RWE steigt bei Amprion zum Mehrheitsaktionär auf
RWE schnappt sich die Mehrheit an Amprion. Der Essener Energiekonzern erwirbt von fünf Gesellschaftern des Investorenkonsortiums M31 mittelbare Anteile von insgesamt 35 Prozent am Übertragungsnetzbetreiber Ampirion für 3,6 Milliarden Euro. Die Gesamtbeteiligung steigt damit auf 55 Prozent. Amprion bleibt nach gesetzlichen Entflechtungsvorschriften jedoch ein unabhängiger Netzbetreiber.
Mit dem Einstieg als Mehrheitseigner macht RWE das regulierte Netzgeschäft zum dritten Investitionsschwerpunkt neben erneuerbaren Energien und flexibler Stromerzeugung. Bis 2031 will der Konzern insgesamt 6,5 Milliarden Euro in den Ausbau des deutschen Übertragungsnetzes investieren.
Den Zukauf finanziert RWE über eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund 4 Milliarden Euro, die per beschleunigtem Bookbuilding zu 54 Euro je Aktie platziert wurde und deutlich überzeichnet war. Die Qatar Investment Authority und Norges Bank Investment Management zeichneten als Ankerinvestoren zusammen rund 1 Milliarde Euro. Der Vollzug ist für das dritte Quartal 2026 geplant. White & Case beriet mit Swiss Life Asset Managers einen Teil des Investorenkonsortiums, Hengeler Müller begleitete RWE. AEBG wurde beim Verkauf ihrer indirekten Amprion-Beteiligung an RWE von Clifford Chance beraten.
Ottobock trennt sich vom Rollstuhlgeschäft
Als nicht fortgeführtes Geschäft stand die Rollstuhlsparte schon länger in Ottobocks Büchern, nun ist ein Käufer gefunden. Der Orthopädietechnikhersteller aus Duderstadt verkauft seinen Geschäftsbereich Human Mobility an DHCare, ein Medizintechnikunternehmen unter der Ägide des amerikanischen Finanzinvestors Rhône Group. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Zum Geschäft gehören die deutschen Human-Mobility-Gesellschaften sowie der niederländische Kinderrollstuhlspezialist Veldink4Kids.
Ottobock schärft mit dem Verkauf den Fokus auf Prothetik und Neuro-Orthetik. DHCare seinerseits baut mit dem Zukauf seine europäische Position als Anbieter von Mobilitätslösungen aus. Das Unternehmen war Anfang 2026 aus dem US-Unternehmen Direct Healthcare und dem Europa- und Asien-Geschäft des britischen Rollstuhlherstellers Invacare entstanden. Für DHCare ist es der erste Zukauf unter der neuen Eigentümerstruktur. Die Kanzlei Freshfields beriet Ottobock bei dem Deal und Linklaters agierte aufseiten von DHCare.
Die französischen Tochtergesellschaften beider Gruppen verhandeln zudem exklusiv über den Verkauf des französischen Human-Mobility-Geschäfts. Dieser Prozess läuft separat.
VW verkauft Everllance an Bain Capital
Jetzt ist es offiziell. Nachdem Volkswagen schon länger über den Verkauf von Everllance, ehemals MAN Energy Solutions, verhandelt hat, verkünden die Wolfsburger nun den Verkauf von 51 Prozent der Anteile des Unternehmens. Käufer ist der US-Finanzinvestor Bain Capital. Der Kaufpreis liegt laut VW bei rund 7,4 Milliarden Euro. Volkswagen bleibt mittelfristig mit 49 Prozent beteiligt. Everllence erwirtschaftet rund 4,9 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt weltweit rund 16.000 Mitarbeiter.
Bain Capital plant, das Unternehmen in vier Bereichen weiterzuentwickeln: Ausbau des Servicegeschäfts mit der bestehenden Kundenbasis, Stärkung der Position im Marineverteidigungsmarkt, Entwicklung alternativer Antriebssysteme für die Dekarbonisierung der Schifffahrt sowie Erschließung des wachsenden Strombedarfs von Rechenzentren. Volkswagen setzt mit dem Verkauf seinen Kurs fort, sich stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Merck übernimmt Bio-Techne
Milliarden-Deal in Hessen: Merck übernimmt den US-amerikanischen Laborausrüster Bio-Techne für 73 Dollar je Aktie in bar, was einem Unternehmenswert von rund 11,3 Milliarden Dollar, umgerechnet 9,9 Milliarden Euro, entspricht. Der Aufschlag auf den volumengewichteten Ein-Monats-Durchschnittskurs beträgt 36 Prozent. Bio-Techne hat seinen Sitz in Minneapolis, beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter an 34 Standorten weltweit und erzielte zuletzt einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Die Transaktion wird durch eine Kombination aus vorhandenen Barmitteln und neu aufgenommenen Krediten finanziert.
Der Abschluss ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und der Zustimmung der Bio-Techne-Aktionäre.
Guggenheim Securities und J.P. Morgan beraten Merck finanziell und die Kanzlei Sullivan & Cromwell rechtlich. Goldman Sachs und Sidley Austin agieren auf der Seite von Bio-Techne.
Schufa holt sich Compliance-Spezialisten Strateco
Die Schufa greift im Markt für Geldwäscheprävention zu. Die Wiesbadener Bonitätsauskunftei übernimmt Strateco, einen auf KYC und Compliance spezialisierten Dienstleister aus Bad Homburg mit rund 160 Mitarbeitern. Strateco erwirtschaftet rund 90 Prozent seiner Umsätze mit Compliance- und Regulatorikdienstleistungen und ist vor allem bei großen und mittelgroßen Finanzinstituten im Corporate- und Investmentbanking etabliert. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.
Mit dem Zukauf baut die Schufa das KYC- und Compliance-Geschäft zum zweiten strategischen Standbein aus. Strateco wird künftig als 100-prozentige Tochter der Schufa geführt und ist Schwestergesellschaft von ClariLab. Beide Unternehmen arbeiteten bereits vor der Übernahme zusammen. DC Advisory berät die Schufa bei der Transaktion in Sachen Finanzierung.
Weitere M&A-Deals
Carl Zeiss stockt seine Beteiligung an der börsennotierten Tochter Carl Zeiss Meditec auf. Über Zukäufe an der Börse will der Mutterkonzern bis Ende Februar 2027 Aktien im Wert von bis zu 200 Millionen Euro erwerben. Zeitpunkt und Umfang der einzelnen Käufe richten sich nach den jeweiligen Marktbedingungen, teilt Carl Zeiss mit. Die Beteiligung soll dabei 70 Prozent der Stimmrechte nicht überschreiten, um einen ausreichenden Streubesitz zu sichern. Ein Delisting, einen Beherrschungsvertrag oder andere Strukturmaßnahmen schließt Carl Zeiss ausdrücklich aus.
Jungheinrich steigt beim Automatisierungsspezialisten Navflex ein. Das 2021 gegründete Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Colorado und Niederlassung in München hat sich auf die Automatisierung des LKW-Be- und Entladens spezialisiert, einen der letzten manuell dominierten Kernprozesse in der Intralogistik. Gemeinsam wollen beide Partner eine autonome Lösung für variable Dock-Umgebungen entwickeln, die ohne zusätzliche Infrastruktur auskommt. Jungheinrich bringt dabei seine Fahrzeugplattform und Integrationskompetenz ein, Navflex steuert die KI-basierte Software für Navigation und Prozesssteuerung bei. Über den Kaufpreis und den Umfang der Beteiligung machten die Partner keine Angaben.
Heidelberger Druckmaschinen stärkt sein Kerngeschäft mit einem Zukauf vom Wettbewerber Manroland Sheetfed. Der Maschinenbauer übernimmt dessen Service- und Ersatzteilgeschäft, mehrere Vertriebsgesellschaften sowie Technologie und geistiges Eigentum rund um Service und Ersatzteile. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.
Das Aldinger Metallverarbeitungsunternehmen Flaig + Hummel hat Mauth Wärmebehandlungstechnik übernommen, eine Heizungsmontagefirma aus Tuningen. Der Verkauf sichert den Fortbestand des Unternehmens, das mehr als 30 Jahre inhabergeführt war. Die M&A-Beratung Sonntag hat Mauth Wärmebehandlungstechnik bei der Transaktion begleitet.
Bantleon übernimmt den Zürcher Wandelanleihen-Spezialisten Bantleon Convertible Experts vollständig. Der Hannoveraner Asset Manager erwarb die verbleibenden 38 Prozent der Anteile an dem ehemals unter dem Namen Credit Suisse Investment Partners (Schweiz) firmierenden Unternehmen und hält damit nach Genehmigung durch die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA 100 Prozent. Seit dem Einstieg im Oktober 2024 wuchs das verwaltete Vermögen um 31 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Über den Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.
M&A-Gerüchteküche
Stada prüft einem Bloomberg-Bericht zufolge den Kauf des französischen Consumer-Health-Unternehmens Cooper von dessen Mehrheitseigentümer CVC Capital Partners. Der Arzneimittelhersteller aus Bad Vilbel soll bereits erste Gespräche über eine mögliche Transaktion geführt haben. Cooper könnte dabei mit rund sechs Milliarden Euro bewertet werden, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Das Unternehmen stellt Körperpflege- und Gesundheitsprodukte unter Marken wie Baccide, Kamillosan und Transpulmin her.
Siemens Energy soll sich von einem Geschäftsbereich in Milliardenhöhe trennen. Dabei soll es sich um die Einheit Transformation of Industry handeln, wie das „Manager Magazin“ mit Verweis auf ein internes Dokument berichtete. Demnach seien Konzernstrategen zu dem Schluss gekommen, dass eine Trennung von der Sparte perspektivisch sowohl für die Einheit als auch für die Aktionäre vorteilhaft wäre. In einem ersten Schritt könnte Siemens Energy rund 60 Prozent der Anteile abstoßen, per Spin-off oder Börsengang. Die verbleibenden 40 Prozent würde der Konzern demnach zunächst behalten. Die Sparte unterstützt Industrieunternehmen aus der Öl-, Gas-, Chemie- und Stahlindustrie bei der Reduzierung von Emissionen und Energieverbrauch. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte sie einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro. Von der Trennung wären rund 17.000 Mitarbeiter betroffen.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
