Firmenkundengeschäft: Banken ziehen die Zügel noch enger an

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Im Firmenkundengeschäft sind dunkle Wolken aufgezogen. Foto: KI-generiert
Im Firmenkundengeschäft sind dunkle Wolken aufgezogen. Foto: KI-generiert

Ein wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland ist derzeit nicht in Sicht. Globaler Wettbewerb, geopolitische Unsicherheiten und eine rückläufige Nachfrage drücken die Stimmung nach unten, die Konjuktur in diesem Jahr bleibt volatil. Diese Entwicklungen schlagen sich auch im deutschen Firmenkundengeschäft nieder, wie die jüngste Befragung des FINANCE Think Tank zeigt.

Der FINANCE Think Tank fängt in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Helbling Business Advisors halbjährlich das Stimmungsbild unter Deutschlands Firmenkundenbetreuern ein. Die Ergebnisse aus der Frühjahrsausgabe 2026 machen deutlich: Die Branche hat es zwar nicht leicht, doch das scheint die Arbeitszufriedenheit der Berater kaum zu beeinflussen.

Banken verschärfen Kreditbedingungen

Eine erste Erkenntnis: Banken ziehen ihre Kreditbedingungen weiter an. Die Finanzinstitute wollen das steigende Risiko eingepreist haben, vor allem bei der Kreditvergabe an deutsche Mittelständler. Zudem werden die Geldhäuser immer vorsichtiger bei der Kreditvergabe. Ihr Risikoappetit hat sich seit der vergangenen Umfrage im Herbst 2025 nicht verändert und befindet sich inzwischen seit 2022 im negativen Bereich.

Info

Dies wird vor allem an einem Aspekt deutlich: strengere Vorsichtsmaßnahmen. „Die Prüfung von Bonität und Cashflows erfolgt deutlich genauer als noch vor ein paar Jahren“, kommentiert Jan-Erik Gürtner, Geschäftsführer und Partner bei Helbling Business Advisors.

Es ist das gute Recht der Banken, bei der Kreditvergabe genauer hinzuschauen, denn wie die Umfrageergebnisse zeigen, steigt die Anzahl der Covenant-Brüche weiter. Teil der Wahrheit ist aber auch: Wenn die Kreditbedingungen enger werden, wird es auch leichter, sie zu reißen. Darüber hinaus haben sich die Ratings in den Portfolios, bis auf wenige Ausnahmen, verschlechtert. Bereits in der Umfrage aus dem vergangenen Jahr wurde von zahlreichen Unternehmen, denen die Liquidität wegbricht, berichtet.

Wie hat sich die Investitionsbereitschaft entwickelt?

Diese Zurückhaltung bei den Banken trifft auf Unternehmen, die ohnehin weniger investieren wollen. Die jüngste Umfrage zeigt, dass die Nachfrage nach Firmenkrediten sinkt – deutsche Unternehmen setzen vermehrt auf alternative Finanzierungsformen, wie Gürtner einordnet. Die Investitionsbereitschaft ist bei mehr als 70 Prozent der Kunden zurückgegangen, wenn auch bei etwas mehr als der Hälfte davon (54 Prozent) nur leicht. Lediglich 9 Prozent weisen ein gestiegenes Investitionsverhalten auf, davon bei 1 Prozent stark. Bei den übrigen 20 Prozent bleibt die Investitionsbereitschaft unverändert.

„Der Sturm draußen lässt nicht nach – im Gegenteil, wir bekommen kein einziges Problem gelöst und regelmäßig neue dazu“, fasst Bastian Frien, Gründer und Geschäftsführer des FINANCE Think Tank, die derzeitige wirtschaftliche Lage zusammen, nachdem sich der Sturm bereits im Herbst 2025 angekündigt hatte.

Sinkende Wechselbereitschaft, steigende Arbeitszufriedenheit

Dennoch hat sich die Stimmung im Corporate Banking im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Die Wechselbereitschaft der Firmenkundenbetreuer ist gesunken und ihre Arbeitszufriedenheit hat seit Beginn der Umfrage im Herbst 2018 den höchsten Stand erreicht. „Die Freude an der Arbeit kann der Sturm draußen unseren Firmenkundenbetreuern nicht vermiesen“, fährt Frien fort.