Unternehmer Klaus-Michael Kühne ist verstorben

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Klaus-Michael Kühne gehörte zu den reichsten und einflussreichsten Unternehmern Deutschlands. Foto: picture alliance/dpa | Axel Heimken
Klaus-Michael Kühne gehörte zu den reichsten und einflussreichsten Unternehmern Deutschlands. Foto: picture alliance/dpa | Axel Heimken

Er war einer der einflussreichsten und reichsten Unternehmer Deutschlands. Nun ist Klaus-Michael Kühne in der Nacht auf Montag im Alter von 89 Jahren verstorben. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ darüber berichtet und beruft sich auf seinen familiären Umkreis. Am Montagnachmittag hat die Kühne-Stiftung den Tod Kühnes offizielle bestätigt.

Vom Hamburger Erbe zum zweitreichsten Deutschen

Kühne wurde 1937 in Hamburg geboren, dort legte er das Fundament seiner Familiendynastie. Sein Großvater August hatte das Unternehmen Kühne + Nagel bereits 1890 in Bremen als Seefrachtvermittler gegründet. Kühne nutzte dieses Erbe geschickt und baute darauf einen weltumspannenden Logistikkonzern.

Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro galt Kühne zuletzt als zweitreichster Deutscher. Übertroffen wird er nur von Kaufland-Gründer Dieter Schwarz.

Kühne schaffte ein Logistik-Imperium

Das Herzstück seines Firmenreichs war Kühne + Nagel. 53 Prozent des weltgrößten Unternehmens für Luft- und Seefracht hielt er über seine Kühne Holding, die weit über die deutschen Grenzen hinweg bekannt ist.

Darüber hinaus baut er über Jahre sein Beteiligungsportfolio konsequent aus: 30 Prozent der Anteile an der Traditionsreederei Hapag-Lloyd zählten dazu. Zudem beteiligte sich seine Kühne Holding an dem Chemielogistiker Brenntag oder etwa am Bus- und Bahn-Unternehmen Flix. Den vielleicht aufsehenerregendsten Schritt machte Kühne jedoch 2022, als er zum größten Einzelaktionär der Lufthansa aufstieg. Noch im Mai dieses Jahres stockte seine Holding den Anteil am Airline-Konzern auf mehr als 20 Prozent auf – zuvor hatte er bei 15,01 Prozent gelegen.

Eine Stiftung übernimmt die Kontrolle

Was passiert nun mit dem gigantischen Erbe? Da Kühne keine Nachfahren hat, hatte er frühzeitig vorgesorgt. Den Großteil seines Vermögens brachte er bereits vor einigen Jahren in die Kühne-Stiftung ein, die wiederum Inhaberin der Kühne Holding in Schindellegi, seinem Wohnort in der Schweiz, ist. Eine Konstruktion, die das Unternehmen vor Zersplitterung und feindlichen Übernahmen schützen sollte.

Durch Kühnes Tod wird die Stiftung nun zur alles beherrschenden Institution im Firmengeflecht. Als Nachfolger des Gründer-Enkels im Präsidentenamt ist bereits seit mehr als einem Jahr der Baseler Anwalt Thomas Staehelin vorgesehen, der bislang als Vizepräsident amtierte. Im mächtigen Stiftungsrat sitzen neben Kühnes Ehefrau Christine auch der langjährige Vertraute Karl Gernandt sowie Kühne-Holding-Verwaltungsrat Jörg Wolle.

Mit Klaus-Michael Kühne verliert die deutsche Wirtschaft eine der letzten großen Unternehmerpersönlichkeiten alter Prägung – einen Mann, der ein über Generationen gewachsenes Erbe nicht nur bewahrte, sondern zu einer der bedeutendsten Beteiligungsstrukturen Europas ausbaute.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.