M&A-Deals: Hapag Lloyd,Nagarro, Bayer

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Über das Tochterunternehmen Hanseatic Global Terminals übernimmt Hapag-Lloyd einen 20 Prozent-Anteil am Eurogate Container Terminal Hamburg. Foto: Frank Gärtner - adobe.stock.com
Über das Tochterunternehmen Hanseatic Global Terminals übernimmt Hapag-Lloyd einen 20 Prozent-Anteil am Eurogate Container Terminal Hamburg. Foto: Frank Gärtner - adobe.stock.com

Hapag-Lloyd-Tochter kauft sich in Hamburger Hafen ein

Hapag-Lloyds Terminalsparte Hanseatic Global Terminals baut die Präsenz in Hamburg aus und übernimmt einen 20-Prozent-Anteil am Eurogate Container Terminal Hamburg. Gleichzeitig plant das Unternehmen, seine bestehende Beteiligung am Terminal TC3 im marokkanischen Tanger von 10 auf 20 Prozent aufzustocken. Ein verbindlicher Kaufvertrag ist noch nicht geschlossen, die Transaktion steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.  

Für Hanseatic Global Terminals ist es nach dem Container Terminal Altenwerder die zweite Beteiligung im Hamburger Hafen. Das 2023 gegründete Unternehmen hält derzeit Anteile an 26 Seeterminals in 13 Ländern und will das Portfolio bis 2030 auf über 30 Beteiligungen ausbauen. Der Hamburger Deal reiht sich in eine breitere Expansionsstrategie der Hapag-Lloyd-Gruppe im Terminalsegment ein. Die Kanzlei Hogan Lovells agiert aufseiten von Eurogate, während Gleiss Lutz Hapag-Lloyd berät. 

Persistent greift nach Nagarro für eine Milliarde

Nagarro ist künftig in indischer Hand: Der IT-Dienstleister Persistent plant die Übernahme des börsennotierten deutschen Wettbewerbers und bietet 81 Euro je Aktie. Das bewertet das Nagarro-Aktienkapital mit knapp über einer Milliarde Euro, etwa dem Doppelten des Xetra-Schlusskurses vom vergangenen Freitag. Persistent will mindestens 50 Prozent der Anteile erwerben und hat sich bereits rund 20 Prozent von der Gründerfamilie gesichert. Auch Vorstandsmitglieder wollen ihre privat gehaltenen Pakete einliefern. 

Für Persistent schließt der Zukauf eine Portfoliolücke im europäischen Markt. Analysten von Jefferies sehen das Unternehmen als naheliegenden Bieter, da sich die Geschäftsmodelle beider Häuser gut ergänzen. Synergien werden vor allem im Cross-Selling gemeinsamer Produkte erwartet. Nagarro hatte zuletzt durch Bilanzierungsprobleme und einen rückläufigen operativen Gewinn stark an Börsenwert verloren. Ein konkurrierendes Gebot gilt Analysten von Warburg Research zufolge angesichts der bereits gesicherten Anteile als unwahrscheinlich. 

Die Nagarro-Aktie legte nach Bekanntgabe des Angebots im Montagshandel um rund 92 Prozent auf 77,55 Euro zu. Nagarro ist nach der Abspaltung von Allgeier seit Dezember 2020 börsennotiert. Bei dem Deal berät Freshfields und Gleiss Lutz aufseiten von Nagarro, während Hengeler Mueller Persistent zur Seite steht. 

Bayer gliedert US-Glyphosatgeschäft in Ruveon aus

Bayer bündelt sein US-amerikanisches Glyphosatgeschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Roundup in einer neuen eigenständigen Einheit namens Ruveon. Das in St. Louis, Missouri, ansässige Unternehmen bleibt Teil des Bayer-Konzerns und übernimmt künftig alle Aspekte des Glyphosatgeschäfts eigenständig, von Preisgestaltung und Markteinführungsstrategien bis zu Produktion und Logistik. Die Ausgliederung ist Bestandteil des Fünfjahresprogramms der Bayer-Division Crop Science, mit dem der Konzern die Wettbewerbsfähigkeit des Agrarchemieteils sichern will. 

Mit der Neustrukturierung reagiert Bayer auf den durch Generika geprägten US-Markt für Glyphosatprodukte. Als eigenständige Einheit soll sich Ruveon agiler auf spezifische Wettbewerbsdynamiken einstellen können, als es innerhalb der bestehenden Konzernstruktur möglich war. Bayer kämpft seit der ‌Übernahme des US-Konzerns Monsanto 2018 mit einer ‌Klagewelle in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter ‌wie ​Roundup. Zuletzt hat Bayer allerdings einen wichtigen Sieg erringen können.  

Weitere M&A-Deals

Noch im April musste Kloster Kitchen Insolvenz anmelden. Nun hat der österreichische Fruchtsafthersteller Rauch das Unternehmen übernommen und damit aus der Krise gerettet. Zuletzt konnte sich die Functional-Drinks-Marke nicht mit den Gesellschaftern des Mutterunternehmens Curameo auf eine weitere Finanzierung einigen. Nach eigenen Angaben zählt Kloster Kitchen zu den führenden Anbietern für Bio-Ingwer-Shots. 

Der Deal sichert den Reichenschwander Standort sowie 29 Arbeitsplätze von Kloster Kitchen. „Gemeinsam ist es gelungen, eine nachhaltige Perspektive für das Unternehmen, seine Mitarbeitenden und die Marke Kloster Kitchen zu schaffen“, kommentiert Insolvenzverwalter Patrick Meyerle die Transaktion. Für Rauch bedeutet der Deal zugleich eine Erweiterung seines Angebots im deutschsprachigen Raum. Die Kanzlei Pluta hat den Deal rechtlich begleitet. 

Der Wasseraufbereitungsspezialist Euwa ist künftig Teil von Grundfos: Der dänische Pumpenhersteller erweitert mit dem Erwerb sein Geschäft im Bereich Wasseraufbereitung in der Getränkeindustrie. Gleichzeitig baut Euwa mit der Transaktion seine Präsenz in Deutschland aus. Norton Rose Fulbright hat Grundfos bei der Übernahme beraten. 

In München gegründet, auf Ferienhäuser in Frankreich spezialisiert: Nun setzt die Unterkunftsplattform Holidu auf die Niederlande und integriert das Ferienhausportal Gites.com ins eigene System. Mit der Transaktion stärkt Holidu sein Angebot an Unterkünften in den Niederlanden, Belgien und Frankreich.  

Springer Nature trennt sich gleich von zwei Wissenschaftsmagazinen: Das populärwissenschaftliche US-Magazin Scientific American geht an die kanadische LabX Media Group, das deutschsprachige Pendant Spektrum der Wissenschaft übernimmt der Münchner Verlag GeraNova Bruckmann. Springer Nature will sich mit den Verkäufen stärker auf sein Kerngeschäft in den Bereichen Forschung, Gesundheit und Bildung konzentrieren. Freshfields beriet Springer Nature bei beiden Transaktionen. 

Livekindly Collective übernimmt den Münchner Hersteller von veganen Ersatzprodukten Greenforce. Die Vereinbarung wurde am 1. Juli unterzeichnet, steht aber noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigung. Mit dem Zukauf will der US-amerikanische Anbieter pflanzenbasierter Lebensmittel sein europäisches Markenportfolio ausbauen. 

M&A-Berater-News

Das Next-Seven-Haus Grant Thornton hat den Geschäftsbereich M&A-Advisory verstärkt: Tobias Eiblmeier ist zum 1. Juli als Partner eingestiegen. In seiner neuen Rolle am Münchner Standort soll er den Ausbau der M&A-Beratung und des Mid-Cap-Advisory-Geschäfts in Deutschland begleiten. Eiblmeier wechselt von der Investmentholding Certina Group. 

Raffael Huber wird neuer Director bei Lincoln. Der Neuzugang soll künftig die Investmentbanking-Beratung im Bereich der Industrials Group in Zürich verstärken und den Ausbau der Präsenz des Unternehmens in der Schweiz und Europa vorantreiben. Huber verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Investmentbanking: Acht Jahre war er bei der Schweizer Großbank Credit Suisse tätig, zuletzt als Director Investmentbanking. Anschließend ging er zum Finanzinstitut UBS, wo er bis zu seinem Wechsel zur Lincoln Industrials Group die Position des Executive Director Investmentbanking und M&A innehatte. 

Neuzugang bei Peryton Advisory: Der Finanzberater hat Johannes Neipperg ins Frankfurter Büro geholt. Er kommt von der Privatbank Oddo BHF, der er nach zwei Jahrzehnten den Rücken kehrt. Neipperg bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen M&A und Corporate Finance mit zu Peryton AdvisorySein Schwerpunkt liegt auf Small- und Mid-Cap-Transaktionen. 

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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