Bei dem Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druckmaschinen steht erneut ein Führungswechsel im Finanzbereich bevor. Wie das Unternehmen bekannt gab, hat der Aufsichtsrat Christoph Burkhard zum Oktober zum CFO bestellt.
Er wird das Amt von Volker Herdin übernehmen, der Ende September in den Ruhestand tritt. Bis zu seinem Ausscheiden wird Herdin die Übergabe begleiten. Auf Burkhard wartet eine große Aufgabe: Er soll den Konzern sanieren und das Vertrauen am Kapitalmarkt zurückgewinnen.
Christoph Burkhard: Erfahrener Maschinenbau-CFO
Burkhard ist kein Unbekannter in der deutschen Industrielandschaft. Bis Ende August ist der 1964 geborene Diplom-Kaufmann noch als Finanzvorstand beim börsennotierten Baumaschinenhersteller Wacker Neuson tätig. Davor leitete er als CFO die Finanzen des Hamburger Windturbinenbauers Nordex – ebenfalls ein börsennotiertes, international aufgestelltes Maschinenbauunternehmen. Seine Karriere startete er bei der Wind Power Division von Siemens, wo er im Laufe seiner über 17-jährigen Karriere diverse CFO-Position innehatte.
Mit Burkhard habe Heidelberger Druckmaschinen einen im internationalen Umfeld sehr erfahrenen CFO gewonnen, erklärte Martin Sonnenschein, Aufsichtsratsvorsitzender von Heidelberger Druckmaschinen.
Er betonte vor allem Burkhardts „Fähigkeit zur erfolgreichen und nachhaltigen Cashflow-Generierung bei zwei börsennotierten internationalen Maschinenbauunternehmen“. Dies sei auch für den Druckmaschinenhersteller aus Heidelberg ein wichtiges Thema.
Breites Ressort: Von Finanzen bis Informationssicherheit
In seiner neuen Rolle wird Burkhard ein umfangreiches Aufgabenfeld verantworten: Neben den klassischen Bereichen Finanzen, Controlling und Rechnungswesen fallen auch Investor Relations, M&A, Recht und Steuern sowie die Informationssicherheit in seinen Zuständigkeitsbereich. Das verdeutlicht, welche strategische Bedeutung dem Finanzvorstand im laufenden Transformationsprozess des Konzerns zukommt.
In den vergangenen Jahren war es unruhig in der Finanzabteilung bei Heidelberg Druck. Ende März 2025 verließ die damalige CFO, Tania von der Goltz, das Unternehmen nach zwei Jahren auf eigenen Wunsch. Auf sie folgte Volker Herdin, der im Mai 2025 zu Heidelberg Druck dazustieß, um den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Otto als Vertrauter aus gemeinsamen Brose-Zeiten kaufmännisch zu unterstützen.
Heidelberg in der Krise: Marge unter Druck, Aktie im Keller
Heidelberger Druckmaschinen kämpft seit Jahren mit dem Strukturwandel im Druckgeschäft: rückläufige Investitionsnachfrage, schwieriges Währungsumfeld und eine Aktie, die seit 2022 im 1-Euro-Bereich notiert.
Die Zahlen des jüngsten Geschäftsjahres 2025/2026 illustrieren die Lage: Der Umsatz stieg nur minimal auf 2,29 Milliarden Euro, nach 2,28 Milliarden Euro im Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge sank auf 6,6 Prozent (Vorjahr: 7,1 Prozent).
CEO Jürgen Otto, der seit 2024 an der Spitze des Unternehmens steht, verfolgt einen klassischen Sanierungsansatz: Effizienzsteigerung, Kostenabbau – und eine konsequente Diversifizierung jenseits des stagnierenden Kerngeschäfts.
Drohnenabwehr statt Druckmaschinen?
Wie weit die Transformation bereits reicht, zeigt ein Blick auf die jüngsten strategischen Weichenstellungen. Im März ging Heidelberg über seine Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies ein Joint Venture mit dem US-amerikanischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems ein. Das gemeinsame Unternehmen Onberg Autonomous Systems soll in Europa einen One-Stop-Shop für autonome Drohnenabwehrsysteme aufbauen.
Burkhard wird mutmaßlich künftig nicht nur ausschließlich das Kerngeschäft stabilisieren, sondern auch den finanziellen Rahmen für eine strategische Neuausrichtung schaffen, die das Unternehmen fundamental verändern könnte.
Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
