perfuse
Bayer greift in den USA zu und verstärkt sein Geschäft in der Augenheilkunde. Der Pharma- und Agrarkonzern übernimmt das Biotechunternehmen Perfuse Therapeutics für bis zu 2,45 Milliarden Dollar (rund 2 Milliarden Euro). 300 Millionen Dollar (rund 254,9 Millionen Euro) zahlt Bayer vorab. Bis zu 2,15 Milliarden Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) sind als Meilensteinzahlungen an Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatzziele gekoppelt. Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben sowie der Zustimmung der Perfuse-Aktionäre.
Mit dem Zukauf sichert sich Bayer die weltweiten Rechte an PER-001, einem Wirkstoffkandidaten in Phase II. Perfuse entwickelt PER-001 zur Behandlung von Glaukom sowie diabetischer Retinopathie. Das Produkt wird als sich selbst auflösendes Implantat in den Glaskörper eingebracht und soll direkt in den Krankheitsverlauf eingreifen.
Strategisch adressiert Bayer zwei Punkte: Zugang zu einem großen Markt mit hohem medizinischen Bedarf und Pipeline-Nachschub in einem Segment, das Erlösdruck bekommt. Eylea, bisher das wichtigste Augenheilkundepräparat im Konzern, erzielte 2025 rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz, verlor aber 2025 den Patentschutz. PER-001 soll die Pipeline verbreitern und die Position in der Augenheilkunde nach der Patentklippe stabilisieren.
Weitere M&A-Deals
Sanha übernimmt BTE Biegetechnik Engineering und stärkt damit seine Fertigungstiefe in der mechanischen Rohrverarbeitung. Das 1995 gegründete Familienunternehmen aus Ilshofen produziert hochspezialisierte Rohrbiege- und Umformprodukte für Industriekunden, unter anderem aus Medizintechnik, Lüftungstechnologie, Landwirtschaft und Großfahrzeugbau. BTE beschäftigt rund 125 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2025 bei rund 21 Millionen Euro. Görg beriet BTE Biegetechnik Engineering bei dem Deal.
Cataneo bekommt mit Brand Engagement Network einen neuen Eigentümer. Der in der Nasdaq notierte KI-Anbieter hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Münchner Softwarehauses unterzeichnet. Der Transaktionswert liegt bei rund 19,5 Millionen Dollar (rund 16,5 Millionen Euro). Bezahlt wird mit Cash und Aktien des Käufers. Cataneo liefert Software für Medien- und Werbeinfrastruktur. Seine Plattform „Mydas“ unterstützt unter anderem Anzeigenverkauf, Sendeplanung, Traffic-Management und Monetarisierung. Für Cataneo bedeutet der Deal den Anschluss an einen KI-getriebenen Käufer mit Kapitalmarktzugang. Die Aktionäre von Cataneo beriet Dr. Kleeberg & Partner. Brand Engagement Network ließ sich von Walberg beraten.
Die Scholz Gruppe ist künftig in französischer Hand. Der französische Entsorger Derichebourg übernimmt das deutsche Recycling-Unternehmen. Für Scholz ist der Deal der Schritt aus einer Übergangsphase: Im August 2025 hatte ein internationaler Kreditgeber des bisherigen Eigentümers Sicherheiten in Form von Anteilen an den Holdinggesellschaften der Scholz Gruppe verwertet und damit faktisch die Kontrolle über diese Anteile übernommen. Anschließend setzte der Kreditgeber Treuhänder als Receiver und Manager ein, die die Beteiligung verwalten und einen geordneten Verkaufsprozess steuern sollten. Dieser Prozess startete im vierten Quartal 2025 und führte nun zur Vereinbarung mit Derichebourg.
Blick in den M&A-Markt
Der deutschsprachige Tech-M&A-Markt bleibt 2025 robust, aber Käufer bündeln ihre Munition. Laut dem EY-Paper „Decoding the German Technology Sector 2025“ zählte der deutsche Tech-Sektor 375 M&A-Deals, im Vorjahr waren es noch 387. Der offengelegte Dealwert stieg zugleich auf 18,5 Milliarden Dollar (rund 15,7 Milliarden Euro), nach 14,5 Milliarden Dollar (rund 12,3 Milliarden Euro) im Jahr 2024. Größte veröffentlichte Transaktion war der Kauf von Northern Data durch Rumble mit 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,4 Milliarden Dollar). Daraus leitet EY folgenden Trend ab: weniger Fokus auf Masse, mehr Gewicht auf große, ausgewiesene Transaktionen, während die Dealanzahl stabil bleibt.
Dabei dominieren Strategen das Dealumfeld. Sie standen 2025 für mehr als 80 Prozent der Dealaktivität. Software bleibt die zentrale Zielkategorie mit 61 Prozent der Transaktionen, IT-Services folgen mit 21 Prozent. In beiden Segmenten zieht sich ein roter Faden durch die Zahlen: Käufer suchen wiederkehrende Umsätze, Integrationstiefe und Skalierbarkeit, oft in Nischen wie Security, Dateninfrastruktur oder branchenspezifischer Software.
Deals in Verhandlung
Ottobock treibt den Verkauf seines Rollstuhlgeschäfts voran, wie die „Börsenzeitung“ berichtet. Mit dem Schritt will Ottobock margenschwächere Randaktivitäten abgeben und sich stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren. Vorstandschef Oliver Jakobi sagte in einer Telefonkonferenz zu den Zahlen für das erste Quartal 2026, das Unternehmen befinde sich in letzten, konkreten Investorengesprächen. Eine Vereinbarung sei laut Finanzchef Arne Kreitz noch im Verlauf der ersten Jahreshälfte möglich. Die Ausgliederung des Geschäfts soll dann in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Die Sparte setzt rund 80 Millionen Euro im Jahr um. Rund 250 Beschäftigte am Standort Königsee in Thüringen sollen mit an den neuen Eigentümer übergehen.
M&A-Gerüchteküche
Heidelberg Materials prüft laut „Bloomberg“ einen möglichen Zukauf in Südafrika. Wie die Nachrichtenagentur unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, spricht der Konzern mit Banken über die Mandatierung von Finanzberatern für ein mögliches Angebot an den Zementhersteller Pretoria Portland Cement. Ob Heidelberg Materials eine Offerte abgibt, sei noch offen, die Gespräche befänden sich demnach in einem frühen Stadium. Mit PPC würde Heidelberg Materials seine Präsenz in Afrika ausbauen. PPC ist in Südafrika, Simbabwe, Ruanda und Botswana aktiv und wird an der Börse laut „Bloomberg“ mit rund 9,4 Milliarden Rand (rund 437 Millionen Euro) bewertet, umgerechnet etwa 563 Millionen Dollar (rund 478,4 Millionen Euro). Das Ebitda sei 2025 um rund 28 Prozent gestiegen.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
