Finanzierungen: Bayer, Tennet Germany, Proxima Fusion

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Bayer sammelt 3 Milliarden Euro beim Vermögensverwalter Apollo ein. Foto: Bruno Coelho - stock.adobe.com
Bayer sammelt 3 Milliarden Euro beim Vermögensverwalter Apollo ein. Foto: Bruno Coelho - stock.adobe.com

Bayer sichert sich 3 Milliarden Euro von Apollo

Bayer hat sich 3 Milliarden Euro Eigenkapital zur Verbesserung der Kapitalstruktur gesichert. Das teilte der Pharma- und Agrarchemiekonzern, der wegen hoher Schulden und Belastungen aus US-Glyphosatklagen unter Druck steht, am Freitag mit. Dafür unterzeichnete Bayer eine Vereinbarung mit Apollo. Der Finanzinvestor erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer das Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC) einbringt.

Bayer bleibt dabei Mehrheitseigner der neuen Gesellschaft und führt das Geschäft operativ weiter. Auch strategisch soll sich durch den Einstieg von Apollo nichts ändern. Das LARC-Geschäft bleibt Teil der Pharmasparte und wird weiterhin vollständig in den Konzernabschluss einbezogen.

Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant, steht aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden und weiterer üblicher Bedingungen. BofA Securities und die Deutsche Bank haben Bayer als Finanzberater begleitet. Rechtlich beraten wurde der Konzern von der Wirtschaftskanzlei Linklaters. Apollo wurde von den Wirtschaftskanzleien Latham & Watkins, Paul Weiss sowie Nauta Dutilh juristisch beraten.

Tennet startet mit Milliardenanleihe am Fremdkapitalmarkt

Tennet Germany hat beim Debüt am Fremdkapitalmarkt grüne Anleihen über insgesamt 3,5 Milliarden Euro platziert. Die Emission besteht aus vier Tranchen mit Laufzeiten von vier, acht, zwölf und 20 Jahren, die unter dem 35 Milliarden Euro umfassenden Debt-Issuance-Programm von Tennet Germany begeben werden.

Die Anleihen sind mit Kupons von 3,25 Prozent, 3,625 Prozent, 4,125 Prozent und 4,625 Prozent ausgestattet. Sie sollen am regulierten Markt der Luxemburger Wertpapierbörse notieren und voraussichtlich in die Luxembourg Green Exchange aufgenommen werden. Nach Unternehmensangaben war das Orderbuch auf dem Höhepunkt rund 6,3-fach überzeichnet.

Der Übertragungsnetzbetreiber mit Sitz in Bayreuth betreibt einen großen Teil des deutschen Höchstspannungsnetzes und spielt damit eine zentrale Rolle beim Ausbau der Strominfrastruktur. Die Emission erfolgt im Einklang mit der EU-Green-Bond-Verordnung sowie den ICMA Green Bond Principles 2025.

Tennet Germany spricht von der bislang größten europäischen grünen Unternehmensanleihe nach dem EU-Green-Bond-Standard. Die Mittel sollen der langfristigen Finanzierungsstrategie des Unternehmens dienen und das umfangreiche Investitionsprogramm in die Strominfrastruktur unterstützen.

Kernfusions-Start-up Proxima Fusion wird zum Einhorn

Das Kernfusions-Start-up Proxima Fusion hat in einer Finanzierungsrunde 411 Millionen Euro eingesammelt. Damit liegt die Bewertung laut dem Münchener Unternehmen nun bei rund 2,4 Milliarden Euro, wodurch es zum Einhorn aufsteigt. Laut Proxima Fusion handelt es sich um die bislang größte Finanzierungsrunde für ein europäisches Fusionsunternehmen.

Angeführt wurde die Runde von XTX Ventures, dem Venture-Arm des Londoner Handelshauses XTX Markets, und der Londoner Venture-Capital-Gesellschaft East X Ventures. Als strategische Investoren beteiligten sich RWE mit 25 Millionen Euro sowie Google. Hinzu kamen unter anderem KfW Capital, Sprind und Burda Principal Investments sowie bestehende Investoren wie Plural, UVC Partners, Balderton, Cherry Ventures, Bayern Kapital und der EIC Fund.

Mit dem Kapital will Proxima Fusion den Bau des Demonstrationsreaktors Alpha vorantreiben. Zudem arbeitet das Unternehmen mit RWE an einem Stellarator-Fusionskraftwerk am Standort des früheren Kernkraftwerks Gundremmingen in Bayern. RWE war erst wenige Monate nach der entsprechenden Vereinbarung als Investor eingestiegen.

Rechtlich beraten wurde Proxima Fusion bei der Finanzierungsrunde von der Wirtschaftskanzlei Orrick. Die Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing hat den Co-Lead-Investor East X Ventures beraten.

Weitere Finanzierungsmeldungen

Hellofresh hat eine Unternehmensanleihe über 350 Millionen Euro bei institutionellen Investoren platziert. Die unbesicherten Schuldverschreibungen laufen bis zum 8. Juli 2031 und sind mit einem Kupon von 5,5 Prozent ausgestattet. Der Emissionserlös soll für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden, darunter die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten. BNP Paribas, Deutsche Bank, Rabobank und Unicredit waren als Bookrunner beteiligt. Hogan Lovells Cadwalader hat den Kochboxenanbieter bei der Emission beraten.

Schülke & Mayr hat eine Debüt-Term-Loan-B-Finanzierung abgeschlossen. Der Hersteller von antiseptischen und desinfizierenden Produkten refinanziert damit eine bestehende Unitranche-Finanzierung. Die neue Finanzierung umfasst eine aufgestockte Facility B über 525 Millionen Euro sowie eine revolvierende Kreditfazilität über 100 Millionen Euro. Die Wirtschaftskanzlei Milbank hat Schülke bei der Finanzierung beraten.

Tom Tailor hat die Refinanzierung abgeschlossen und die Laufzeit der Finanzierungsvereinbarungen bis Ende 2028 verlängert. Unterstützt wurde das Unternehmen dabei erneut von seinem Gesellschafter Fosun International. Zudem zahlte Tom Tailor im Juni 2026 ein während der Corona-Pandemie gewährtes und staatlich verbürgtes Darlehen über 100 Millionen Euro planmäßig und vollständig zurück.

Das Münchener Deep-Tech-Unternehmen Quantum Diamonds hat 91 Millionen Euro eingeworben. Die Finanzierung setzt sich aus einer Förderung im Rahmen des European Chips Acts und einer Series-A-Runde zusammen. Quantum Diamonds entwickelt Messtechnik, mit der sich Defekte in komplexen Chip-Architekturen zerstörungsfrei erkennen lassen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Technologie skalieren, das Ingenieurteam ausbauen und einen neuen Produktionsstandort in München in Betrieb nehmen. Zu den Investoren zählt unter anderem Bayern Kapital.

Das Frankfurter Digital-Identity-Start-up Lissi hat 3,5 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Das Unternehmen entwickelt Schnittstellen für EUDI-Wallets, mit denen sich digitale Identitäten nach EU-Standard nutzen lassen. Angeführt wurde die Runde vom Venture-Capital-Investor Ventech. Ebenfalls beteiligt waren die Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen sowie die Bestandsinvestoren Main Incubator aus der Commerzbank-Gruppe und Ninepointfive Ventures. Mit dem Kapital will Lissi das Geschäft im Finanzsektor ausbauen.

Ifco hat den Term Loan B neu bepreist und auf 2,5 Milliarden Euro aufgestockt. Der Anbieter von wiederverwendbaren Verpackungslösungen für frische Lebensmittel befindet sich im gemeinsamen Eigentum der Investoren Triton und Stonepeak. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins hat Ifco bei dem Repricing und der Aufstockung beraten.

Rating-Meldungen:

Moody’s hat Autodoc erstmals mit „Ba3“ bewertet. Der Ausblick ist stabil.

Moody’s hat das „Baa2“-Rating von Eon bestätigt. Der Ausblick ist stabil.

Fitch hat den Term Loan B der Schülke-Gruppe mit „BB-“ bewertet.

Katharina Kleint ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen. Sie hat Politikwissenschaften und Germanistik an der Frankfurter Goethe-Universität studiert. Parallel arbeitete sie als freie Journalistin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau sowie die Mediengruppe Offenbach-Post. Nach dem Studium absolvierte sie ihr Volontariat bei F.A.Z. Business Media.