Strategie gegen Unicredit: Commerzbank setzt auf Effizienz 

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Die Commerzbank tritt den Übernahmeplänen von Unicredit mit ihrer eigenen Strategie bis 2030 entgegen. Foto: Anselm - stock.adobe.com
Die Commerzbank tritt den Übernahmeplänen von Unicredit mit ihrer eigenen Strategie bis 2030 entgegen. Foto: Anselm - stock.adobe.com

Mitten in der Abwehr des Übernahmeangebots von Unicredit hat die Commerzbank ihre Strategie fortgeschrieben und aktualisiert. Ihr Nettoergebnis plant sie, bis 2030 auf 5,9 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln, 2025 lag es noch bei 2,6 Milliarden Euro. Teil der neuen Strategie „Momentum 2030“ ist auch der Abbau von weiteren 3.000 Stellen über „Altersprogramme, natürliche Fluktuation und Demografie“, teilte die Bank am Freitagmorgen mit. Eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat bestehe dazu bereits.

Der Abbau betrifft voraussichtlich die Jahre 2029 und 2030, erläuterte CEO Bettina Orlopp in der Telefonkonferenz mit Analysten. Die Kosten für die Personalmaßnahmen bezifferte sie auf rund 450 Millionen Euro, in den Prognosen im Rahmen der Strategie seien diese bereits enthalten. Teil des Vorgehens sei es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in neue Rollen innerhalb der Bank zu überführen.

Zum Kern des Plans der Frankfurter Großbank gehört auch, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag deutlich sinken soll und 2030 nur mehr 43 Prozent beträgt. Das sind 14 Prozentpunkte weniger als die Bank für 2025 meldete, ein erheblicher Einschnitt bei den Kosten also. Gleichzeitig sollen die Erträge in den kommenden Jahren um durchschnittlich 6 Prozent steigen. 

Commerzbank will Auslandsgeschäft ausbauen 

Im Firmenkundengeschäft setzt die Commerzbank mit ihrer neuen Strategie unverändert auf das Geschäft mit deutschen Kunden und will das Auslandsgeschäft ausbauen.  „Das Firmenkundensegment strebt an, im deutschen Heimatmarkt weitere Marktanteile zu gewinnen“, schreibt die Bank in ihrem Quartalsupdate zur Strategie: „Vor dem Hintergrund der sich geografisch diversifizierenden deutschen Wirtschaft“ plane sie, das internationale Geschäft gezielt auszubauen. Zudem sieht die Strategie bis 2030 vor, den Kapitaleinsatz im Unternehmenssegment kontinuierlich zu verbessern. 

2025 beliefen sich die Erträge des Auslandsgeschäfts auf rund 1,8 Milliarden Euro, bis auf 100 Millionen Euro sämtlich mit Bezug zu Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im internationalen Netzwerk beschäftigt die Commerzbank rund 4 Prozent ihrer Mitarbeitenden, also grob 1.600 Stellen auf Vollzeitbasis.

Budget für Künstliche Intelligenz eingeplant

Auch Künstliche Intelligenz (KI) will die Bank in dem Bereich verstärkt einsetzen, wie auch im Segment der Privat- und kleinen Geschäftskunden (PSBC). Dazu sind zwischen 2026 und 2030 Investitionen in KI von rund 600 Millionen Euro vorgesehen. In den vergangenen fünf Jahren gab die Bank rund 3 Milliarden Euro für den Um- und Ausbau ihrer Technologie und KI aus.

Ab 2030 erwartet das Management, dass die KI-Initiativen „einen Wertbeitrag von rund 500 Millionen Euro pro Jahr“ bringen. Außerdem sieht die Bank vor, Mitarbeitende stärker in der Kundenberatung einzusetzen, da KI rund 10 Prozent an Kapazitäten freisetze.  

Als Beispiele nannte die Commerzbank „Hawk AI“, ein KI-Modell, das „große Datenmengen analysiert, um Geldwäsche und Finanzkriminalität präziser zu erkennen“, und ein Tool zur KI-gestützten Auswertung von Geschäftsberichten in der Kreditanalyse.

Das erste Quartal beschrieb Orlopp als einen „exzellenten Start in das Jahr“. Von Januar bis März erzielte die Commerzbank Erträge von gut 3,2 Milliarden Euro, ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Firmenkundengeschäft stiegen die Erträge ebenfalls leicht auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Insbesondere die Provisionen fielen um 7,7 Prozent höher aus und beliefen sich auf 377 Millionen Euro. Das operative Ergebnis im Firmenkundengeschäft konnte damit allerdings nicht mithalten. Es fiel um knapp 6 Prozent auf 567 Millionen Euro.

Stellungnahme zu Unicredit-Offerte kommt 

Orlopp zeigte sich zudem offen für Gespräche mit Unicredit, von denen es in den vergangenen 20 Monaten schon zehn gegeben habe. Es habe sich aber gezeigt, dass es „grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen über das Geschäftsmodell“ gebe. Unicredit-CEO Andrea Orcel sei darauf erpicht, der Commerzbank die Struktur seines Hauses überzustülpen. Nach Orcels Kritik an der bisherigen Strategie der Frankfurter stehe das Management zusammen. Eine offizielle Stellungnahme zu der Unicredit-Offerte und eine Empfehlung an die Aktionäre kündigte Orlopp für kommende Woche an.  

Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.